Eurosport
Handball-EM - Drei Dinge, die beim deutschen Auftaktsieg gegen die Schweiz auffielen: Andreas Wolff im Beast-Mode
Von
Publiziert 11/01/2024 um 01:22 GMT+1 Uhr
Der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist mit einem deutlichen 27:14 (13:8)-Auftaktsieg gegen die Schweiz der ideale Start in die Heim-EM gelungen. Vor begeisterten 53.586 Zuschauern in Düsseldorf spielte sich das DHB-Team gegen überraschend harmlose Schweizer phasenweise in einen Rausch. Bemerkenswert gut war die Defensivleistung um Torhüter Andreas Wolff. Drei Dinge, die auffielen.
"Bombastisch" und "brutal": Handballer feiern Rekordkulisse
Quelle: Eurosport
Start nach Maß für die deutsche Handball-Nationalmannschaft in die Heim-EM. Im ersten Vorrundenspiel hat die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason die Schweiz mit 27:14 (13:8) besiegt und damit einen ersten großen Schritt Richtung Hauptrunde gemacht. Vor der Weltrekord-Kulisse von 53.586 Zuschauern in der Merkur Spiel-Arena war der Sieg für das DHB-Team nie in Gefahr.
Schon in der Anfangsphase stellte Deutschland dank einer stabilen Defensive und eines überragenden Torhüters Andreas Wolff die Weichen auf Sieg. Mitte der ersten Halbzeit blieb die Schweiz acht Minuten ohne eigenen Treffer. In der zweiten Halbzeit fiel sogar zwölf Minuten lang kein Schweizer Tor.
Bis zum Schlusspfiff ließ das DHB-Team nicht locker und baute die deutliche Führung konsequent aus. Bundestrainer Gislason gewährte allen 16 Spielern seines Kaders Einsatzzeiten.
Schon Minuten vor Abpfiff der Partie feierten die euphorischen deutschen Fans ihre Mannschaft mit Sprechchören. Das deutsche Team startet mit viel Rückenwind in die EM 2024.
Drei Dinge, die beim deutschen Auftaktsieg gegen die Schweiz auffielen.
1. Wolff zeigt seine 2016er-Version
Beim sensationellen Titelgewinn des DHB-Teams vor acht Jahren bei der EM 2016 in Polen ging der Stern von Andreas Wolff auf.
Vor allem seine Fabelleistung im Finale gegen Spanien hat sich ins kollektive Handball-Gedächtnis eingebrannt. Damit lag die Erwartungshaltung bei den folgenden Turnieren fast unerreichbar hoch. Manchmal schien sie Wolff zu hemmen. Im Auftaktspiel gegen die Schweiz hat der Torwart des polnischen Klubs Kielce nun gezeigt, dass er seine Mannschaft wieder tragen kann wie 2016.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/01/10/3858659.jpg)
Andreas Wolff glänzte beim Auftaktsieg mit 13 Paraden
Fotocredit: Imago
Gegen die Schweiz war der 32-Jährige von Beginn an ein Faktor, entschärfte schon früh einen Siebenmeter von Andy Schmid. Er hielt Rückraum-Würfe, freie Würfe nach Durchbrüchen - über die gesamte Partie sammelte er 13 Paraden und hielt rund 60 Prozent der Würfe auf sein Tor.
Diese beiden Werte zeigen auch: Wolff profitierte von einer bärenstarken deutschen Abwehr. Die Defensive um den Innenblock Julian Köster/Johannes Golla blockte viele Würfe und verhinderte durch aggressives Zweikampfverhalten Durchbrüche des Gegners. Der frustrierte Schweizer Rückraumspieler Manuel Zehnder sagte nach dem Spiel im "ZDF": "Wir hatten im Angriff überhaupt keine Durchschlagskraft. Wir laufen 60 Minuten nur quer, 14 Tore sagen alles."
Und wenn die Eidgenossen doch mal in aussichtsreiche Wurfposition kamen, war eben Wolff zur Stelle. Fast schon folgerichtig wurde er zum Spieler des Spiels gewählt. "Was Andi Wolff hinten im Tor gezeigt hat, ist beeindruckend", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer schon in der Halbzeit.
Als der DHB-Keeper in der 51. Minute für David Späth ausgewechselt wurde, erntete Wolff vom Düsseldorfer Publikum laute Jubelrufe und Standing Ovations für seine Leistung. "Die Abwehr mit Andi als Symbiose war die Grundlage für den Sieg", sagte Linksaußen Lukas Mertens nach dem Spiel. Teamkollege Juri Knorr pflichtete bei: "Ich wusste, dass Andi gut ist. Aber dass er so etwas macht ist schon von einem andern Stern."
