WM - Johan Manzambi auf den Spuren von Thomas Müller und Kylian Mbappé: Ein Schweizer Taschenmesser für den FC Bayern?
VonThomas Gaber
Update 25/06/2026 um 17:23 GMT+2 Uhr
130 Minuten Einsatzzeit bei der WM 2026 haben Johan Manzambi gereicht, um sich ins globale Schaufenster zu katapultieren. Der 20-Jährige schoss die Schweiz mit drei Toren zum Gruppensieg und ins Sechzehntelfinale und wandelt auf den Spuren von Thomas Müller und Kylian Mbappé. Müller empfahl Manzambi unlängst dem FC Bayern und interessierte Topklubs stehen bereits Schlange.
Manzambi "fehlen die Worte" - schon wieder Man of the Match!
Quelle: Perform
Nach dem fürchterlichen 1:1 gegen Katar wurde die Schweizer Nationalmannschaft medial zerlegt. Vergiftete Atmosphäre im Team, mieser Fußball, unfitte Spieler lauteten die Vorwürfe. Im zweiten WM-Auftritt gegen Bosnien wurde es lange Zeit nicht besser - ehe Johan Manzambi in der 72. Minute eingewechselt wurde.
Der 20-Jährige benötigte keine zwei Zeigerumdrehungen, um die "Nati" aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Mit seinem Volley-Tor zum 1:0 brach Manzambi den Bann und legte kurz vor Schluss gleich noch einen Treffer nach.
Ein Kurz-Auftritt des Schweizer Edel-Jokers, der die Fachwelt begeisterte. "Ich habe Manzambi schon länger auf dem Zettel. Wir spielen ja auch Kickbase, so ein Fußball-Managerspiel. Ich hatte ihn in der ersten Saisonhälfte in meinem Team und er hat gut für mich gepunktet. Jetzt können wir auch mal eine Schlagzeile machen: Das ist für mich einer, den sich auch der FC Bayern mal genauer anschauen sollte", sagte Thomas Müller in seiner Funktion als Experte bei "MagentaTV".
Ein Satz, halb spontan, halb bewusst gesetzt - und dennoch einer mit Sprengkraft. Laut Manzambis Berater hat sich die Zahl der Anfragen seit dem Doppelpack gegen Bosnien vervielfacht. Die große WM-Bühne lässt potenzielle Ablösesummen explodieren, plötzlich ist jenseits der 50 Millionen Euro die Rede.
Freiburg reibt sich schon die Hände
Die Schweizer Zeitung "Blick" mutmaßt, dass sich Manzambis Arbeitgeber SC Freiburg schon die Hände reibt, weil man im Breisgau weiß, dass der Spieler ohnehin nicht zu halten ist. Wenigstens lässt sich dick Kasse machen.
Doch was macht den Jungstar so begehrlich? Manzambi ist kein klar definiertes Profil. Und genau das macht ihn so spannend. In einem modernen System ist er das, was man früher "Hybridspieler" genannt hätte: Achter, Zehner, Übergangsspieler - manchmal alles gleichzeitig.
"Johan ist mein USB-Stick mit vier verschiedenen Systemen", schwärmt der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin. Gemeint ist Manzambis Flexibilität. Je nach Spielstand schiebt der Coach ihn durchs Mittelfeld wie einen Schach-Springer.
Bei der WM zeigt sich zusätzlich seine vielleicht wichtigste Qualität: Impact. Manzambi braucht keine 90 Minuten, um ein Spiel zu verändern. Zwei Tore in 20 Minuten gegen Bosnien, ein Tor und eine Vorlage beim 2:1 gegen Kanada - Manzambi ist in den entscheidenden Momenten präsent.
Albtraum für die Verteidiger
Für die gegnerischen Abwehrspieler wird er zum Albtraum. "Es ist herausragend, wie er immer wieder die Tiefe attackiert. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, das ist absolut eklig für die Verteidiger", analysierte "ARD"-Experte Robin Gosens.
Manzambi trägt keine Aura des fertigen Stars, sondern die eines Spielers, der vielleicht gar nicht merkt, wie gut er schon ist. Manzambis Entwicklung ist rasant: Stammspieler in Freiburg, Europa-League-Finalist, dann der Durchbruch im Nationalteam - und nun prägt er die WM mit Toren, Dynamik und auffälliger Unbekümmertheit.
"Das ist ein wahnsinnig interessanter Spieler. Manzambi ist die jugendliche Leichtigkeit und macht instinktiv sehr viel richtig auf dem Platz", sagte Lothar Matthäus.
Zudem überzeugt Manzambi physisch. In 3,4 Sekunden erreicht er die 30 km/h, sein Laktat nach 90 Minuten liegt unter drei Millimol - ein Wert, von dem andere Spieler nach 60 Minuten nur träumen. "Johan kann zweimal am Tag Vollgas geben - und dabei noch Smalltalk halten", sagt Yakin.
Die Schweizer WM-Delegation hat Manzambi den roten Teppich ausgelegt: Er verbringt viel Zeit in einem 20 Quadratmeter großen Zelt mit Eismaschine, Kompressionsbeinen und einem alten Nintendo 64. "Mario Kart hält ihn ruhig", sagt Physiotherapeut Simon Zahner, "Er spielt mit Manuel Akanji und verliert absichtlich, damit niemand sauer ist."
Auf den Spuren von Müller und Mbappé
Manzambi ist erst der dritte Spieler unter 21, der bei einer WM vier Scorerpunkte einfährt. Die anderen beiden sind Thomas Müller und Kylian Mbappé - zwei Weltmeister.
Müllers Rat an den FC Bayern, sich Manzambi doch mal genauer anzuschauen, kommt nicht aus dem Nichts, zumal sich die Münchner für Marokkos WM-Star Ismael Saibari interessieren, einen Spieler, dessen Profil dem von Manzambis stark ähnelt: flexibel, schnell, abschlussstark, unbekümmert.
Am 3. Juli darf sich Manzambi ein weiteres Mal der breiten Öffentlichkeit präsentieren. Dann spielt die Schweiz im Sechzehntelfinale gegen einen der besten acht Gruppendritten, wahrscheinlich Ghana oder Ecuador. Erstmals seit 1954 winkt der "Nati" wieder ein WM-Viertelfinale.
"Wenn wir das schaffen, schreibe ich Geschichte", sagte Manzambi. Dies hat er bereits getan.
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Quelle: Perform
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