Handball-EM 2024 - Drei Dinge, die bei der Niederlage gegen Kroatien auffielen: Kryptonit Kuzmanovic

Bei der 24:30 (14:13)-Niederlage der deutschen Handball-Nationalmannschaft gegen Kroatien im letzten Hauptrunden-Spiel bei der Heim-EM 2024 überzeugte im DHB-Team nur Sebastian Heymann. Die erste Garde wurde vor allem in der zweiten Halbzeit geschont, der zweite Anzug dagegen scheiterte teils in besten Wurfpositionen am kroatischen Keeper Dominik Kuzmanovic. Drei Dinge, die auffielen.

Deutschland heiß auf Halbfinale gegen Dänemark: "An uns glauben"

Quelle: SID

Im letzten Hauptrundenspiel der Heim-Europameisterschaft 2024 hat es die deutsche Handballnationalmannschaft verpasst, mit der ganz großen Euphorie ins Halbfinale gegen Turnierfavorit Dänemark einzuziehen. Gegen Kroatien verlor das Team von Alfred Gislason 24:30 (14:13). Das war einerseits verschmerzbar, weil das DHB-Team aufgrund der Niederlagen von Österreich und Ungarn zuvor schon für das Semifinale qualifiziert war, andererseits sorgte vor allem die schwache Chancenverwertung für Frust.
Denn in der zweiten Halbzeit zog Kroatiens Keeper Dominik Kuzmanovic den Deutschen komplett den Zahn, sodass Kroatien einen deutlichen Sieg herausspielen konnte. Im zweiten Durchgang hatte Bundestrainer Alfred Gislason lange mit der zweiten Garde gespielt.
In der ersten Halbzeit spielte das deutsche Team einen ansehnlichen Handball und war gut in der Partie. Vor allem Sebastian Heymann prägte das Spiel der DHB-Auswahl. Im zweiten Durchgang beraubte sich Deutschland aber selbst der Chance, mit einem Sieg weiteres Selbstvertrauen zu tanken.
Nun wartet mit Dänemark im Halbfinale der absolute Titel-Favorit, das DHB-Team hat sein Minimalziel beim Heimturnier erreicht.
Drei Dinge, die auffielen.

1.) DHB-Team verzweifelt an Kryptonit Kuzmanovic

An dieser Auszeichnung gab es nicht den leisesten Zweifel. Der kroatische Torhüter Dominik Kuzmanovic wurde zum Spieler des Spiels ernannt. Schon in der ersten Halbzeit hielt der 21-Jährige einige Würfe der deutschen Mannschaft. Im zweiten Durchgang vernagelte er regelrecht sein Tor, sorgte dafür, dass das DHB-Team minutenlang keinen Treffer erzielte – und das trotz bester Chancen.
22 Paraden hatte der Keeper des kroatischen Klubs RK Nexe Nasice letztendlich auf dem Konto – bei 46 Würfen der Deutschen. Die Quote von 47,83 parierten Bällen ist Weltklasse, vor allem die Art der gehaltenen Versuche beeindruckte. Denn vor allem in der zweiten Halbzeit hielt er unglaublich viele freie Würfe aus zentraler Position. Egal, ob vom Kreis, von den Rückraumspielern nach Durchbrüchen, von Außen oder aus der Distanz – an Kuzmanovic war kein Vorbeikommen.
Damit gewann er das Spiel quasi im Alleingang. In der ersten Hälfte sorgte Kuzmanovic dafür, dass Deutschland nicht davonziehen konnte. In Halbzeit zwei war er der Garant dafür, dass Kroatien das Spiel erst drehen und dann den Vorsprung ausbauen konnte. "Wenn der gegnerische Torwart 22 Paraden hat, dann ist es schwer zu gewinnen", sagte Renars Uscins, der selbst einige klare Chancen vergeben hatte, in der "ARD". "Wir haben uns viele freie Chancen herausgespielt in der zweiten Halbzeit, aber dann sieht das blöd aus."
Andreas Wolff wies darauf hin, dass auch "bei den Dänen zwei Weltklasse-Torhüter im Tor stehen". Die Keeper des kommenden Gegners heißen Niklas Landin und Emil Nielsen und sind tendenziell noch besser.