Es könnte auch die Grundlage für eine erfolgreiche EM werden.
2. Euphorie-Schub durch Weltrekord-Kulisse
Die Zuschauerzahl beim Auftaktspiel war eines der bestimmenden Themen im Vorfeld. 53.586 Fans, in einem umgebauten Fußballspiel, natürlich Weltrekord. Die Frage war: Ist das vielleicht sogar mehr Ballast als Rückenwind? Mitnichten, denn nach diesem Auftritt muss man sagen: Der DHB lag mit dieser Entscheidung goldrichtig.
Ein Auftaktsieg tut einem Gastgeber immer gut, doch wenn über 50.000 Mannschaft die Mannschaft erst anfeuern, gelungene Aktionen bejubeln und am Ende "oh, wie ist das schön singen" singen, dann hat das eine andere Wucht.
Nicht alle Experten waren sich sicher, ob in einem Fußballstadion Handball-Atmosphäre aufkommen könne. Düsseldorf hat diese Zweifel eindrucksvoll zerstreut.
Dementsprechend waren die deutschen Nationalspieler nach der Partie begeistert. "Was hier heute abgegangen ist, ist schon überwältigend", sagte Lukas Mertens im "ZDF". "Ein bisschen fehlen mir die Worte. Für uns war das auch neu, wir waren uns auch nicht sicher, was auf uns zukommt."
Und Matchwinner Andreas Wolff hatte nicht nur Spaß, vor dieser "ganz besonderen Atmosphäre zu spielen", sondern bedankte sich auch "bei jedem einzelnen, der heute zugeschaut hat."
Die nächsten Vorrunden-Spiele werden zwar nicht mehr vor Weltrekord-Kulisse stattfinden, dafür aber in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin. Und dort passen zum einen ebenfalls mehr Zuschauer rein als in jede Bundesliga-Halle und zum anderen hat die WM 2019 gezeigt, dass dort ebenfalls siegbringende Handball-Atmosphäre entstehen kann.
3. Deutsche Kader-Breite als Trumpf
Handball-Deutschland hat Lust auf diese Heim-EM, doch was die Prognosen und Titelaussichten anbelangt, sind viele Fans und Experten maximal verhalten zuversichtlich. Der Tenor: Zur absoluten Weltspitze zählt der deutsche Kader nicht - andere Teams wie Dänemark, Frankreich oder Schweden haben mehr Qualität in der Spitze und in der Breite.
Der deutliche Auftaktsieg gegen die Schweiz hat gezeigt, dass sich die deutsche Mannschaft aber nicht verstecken muss.
Der Kantersieg lässt die Erkenntnis zu, dass der erste Anzug ein starkes Niveau hat - zumindest defensiv. Golla und Köster überzeugten im Innenblock, Knorr setzte offensiv immer wieder Akzente, auch Köster war über Rückraumwürfe häufig erfolgreich.
Zur Wahrheit gehört zwar auch, dass die Schweiz im Vorfeld höher eingeschätzt wurde als sie dann tatsächlich spielte, aber viele Abläufe stimmten beim deutschen Team. "Die Jungs haben sich in der zweiten Halbzeit in einen Rausch gespielt. Ich bin sehr erleichtert, wie das heute gelaufen ist", sagte Gislason im "ZDF".
Ein Plus für den Turnierverlauf könnte sein, dass sich auch die zweite Garde empfehlen konnte. Christoph Steinert agierte sehr gut in der Deckung, Martin Hanne kam schon in der ersten Halbzeit zum Einsatz - in der zweiten Halbzeit überzeugten auch Sebastian Heymann, Philipp Weber, Jannik Kohlbacher und vor allem Justus Fischer, der drei Tore erzielte.
Gislason verschaffte allen 16 Spielern seines Kaders Einsatzzeiten. Das sorgt für eine gute Moral und verteilt die Belastung in einem anstrengenden Turnier. Gegen die Schweiz kam es nie zu einem Bruch im Spiel, womöglich ist die Breite des DHB-Kaders besser als vor dem Turnier vermutet.
Das könnte Dich auch interessieren: Deutschland feiert Kantersieg im Weltrekordspiel gegen die Schweiz - Traumstart in Heim-Turnier
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/01/10/3858075-78394428-2560-1440.gif)
Triumph bei Heim-EM? Brand schätzt deutsche Chancen ein
Quelle: Eurosport
Werbung
Werbung