SID

Hoffen, bangen, rechnen: Die deutsche Nationalmannschaft vor dem Showdown gegen Spanien

Hoffen, bangen, rechnen: "Bad Boys" vor Showdown gegen Spanien
Von SID

22/01/2018 um 15:24

Ohne den verletzten Paul Drux, aber mit neuer Hoffnung: Trotz der Niederlage gegen Olympiasieger Dänemark bekommen die deutschen Handballer womöglich ihr Endspiel ums EM-Halbfinale am Mittwoch gegen Spanien. Christian Prokop gilt nicht als Freund von höherer Mathematik. Hätte, würde, könnte? Der Bundestrainer denkt nicht in Konjunktiven.

Prokop feilte am Montag lieber schon an der Taktik für den sich abzeichnenden Showdown am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) gegen Spanien, anstatt den Rechenschieber rauszuholen.

"Unser voller Fokus gilt dem Spiel gegen Spanien", sagte Prokop. Das Team müsse an den beiden spielfreien Tagen "Kraft tanken" und sich "perfekt vorbereiten. Unser Gesamtpaket muss mit Sicherheit noch besser werden, um Spanien zu schlagen", sagte Prokop. Das Rechnen überließ der 39-Jährige anderen.

Ohne Leistungsträger ins potentielle Entscheidunsspiel

Damit es zum erhofften Endspiel um das Halbfinale kommt, gibt es unzählige Varianten - doch die Rechnung ist einfach: Lässt Außenseiter Mazedonien in den Partien gegen Tschechien (Dienstag) und Dänemark (Mittwoch unmittelbar vor dem deutschen Spiel) noch zwei Punkte liegen, was nach den bisherigen Eindrücken als wahrscheinlich gilt, bekommen die deutschen Handballer ihr Hauptrunden-Finale gegen Spanien. Mit einem Sieg stünde der Titelverteidiger doch noch in der Medaillenrunde.

Kopfzerbrechen bereitet aber nicht bloß die vertrackte Tabellensituation. Leistungsträger Paul Drux meldete sich am Montag für den Rest der EM verletzt ab und verließ das deutsche Lager in Varazdin. Der 22 Jahre alte Rückraumspieler von den Füchsen Berlin verdrehte sich im Spiel gegen Olympiasieger Dänemark (25:26) das rechte Knie und fällt mit einem Meniskusriss voraussichtlich für mindestens drei Monate aus.

DHB-Sportvorstand Axel Kromer bezeichnete die Verletzung als "schweren Schlag". Drux gehörte bislang zum Stammpersonal bei der EM, ihre beste Turnierleistung schafften die Deutschen am Sonntag aber größtenteils ohne ihn. Für Drux wird nach jetzigem Stand der Leipziger Maximilian Janke, der zwischenzeitlich seinen Platz für den nachgerückten Linksaußen Rune Dahmke geräumt hatte, in den 16er-Kader zurückkehren.

Zwingende Verbesserungen notwendig

Trotz der Widrigkeiten besteht nach dem Auftritt gegen Dänemark Anlass zur Hoffnung. Denn ausgerechnet die erste Niederlage im Laufe des Turniers macht Mut, das DHB-Team zeigte am Sonntagabend zweifellos seine beste Leistung bei dieser EM. Doch es gibt noch Steigerungsbedarf.

Vor allem zwei Baustellen gilt es für die Neuauflage des EM-Finales von 2016 (damals 24:17) zu schließen: Das lahmende Tempospiel über die Flügel muss zwingend verbessert werden und die Fehlerquote im Angriff ist noch immer deutlich zu hoch. 15 unerzwungene Ballverluste gegen Dänemark (6) sind auf Spitzenniveau einfach zu viel.

" Es kommt viel Arbeit auf uns zu"

Prokop sieht den "größten Nachholbedarf aktuell sicherlich auf Rückraummitte". Adressat dieser Aussage dürfte in erster Linie Philipp Weber sein. Denn während Julius Kühn (6 Treffer) gegen Dänemark endlich aus seinem Leistungstief kletterte, fabrizierte Weber (kein Tor) erneut technische Fehler und entwickelte nicht die Torgefahr, wie man sie aus der Liga von ihm gewohnt ist.

Hoffnungsvoll ins Endspiel der Hauptrunde

DHB-Vizepräsident Bob Hanning zeigte sich für einen möglichen Showdown am Mittwoch dennoch zu 100 Prozent zuversichtlich. "Wenn wir gegen Spanien gewinnen müssen, um ins Halbfinale zu kommen, dann wird sich die Mannschaft diese Chance nicht entgehen lassen. Da bin ich fest von überzeugt", sagte Hanning: "Da kann ich Deutschland einen Sieg versprechen."

Prokop gab sich deutlich zurückhaltender. "Ich halte nichts davon, mit Sprüchen Schlagzeilen zu machen", sagte der 39-Jährige: "Wir wollen es mit Leistung machen. Wir ruhen uns jetzt aus und dann müssen wir gegen Spanien 100 Prozent bringen."

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