Pascal Hens exklusiv nach WM-Aus für Deutschland gegen Portugal: "Empfehle dringend, Spiel nach vorne zu beschleunigen"

Pascal Hens analysiert im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de das dramatische Viertelfinal-Aus des DHB-Teams bei der WM gegen Portugal. "Auf mich machte es den Eindruck, als ob sie mit Angst gespielt hätten", sagt der 44-Jährige, der 2007 Weltmeister wurde. Nun gehe es darum, aus der Enttäuschung von Oslo die richtigen Schlüsse zu ziehen. Als Anschauungsobjekt empfiehlt Hens das dänische Spiel.

DHB-Team hadert mit WM-Aus: "Das tut schon richtig weh"

Quelle: SID

Fünf Sekunden. Mehr war nicht mehr auf der Uhr in der Verlängerung, als Martim Costa zum Wurf ansetzte, Schlussmann Andreas Wolff überwand und Deutschland mit 31:30 aus der WM katapultierte.
"Nach Silber bei den Olympischen Spielen in Paris vor gut einem halben Jahr müssen wir jetzt von einer kleinen Enttäuschung sprechen", urteilt Pascal Hens.
Der 199-malige Nationalspieler, der seine Laufbahn 2017 beendete, macht fehlendes Tempo und mangelnde Bewegung im Offensivspiel als Kernprobleme der deutschen Mannschaft aus.
Die Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislasson müsse den Anschluss an den "modernen Handball", wie ihn etwa Topfavorit Dänemark zeigt, wieder herstellen. "Deutschland muss diesbezüglich zulegen", betont Hens im Gespräch mit Eurosport.de:
Inwiefern haben Sie nach Abpfiff mit Andreas Wolff gelitten, der sehr emotional war nach diesem Krimi?
Pascal Hens: Ich konnte voll mit Andi Wolff fühlen. Wenn du in einem Spiel 21 Paraden hast, deine Vorderleute aber nicht richtig in die zweite Welle gehen und die einfachen Tore machen, dazu die Abpraller nicht bekommen, dann bringt dich das zur Verzweiflung. Es war sehr unnötig, diese Partie zu verlieren. Wir hätten sie über Tempo-Handball gewinnen können, aber das haben wir nicht getan. Daher kann ich Andi voll verstehen.
Das Halbfinale war definitiv drin - aber vielleicht hat es Portugal aufgrund seiner Spielweise und dem Auftreten während der WM etwas mehr verdient gehabt.
Warum hat es Deutschland im Angriff nicht geschafft, so einen Tiefgang zu entwickeln wie die Portugiesen?
Hens: Die Mannschaft wirkte im Angriff ängstlich, hat gefühlt immer dieselben Dinge gespielt und keine echte Bewegung reinbekommen. Stattdessen wurde häufig mit überhasteten Würfen der Abschluss gesucht. Wenn wir das nicht getan und den Ball laufen lassen haben, waren die Chancen besser. Auf mich machte es den Eindruck, als ob sie mit Angst gespielt hätten. Ich weiß nicht, warum das so war. Die Portugiesen haben dagegen mehr Bewegung entwickelt als das DHB-Team.
Wie fällt Ihr Turnierfazit aus deutscher Sicht aus?
Hens: Nach Silber bei den Olympischen Spielen in Paris vor gut einem halben Jahr müssen wir jetzt von einer kleinen Enttäuschung sprechen. Das Minimalziel Viertelfinale war ob der Gruppenkonstellation klar, aber die Mannschaft hat über das gesamte Turnier gesehen nie seine Form gefunden, weder in der Abwehr noch im Tempospiel nach vorne. Partiell hat es im Angriff gut ausgesehen, es lief aber nicht konstant rund. Es ist bitter, mit so vielen Torwartparaden gegen Portugal auszuscheiden. Das Halbfinale war definitiv drin - aber vielleicht hat es Portugal aufgrund seiner Spielweise und dem Auftreten während der WM etwas mehr verdient gehabt.
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Eurosport-Experte Pascal Hens (li.) 2007 nach dem Gewinn des WM-Titels mit Christian Schwarzer (Mitte) und Markus Baur (re.)

Fotocredit: Eurosport

War es ein Fehler, keinen zweiten Spieler für den rechten Rückraum zu nominieren, weil Renars Uscins am Ende zu überspielt war?
Hens: Die Verletzung von Franz Semper war super schade für ihn selbst und die Mannschaft, aber Renars Uscins konnte sich im letzten Gruppenspiel gegen Tunesien ausruhen. Der Bundestrainer hat infolgedessen wohl damit gerechnet, dass er erholt in dieses Spiel geht. Allerdings hat Renars auf der Platte einige falsche Entscheidungen getroffen. Wenn ein Spiel so läuft, hätte man ihn auch mal rausnehmen müssen. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn jemand da gewesen wäre. Allerdings: Mit David Schmidt oder Max Beneke jemand Neuen einzubauen, das wollte Alfred Gislason nicht. Das kann ich nachvollziehen und ich wäre auch nicht in diese Richtung aktiv geworden.
Das machen die Topteams alle, vor allem die Dänen mit ihrer Extraklasse. Da darf man sich ruhig etwas abschauen, denn das ist der moderne Handball.
Welche Schlüsse sollte Bundestrainer Alfred Gislason aus der WM ziehen?
Hens: Ich würde dringend empfehlen, das Spiel nach vorne zu beschleunigen, wenn du Ballgewinne hast. Durch unsere guten Torhüterleistungen und eine stabile Abwehre hat die DHB-Auswahl diese Ballgewinne. Mir fehlt das Tempo nach vorne, da sind wir zu zögerlich, zu ergebnisorientiert.
Bedeutet?
Hens: Bei Führungen entfacht die Mannschaft dieses Tempo nach vorne nicht. Bei einem Rückstand von zwei, drei Toren geht es dann auf einmal, die Spieler trauen sich und kommen zu einfachen Treffern. Man sollte daran arbeiten, das mehr ins Spiel einzubauen und zu automatisieren. Bei Ballgewinn muss es schnell nach vorne gehen, um zu sehen, ob sich eine einfache Chance bietet. Das machen die Topteams alle, vor allem die Dänen mit ihrer Extraklasse. Da darf man sich ruhig etwas abschauen, denn das ist der moderne Handball - und Deutschland muss diesbezüglich zulegen. Darüber hinaus würde mehr Bewegung im Angriff guttun, das war während der Weltmeisterschaft nicht gut.

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Highlights: Kroatien feiert dramatischen Last-Minute-Sieg

Quelle: Eurosport


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