Irgendwann rund um die Jahrtausendwende muss es gewesen sein.
Da änderte Petr Korda seine Meinung. Der Golfsport, dieses Ballgeschiebe auf kurzem Rasen, sei doch eher was für Rentner, davon war der einstige Tennisstar lange überzeugt.
Dann allerdings schwang Korda selbst immer häufiger das Eisen, verstand den komplexen Sport, nahm auch seine kleinen Töchter mit aufs Grün - und ist mittlerweile wohl ziemlich froh darüber.
Olympia - Golf
Erstes Golf-Gold seit 1904: US-Profi triumphiert in Tokio - irres Stechen um Bronze
01/08/2021 AM 08:03
Denn eine dieser kleinen Töchter ist heute 23, Nelly heißt sie, und sie ist seit Samstag Olympiasiegerin. "Ganz ehrlich, das ist verrückt", sagte die Gold-Gewinnerin im Kasumigaseki Country Club nahe Tokio, "daran werde ich mich nie gewöhnen".

Die Kordas - eine schrecklich sportliche Familie

Die Tochter der Tennis-Größe wird also zur Golf-Größe. Verrückt ist vor allem, dass die Familiengeschichte damit längst nicht auserzählt ist.
Denn auch Mutter Regina spielte erfolgreich Tennis, nahm 1988 in Seoul für die Tschechoslowakei an den Olympischen Spielen teil. Nellys kleiner Bruder Sebastian (21) ist am gelben Filzball ein Shootingstar, schaffte es zuletzt ins Achtelfinale von Wimbledon.

Kordas Goldener Putt und Stechen um Silber: Die Golf-Highlights

Und dann wäre da noch die große Schwester Jessica (28), die in diesen Tagen ebenfalls in Japan weilt: Auch sie hatte sich für das olympische Golfturnier qualifiziert und schloss dieses auf Platz 15 ab.
Dass beide Töchter heute in der Weltspitze spielen, und dass auch der Sohn das Zeug zum Tennis-Star hat, das ist wohl kein Zufall.

Der große Plan geht auf

Patricio Apey hat einmal von den Anfängen erzählt. Der Chilene ist ein altgedienter Sportmanager und in Deutschland vor allem bekannt wegen seines Bruchs mit Alexander Zverev vor einigen Jahren. Petr Korda jedenfalls sei "halb-genial und halb-wahnsinnig", wenn es um die Karriere-Planung seiner Kinder gehe, sagt Apey: "So verrückt es klingt, wir haben darüber etwa zwölf Jahre lang gesprochen."
Wie auch immer der Plan im Detail aussah, er ging dreimal auf. Alle Kinder wuchsen in den USA auf und starten als Amerikaner. Und die jüngste Tochter ist der bislang erfolgreichste Spross, das ist vor allem eine Entwicklung der vergangenen sechs Wochen. Erst im Juni gewann Nelly Korda bei der PGA Championship ihren ersten Major-Titel und übernahm damit auch die Führung in der Weltrangliste.

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So märchenhaft das alles klingt, einen dunklen Fleck hat diese strahlende Familiengeschichte dann doch. 1998, im Jahr seines Triumphs bei den Australian Open, wurde bei Petr Korda das anabole Steroid Nandrolon nachgewiesen.
Das brachte ihm letztlich eine Doping-Sperre von 12 Monaten ein, es war der Anfang vom Ende seiner Tennis-Karriere. Der junge Familienvater griff dann vermehrt zum Golfschläger. Der Rest ist Geschichte.
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(SID)

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