Pascal Hens begleitet das FINAL4 am 28. und 29. Dezember als TV-Experte bei Eurosport.
Der ehemalige Rückraumspieler, unter seinem Spitznamen "Pommes" fast genauso bekannt, hat einen klaren Turnierfavoriten auf dem Zettel, wie er im Gespräch mit Eurosport.de-Redakteur Tobias Laure verrät.
Hens stellt im Interview sein persönliches Power Ranking für den Showdown von Europas besten Handball-Klubs auf.
Champions League
Pascal Hens wird Eurosport-Experte beim EHF Final4
22/12/2020 AM 09:04
Lassen Sie uns mal gute sieben Jahre zurückgehen. Köln im Juni 2013. Champions-League-Finale gegen Barcelona. Der HSV führt 30:29, die Zeit in der Verlängerung ist abgelaufen, Trainer Martin Schwalb läuft jubelnd auf die Platte - und dann gibt es noch einmal Freiwurf für Barça. Was ploppt da bei Ihnen auf, wenn Sie an dieses Spiel zurückdenken?
Pascal Hens: Ich bin froh, dass Sie das jetzt noch einmal beschrieben haben, denn so ganz genau habe ich die Situation gar nicht mehr vor Augen. Ich muss aber gleich dran denken, dass der Jogi Bitter kurz vor Schluss einen relativ freien Wurf von Juanín García von außen gehalten hat, ehe Siarhei Rutenka noch den angesprochenen Freiwurf vergab. Dann bin ich aufs Feld gerannt, habe mir den Ersten geschnappt, den ich zu fassen bekommen habe, das war glaube ich Marcin Lijewski, und hab' mich mit dem auf den Boden geschmissen. Das war Freude pur, zumal wir für die Öffentlichkeit der große Underdog waren.
Im Halbfinale haben Sie damals den THW Kiel geschlagen.
Hens: Ja, ich habe ein überragendes Halbfinale gespielt, aber im Endspiel ging bei mir dann gar nichts mehr. Das ist auch das Wichtigste, was mir durch den Kopf geht, wenn ich an dieses Final4 denke: Da hast du gesehen, was ein Team ist. Zur Halbzeit kam auf Linksaußen Fredi Petersen und Mimi Kraus auf Rückraum mitte. Die hatten in diesem Final4 bis dahin keine Sekunde gespielt und machen dann fünf beziehungsweise sechs Tore, gewinnen uns damit quasi das Finale. Das ist das Geile, denn wir reden ja so oft darüber, dass Handball ein Teamsport ist – und das war der Beweis.

Pascal Hens gewinnt 2013 mit Hamburg die Champions League

Fotocredit: Getty Images

Der THW Kiel dürfte beim Final4 in diesem Jahr einen schweren Stand haben. In der bereits laufenden CL-Saison gab es herbe Niederlagen gegen Barcelona, Veszprém oder auch Nantes. Dazu musste die Mannschaft vor Kurzem in eine Corona-Quarantäne und der Heimvorteil in Köln fällt ohne Fans auch weg. Was spricht denn überhaupt noch für Kiel?
Hens: Auf den ersten Blick nur der Außenseiterstatus, denn die Mannschaft hat ja noch weitere Schwierigkeiten zu verkraften. So fehlen etwa Nikola Bilyk, Pavel Horak und Magnus Landin. Domagoj Duvnjak ist nach überstandener Corona-Erkrankung zwar wieder dabei, aber noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Dennoch haben die Kieler mit dem Kroaten und Sander Sagosen die zwei wohl wichtigsten Spieler dabei - und wenn die Mannschaft in Köln dann zwei Sahnetage erwischt, dann ist alles möglich.
Im Halbfinale geht's gegen Veszprém. Eine extrem hohe Hürde.
Hens: Veszprém ist eine sehr stark aufgestellte Mannschaft, gegen die der THW in diesem Jahr schon zweimal verloren hat. Das haben die Kieler natürlich noch im Hinterkopf. Veszprém hat mit diesem exzellenten Kader alle Möglichkeiten. Wenn ein Spieler mal einen schlechten Tag hat, dann kommt einfach ein anderer ins Spiel und kann Akzente setzen. Sie können einen Ausfall fast 1:1 ersetzen. Hinzu kommt, dass die Mannschaft in der ungarischen Liga keine allzu hohe Belastung hat. Die Favoritenrolle in diesem Duell liegt bei Veszprém.
Was kann Kiel konkret tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, seine Chance trotzdem zu nutzen?
Hens: Ich denke, dass der THW sich im Klaren darüber ist, dass man in Köln nicht favorisiert ist. Trainer Filip Jicha wird seine Lehren aus den zwei Spielen in der diesjährigen Gruppenphase gezogen, und sich das ein oder andere überlegt haben. Der Druck liegt bei diesem Duell auf Seiten von Veszprem. Wenn Kiel allerdings die kleine Überraschung schafft, dann wäre auch im Finale alles möglich. Das habe ich damals mit dem HSV auch so erlebt. Es ist in diesem Jahr ohnehin ein ganz spezielles Final4. Die Viertelfinals fielen infolge der Corona-Pandemie komplett weg und so qualifizierten sich die beiden Gruppenbesten der zwei Vorrundengruppen für Köln.
Wie sehen Sie die Kräfteverhältnisse zwischen den vier Final4-Klubs aus Kiel, Barcelona, Paris und Veszprém?
Hens: Den THW Kiel an Position vier, allerdings durchaus mit Chancen. Auf drei sehe ich Paris Saint-Germain. Im Finale tippe ich auf einen Sieg des FC Barcelona gegen den KC Veszprém.
Herr Hens, vielen Dank für das Gespräch.

Eurosport TV-Sendezeiten zum FINAL4:

Montag, 28.12.
  • 17:45 Uhr 1. Halbfinale Eurosport 1 FC Barcelona - Paris St. Germain
  • 20:30 Uhr 2. Halbfinale Eurosport 1 THW Kiel - Telekom Veszprem
Dienstag, 29.12.
  • 18:00 Uhr Spiel um Platz 3 Livestream und Highlights im TV um 19:30 Uhr
  • 20:15 Uhr Finale Eurosport 1
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