Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Ghana auffielen: Deniz Undav als Stuttgarts Kulturgut in der Joker-Falle
Die deutsche Nationalmannschaft müht sich im WM-Test gegen Ghana zu einem knappen 2:1-Erfolg. Nach einer vielversprechenden Anfangsphase mutiert die Begegnung - im Vergleich zum 4:3-Spektakel zuletzt gegen die Schweiz - zu einer besseren Einschlafhilfe, bis Publikumsliebling und Stuttgart-Kulturgut Deniz Undav die Fans doch noch erlöst. Drei Dinge, die beim DFB-Sieg auffielen.
Undav als Top-Joker im Nationalteam: Nagelsmann sieht sich bestätigt
Quelle: SID
Am Ende tankte die deutsche Nationalmannschaft 76 Tage vor dem WM-Auftakt doch noch etwas Selbstvertrauen.
2:1 hieß es aus Sicht des DFB-Teams, das zu Beginn zahlreiche Chancen ungenutzt ließ und im Laufe der Partie gegen einen über weite Strecken biederen Gegner ins Straucheln geriet.
Der eingewechselte Deniz Undav erlöste die Fans in seinem Stuttgarter Wohnzimmer (88.).
Zuvor hatte Kai Havertz die Gastgeber per Handelfmeter in Front gebracht (45.+3), Ghana-Joker Abdul Fatawu markierte den zwischenzeitlichen Ausgleich (70.) - und offenbarte dabei die aktuell größte Baustelle beim viermaligen Weltmeister.
Drei Dinge, die bei Deutschland - Ghana auffielen.
1. Undav - ein Stuttgarter Kulturgut in der Joker-Falle
Als das Spiel nach rund 30 Minuten die Ausfahrt in Richtung Apathie nahm, steuerten die Fans in Stuttgart gegen und heizten sich selbst mit lauten Deniz-Undav-Gesängen ein - obwohl dieser nicht auf dem Platz stand.
Der Besungene erhob sich von der Bank und winkte ins Rund. Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigte sich von den Appellen der Anhänger zunächst unbeeindruckt, kam dem Wunsch aber in der Pause nach.
Der gefeierte Lokalmatador, der mutmaßliche Heilsbringer, der aufgrund seines Stellenwerts beim hiesigen Klub von VfB-Vorstand Fabian Wohlgemut unlängst zum Stuttgarter "Kulturgut" erklärt wurde, lief auf dem Platz jedoch Gefahr, die Vorschusslorbeeren vertrocknen zu lassen.
Mickrige vier Ballaktionen zählten die Statistiker, ehe der bis dato Unsichtbare in der 88. Minute im Stile eines Knipsers den Sieg eintütete. Und sich bei den Fans bedankte.
"Es war krass zu hören, wie sie hinter mir stehen. Es war schön für mich, dass ich reingekommen bin und das Tor gemacht habe. Das war insgesamt ein perfekter Abend", fasste Undav das Erlebte im Nachgang am "ARD"-Mikrofon zusammen.
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Fußball: Deniz Undav trifft im WM-Test zum 2:1 für Deutschland gegen Ghana
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Klar, dass der 29-Jährige mit Blick auf die WM aus seinem von Nagelsmann schon so frühzeitig verordneten Joker-Status ausbrechen möchte: "Ich kenne meine Rolle. Aber durch wichtige Tore kann sich die vielleicht verändern."
Ein legitimer Wunsch, insbesondere, wenn man der derzeit mit Abstand treffsicherste Spieler im DFB-Kader ist (23 Tore in 38 Pflichtspielen). Als der Bundestrainer mit Undavs Worten konfrontiert wurde, machte er die Hoffnung des Cannstatter Volkshelden allerdings schnell zunichte.
Es sei "eher unwahrscheinlich", dass er bis zur WM über die Jokerrolle hinauskomme. Das dürfte beim Stuttgarter Publikum auf wenig Gegenliebe stoßen.