2.) Immerhin Heymann in Halbfinal-Form

Die schwache zweite Halbzeit des gesamten DHB-Teams überdeckte es ein wenig, aber ein Spieler tankte vor dem Halbfinale gegen Dänemark richtig viel Selbstvertrauen: Sebastian Heymann. Beim Rückraumspieler war man sich vor dem Turnier nicht ganz sicher, wie weit er nach Jahren voller Verletzungen (zwei Kreuzbandrisse) schon sei. Doch spätestens mit dem Spiel gegen Kroatien hat der 25-Jährige gezeigt, dass er für das Halbfinale eine echte Waffe sein kann.
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Sebastian Heymann

Fotocredit: Getty Images

Insgesamt vier Tore warf der Rückraumspieler von Frisch Auf! Göppingen, drei davon in seiner starken ersten Halbzeit. Dazu kamen tolle Anspiele an den Kreis – und zwei abgelaufene beziehungsweise stark verteidigte Tempogegenstöße des Gegners. Heymann ging mit viel Dynamik in die Abwehr und wegen seiner Wurfkraft, sorgte er für Stress in der Defensive des Gegners. Zudem fand Heymann in Drucksituationen auch spielerische Lösungen.
In der Abwehr ist Heymann schon das ganze Turnier über ein fester Bestandteil. Im Angriff spielen zumeist Julian Köster, Juri Knorr und Kai Häfner. Gegen die Kroaten zeigte Heymann, dass er die ideale Ergänzung sein kann. Entweder, wenn einer der Stamm-Rückraumspieler eine Verschnaufpause braucht oder wenn die Wucht im Zentrum erhöht werden muss.

3.) Deutschland steigt unabsichtlich auf die Euphorie-Bremse

Erst der überzeugende Sieg im dritten Hauptrundenspiel gegen Ungarn, dann die Schützenhilfe von Frankreich und Island – Deutschland stand schon vor dem Spiel gegen Kroatien als Halbfinalist fest. Damit hat das DHB-Team sein Minimalziel erreicht, der Traum von einer Medaille oder gar dem Titel bei der Heim-EM lebt. Rund 20.000 Menschen in der Kölner LANXESS arena hatten Bock auf eine Handball-Party. Doch aufgrund der schwachen Chancenverwertung und der deutlichen Niederlage gab es einen (kleinen) Dämpfer.
Der Bundestrainer war dementsprechend angefressen: "Wir wollten das Spiel gewinnen. Die, die bislang wenig gespielt haben, hatten die Chance, sich zu zeigen", sagte Gislason. "Leider haben wir unglaublich viele Chancen verworfen. Da kann ich nicht sagen, dass das großartig war." Klar, es ging darum, die Belastung zu verteilen. Aber die fehlende Konzentration ärgerte den 64-Jährigen.
Renars Uscins sprach nach dem Abpfiff von einem "geknicktem", Justus Fischer von einem "relativ schlechten Gefühl“ und für Johannes Golla nahm die Niederlage sogar "den Flow raus mit Blick auf das Halbfinale".
Auch wenn alle Akteure betonten, dass das Semifinale gegen Dänemark ein ganz anderes Spiel werden würde; Selbstvertrauen haben die zahlreichen Fehlwürfe aus bester Position nicht gegeben. Im Grunde kann man sagen: Der erste Anzug wurde geschont, der zweite hat sich nicht mit Nachdruck empfohlen. Dazu kommt, dass erstmals eine deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel in der LANXESS arena verlor.
Immerhin: Auch Dänemark stand vor seinem letzten Hauptrundenspiel ebenfalls schon sicher im Halbfinale und schonte genau wie das DHB-Team die Startformation. Auch die Dänen verloren ihr Spiel gegen Slowenien 25:28.
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Trotz starkem zweiten Lauf: Feller verpasst Podest beim Heimspiel

Quelle: Eurosport

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