WM 2026 - Paraguay fordert deutsche Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale: Alles andere als furchteinflößend
VonThomas Gaber
Publiziert 27/06/2026 um 21:59 GMT+2 Uhr
Erstmals wird die K.o.-Phase bei einer Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Sechzehntelfinale eingeläutet. Die deutsche Nationalmannschaft trifft dabei am Montag in Boston auf Paraguay - den nächsten südamerikanischen Gegner nach dem 1:2 im Vorrundenfinale gegen Ecuador. Paraguay setzt auf die Defensive, gepaart mit körperlicher Robustheit. Viel mehr hat Deutschlands Kontrahent aber nicht zu bieten.
Völler warnt: "Das müssen wir aufs Minimum reduzieren"
Quelle: Perform
Dass Paraguay an der WM 2026 teilnehmen darf, hat das Sieben-Millionen-Einwohner-Land der Aufstockung auf 48 Teilnehmer zu verdanken. Tabellenplatz sechs in der stets hart umkämpften und kräftezehrenden Südamerika-Quali genügte gerade so, um auf den WM-Zug aufzuspringen.
Nach schwachem Start mit nur sechs Punkten aus fünf Spielen wurde der Trainer gefeuert, Daniel Garnero durch Gustavo Alfaro ersetzt. Von da an ging es aufwärts, mit Siegen über die Schwergewichte Brasilien (1:0) und Argentinien (2:1) kam Paraguay doch noch durch.
Die "Albirroja" rumpelte sich durch die Vorrunde, darf aber jetzt als einer der acht besten Gruppendritten gegen Deutschland (Montag ab 22:30 Uhr im Liveticker) antreten. "Das ist eine große Ehre für uns", sagte Coach Alfaro. "Deutschland ist einer der Turnierfavoriten, aber warum sollten wir nicht gewinnen? Das Wort 'unmöglich' gibt es im Fußball nicht."
Ähnlich hatte sich auch Ecuadors Trainer Sebastian Beccacece vor dem letzten Gruppenspiel gegen die DFB-Auswahl geäußert - und damit recht behalten.
Paraguay wie Ecuador: hart und eklig
Wie Ecuador setzt auch Paraguay voll auf die Karte Defensive. Alfaro lässt auf dem Papier im 4-5-1 verteidigen, bei gegnerischem Ballbesitz rückt ein defensiver Mittelfeldspieler in die letzte Reihe und macht aus der Vierer- eine Fünferkette.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/27/image-1f565c5d-8e07-4b81-bdf4-b5f6cb984f17-85-2560-1440.jpeg)
Paraguay fordert Deutschland im Sechzehntelfinale der WM 2026
Fotocredit: Getty Images
Wie fast alle südamerikanischen Mannschaften kommt Paraguay vor allem über körperliche Robustheit und Zweikampfhärte - Attribute, die es der deutschen Mannschaft gegen Ecuador so schwer machten und Julian Nagelsmann zu denken gaben. "Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich", sagte der Bundestrainer.
Nagelsmann nannte im Zuge dessen zwei Herangehensweisen: "Wir müssen den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen oder müssen im Kollektiv mehr Überzahlsituationen schaffen."
Der Plan Paraguays, mit kompaktem und intensivem Defensivverhalten das Spiel des Gegners zu zerstören, ging im ersten WM-Spiel beim 1:4 gegen Gastgeber USA jedoch nicht auf. Beim 1:0-Sieg gegen die Türkei profitierte die "Albirroja" von der katastrophalen Chancenverwertung der Türken.
Mittelfeldmotor Gomez fehlt gelbgesperrt, Enciso im Fokus
Zudem hat Paraguay im Vergleich zu Deutschland-Schreck Ecuador einen klaren Nachteil: das Spiel nach vorne. Angriffe laufen oft über Einzelaktionen statt über Kombinationsspiel. Gefährlichster Offensivakteur ist Julio Enciso von Ligue-1-Klub Racing Straßburg - kreativ und dribbelstark.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/27/image-907f78e6-b194-4862-8d17-7b5421237a9c.jpeg)
Julio Enciso (Paraguay) bei der WM 2026
Fotocredit: Getty Images
Außer Enciso verdienen nur drei Spieler ihr Geld in Europa: Innenverteidiger Omar Alderete (AFC Sunderland), Stürmer Antonio Sanabria (Cremonese) und Mittelfeldmotor Diego Gomez (Brighton & Hove Albion), der gegen Deutschland jedoch gelbgesperrt fehlen wird - ein großer Verlust für Paraguay.
Alfaro hatte die erfolgreiche Qualifikation bereits als großen Erfolg gewertet: "Wisst ihr, wie schwer das war? Wir stehen auf Platz 42 der Weltrangliste. Meine Spieler sind international kaum bekannt, geschweige denn präsent. Das ist ein Problem. Warum können sich unsere Spieler nicht durchsetzen? Ich spreche nicht einmal von Europa. Wir können uns auch in Brasilien oder Argentinien nicht durchsetzen."
Eine Mannschaft ohne Stars, aber mit einem großen Kämpferherz. Die DFB-Elf ist gewarnt, weil Paraguays Spielweise hart und unangenehm ist. Das allein kann im Normalfall gegen Deutschland aber nicht reichen - erst recht nicht nach der Erfahrung aus dem Ecuador-Spiel, zumal Paraguay spielerisch deutlich limitierter ist als "La Tri".
Paraguay zieht Zuversicht aus der Außenseiterrolle
"Paraguay ist kein Gegner. Bei allem Respekt. Das ist eine drittklassige Mannschaft. Das kann keine ernsthafte Herausforderung sein für Deutschland im Sechzehntelfinale", lautete die Einschätzung von "MagentaTV"-Kommentator Jonas Friedrich.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/06/25/image-83bae68f-bca5-47dc-8a9f-f9eeddefc93d-85-2560-1440.jpeg)
Undav nimmt Back-Up-Rolle weiter an: "Dann wäre ich nicht hier"
Quelle: Perform
Paraguay ist klarer Außenseiter im Duell mit dem viermaligen Weltmeister. In den heimischen Medien wird genau dies als große Chance angesehen. "Deutschland ist ein Gigant im Weltfußball, wir nur ein kleines Licht. Aber warum sollte dieses kleine Licht am Ende nicht hell über Boston strahlen?", schrieb die Zeitung "ABC Color".
Eine deutsche Nationalmannschaft musste sich schon einmal bei einer WM gegen Paraguay quälen. 2002 schoss Oliver Neuville den späteren Vize-Weltmeister durch sein Tor in der 88. Minute ins Viertelfinale.
Das könnte Dich auch interessieren: Deutschlands Sorgenkinder: Warum "Wusiala" einfach nicht zündet
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/07/02/image-9d3a09fa-c36e-4f13-b2f8-e3fa8e4421e7-85-2560-1440.jpeg)
Tuchel gerät ins Schwärmen: "Liebe es, England zu trainieren"
Quelle: Perform
Werbung
Werbung