2. Erst Sturm, dann laues Lüftchen
Das DFB-Team machte schnell klar, wohin die Reise im Duell mit den Westafrikanern gehen sollte: Die Zeichen standen nach dem Tor-Festival gegen die Schweiz erneut auf Spektakel.
Deutschland ließ den Gästen in den ersten 25 Minuten kaum Luft, presste mit Mann und Maus, aber deutlich disziplinierter als unlängst in Basel. Ghana ließ jede Ambition in Richtung gegnerische Hälfte vermissen und drohte - wie zuletzt gegen Österreich (1:5) - erneut böse unter die Räder zu kommen.
Doch trotz bester Möglichkeiten blieben die Hausherren erst tor- und plötzlich auch ideenlos. Ganz zum Unmut des Übungsleiters. "Wir haben die Positionen nach 25 Minuten nicht mehr gut besetzt, hatten wieder sehr viel Freestyle, wie in der Schweiz. Dann sind wir sehr konteranfällig", erklärte Nagelsmann in der "ARD".
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Nick Woltemade konnte seine Chance beim 2:1-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft im Testspiel gegen Ghana nicht nutzen
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Auch Angreifer Nick Woltemade, der selbst für gleich zwei ausgelassene Großchancen verantwortlich zeichnete (4./53.), monierte die abfallende Leistung und fehlende Geduld: "Die ersten 25 Minuten waren sehr gut von uns, da hat das Tor gefehlt. Dann wurde es ein bisschen wild, weil wir ein bisschen unruhig waren, weil es nicht direkt geklingelt hat."
Und so verkam ein Spiel, das als potenzieller Sturmlauf begann, zu einem lauen Lüftchen - bis zu Undavs Schlussakt.
3. Die Abwehr bereitet weiter Sorgen
Selbst Ghana, das in Stuttgart lange so bieder daherkam, war in der Lage, die deutsche Abwehr vor Probleme zu stellen. Das dürfte wohl die bitterste Erkenntnis des Abends gewesen sein.
Nach den drei Gegentoren bei den effizienten Eidgenossen, die allesamt aus individuellen Fehlern resultierten, verteilte die DFB-Hintermannschaft phasenweise auch gegen die Black Stars Geschenke.
Besonders ins Auge sprang freilich das Gegentor, bei dessen Entstehung der eingewechselte Josha Vagnoman viel zu ungestüm gegen Union-Berlin-Profi Derrick Köhn zu Werke ging und sich vom gebürtigen Hamburger überlaufen ließ.
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Josha Vagnoman ließ Derrick Köhn vor dem zwischenzeitlichen 1:1 vorbeiziehen
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Dass bei Köhns Hereingabe in den Rückraum auch Vagnomans Teamkollegen für den eben erst eingewechselten Torschütze Fatawu Spalier standen, rundete die Fehlerkette ab.
"Das 1:1 dürfen wir so nicht fressen, das war schon sehr einfach", kritisierte Nagelsmann und führte aus: "Josha Vagnoman ist voll auf die Balleroberung gegangen, da muss er einfach versuchen, abzulaufen. Im Strafraum haben wir zudem die Mannbindung verloren."
Wie schon gegen die Schweiz wirkte BVB-Abwehrkraft Nico Schlotterbeck weit weg von souverän. Generell habe sich die Mannschaft "das Leben selbst schwergemacht" und sei nach der Nichtbeachtung seiner Vorgaben "viele unnötig weite Wege" gegangen. Dies habe dem Gegner zahlreiche Konter ermöglicht.
Nagelsmanns Conclusio: "Wenn du disziplinierter in der Struktur bleibst, sparst du dir sieben von zehn Kontern. Es ist ja gut, wenn sie immer gewinnen wollen. Wichtig ist, aber dass wir nicht zwei oder drei Gegentore durch Konter bekommen."
Ihm bleiben lediglich zweieinhalb Monate und zwei Testspiele, um vor der WM für mehr Verteidigungsstruktur zu sorgen.
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"Sehr verwundert": Schlotterbeck über Berichte zu Vertragsverlängerung
Quelle: SID
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