Till Klimpkes Handy stand nicht still. "Ich habe noch heute Morgen viele tolle Telefonate in die Heimat geführt", berichtete der Shootingstar der deutschen Handballer am Montag mit leuchtenden Augen: "Es kamen sehr viele Glückwünsche, dass ich es ganz gut gemacht hätte."
Nach dem Rausch seiner EM-Heldentaten gegen Österreich (34:29) legte der Youngster der HSG Wetzlar den Fokus aber ganz schnell auf das wegweisende Vorrundenfinale gegen Polen. "Der Hauptrunden-Einzug ist ein schöner Schritt, aber wir wollen das letzte Gruppenspiel natürlich auch gewinnen", sagte Klimpke, dick eingemummelt in eine schwarze Winterjacke, vor dem Teamhotel im eisig kalten Bratislava.
In der Partie am Dienstag (18:00 Uhr im Liveticker) kämpft das DHB-Team schließlich um mehr als nur den Gruppensieg. Da die Punkte aus dem Polen-Spiel definitiv mit in die nächste Turnierphase genommen werden, geht es schon um die deutschen Halbfinalchancen. "Es wird ein brutaler Kampf, da müssen wir ab der ersten Sekunde da sein. Wir sind hungrig", sagte Rückraumspieler Sebastian Heymann. Klimpke meinte: "Wir wollen den Gruppensieg, auf jeden Fall."
EM
Torwart-Frage vor Polen-Spiel: Gislason hat klare Tendenz
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Daran sollen auch die neuerlichen Corona-Turbulenzen nichts ändern. Der nachnominierte Hendrik Wagner wurde nach seiner Ankunft in der Slowakei positiv auf das Virus getestet. Ursprünglich sollte der Zweitligaspieler von den Eulen Ludwigshafen den ebenfalls coronainfizierten Julius Kühn im DHB-Kader ersetzen. Laut Verband soll kein Kontakt zur restlichen deutschen Delegation bestanden haben, die PCR-Ergebnisse am Montag fielen durchweg negativ aus.

Wolff am Dienstag erstmals von Beginn an

Ungeachtet des zweiten Coronafalls binnen 48 Stunden bereitete Bundestrainer Alfred Gislason sein Team im Abschlusstraining am Nachmittag auf das Duell mit Polen vor. Dabei wird es wieder auf die Torhüter ankommen - auf Klimpke und natürlich auch auf Andreas Wolff. Der 2016er-Europameister, der seit Jahren beim polnischen Topklub Vive Kielce unter Vertrag steht, wird am Dienstag wohl erstmals bei dieser EM von Beginn an zwischen Pfosten stehen.
"Andi kennt die Polen natürlich extrem gut, es spricht vieles für ihn", sagte Bundestrainer Alfred Gislason in der slowakischen Hauptstadt. Klimpke hat damit kein Problem: "Ich würde mich sehr freuen, wenn Andi ein sehr gutes Spiel machen und es für uns gewinnen würde."
In gewisser Weise erinnert Klimpke in diesen Tagen an den jungen Wolff. Wie er sich den gegnerischen Schützen voller Leidenschaft entgegenwirft, wie er gehaltene Bälle mit weit aufgerissenem Mund und geballten Fäusten feiert und wie er als Lautsprecher das Team unermüdlich antreibt.

Rookies sorgen für frischen Wind

Die Parallelen rühren womöglich aus der gemeinsamen Vergangenheit. Während Wolff seinerzeit als Wetzlarer Jungprofi zum gefeierten Nationaltorhüter aufstieg, hütete Klimpke beim HSG-Nachwuchs das Tor. Beide hatten sogar denselben Torwarttrainer. "Es ist eine sehr gute Beziehung, wir kennen uns nun schon sehr lange. Er hilft mir sehr viel", sagte Klimpke über das Zusammenspiel.
Klimpke steht sinnbildlich für die DHB-Rasselbande und das bisherige EM-Turnier. Gislason vertraut seinen Neulingen. Er lässt sie Fehler machen, ohne sie direkt wieder rauszunehmen - und die zahlen es ihm mit erfrischend forschen Auftritten zurück. Gegen Österreich waren es die international unerfahrenen Akteure, die Heymanns, die Lukas Mertens, die Christoph Steinerts, die Luca Witzkes und die Klimpkes, die dem deutschen Spiel ihren Stempel aufdrückten.
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(SID)

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