Frankreich setzt neue Maßstäbe

So etwas hatte selbst Nikola Karabatic noch nicht erlebt. "Das war ein magisches Turnier", sagte der Superstar mit leuchtenden Augen und rang noch lange nach dem französischen Triumph gegen Gastgeber Dänemark nach Worten: "Wir haben noch nie so gut gespielt."

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Nach der glanzvollen Rückkehr auf den europäischen Thron wurde die Equipe Tricolore mit Superlativen nur so überhäuft, selbst Staatspräsident François Hollande geriet ins Schwärmen: "Dieser Sieg ist ein großartiges Beispiel für Zusammenhalt und Ausdauer."
Das größte Lob kam ausgerechnet vom scheidenden Dänen-Coach Ulrik Wilbek, dem Karabatic und Co. gründlich den Abschied verdorben hatten. "Das war die beste französische Mannschaft, die ich je gesehen habe", sagte Wilbek nach der 60-minütigen Galavorstellung. Mit dem 41:32 (23:16) gegen den Titelverteidiger feierten die Franzosen nicht nur den zweithöchsten Finalsieg der EM-Historie. 41 Treffer in einem EM-Endspiel - das hatte es zuvor noch nie gegeben.
"Das war die beste Final-Performance in der Geschichte des französischen Handballs", sagte Frankreichs Trainer Claude Onesta auf der Pressekonferenz in Herning und lief sichtlich Gefahr, vor Stolz zu platzen. Frankreich, das seit 1993 keines seiner acht Endspiele bei großen Turnieren verloren hat, ist zurück an der Spitze. Nach dem blamablen Hauptrunden-Aus vor zwei Jahren und Rang sechs bei der WM vor zwölf Monaten scheint der eingeleitete Umbruch schneller vollzogen als von vielen Experten angenommen.
Enttäuschung für Wilbek
"Wir wussten zu Turnierbeginn nicht, wo wir stehen mit diesen vielen jungen Spielern", sagte der im Finale überragende Daniel Narcisse und zeigte sich von der raschen Entwicklung überrascht. In den entscheidenden Momenten war es nicht bloß die "alte Riege" um Keeper Thierry Omeyer (37), Karabatic (29) und Narcisse (34), die die Kohlen aus dem Feuer holte. Vor allem der junge Valentin Porte (23) dürfte der Fachwelt in Erinnerung bleiben.
Der Youngster vom französischen Mittelklasse-Team Fenix Toulouse traf im Turnierverlauf bei 31 Versuchen 24 Mal (77 Prozent), war im Halbfinale gegen Spanien (30:27) mit sieben Treffern und im Finale mit neun ein entscheidender Faktor. "Er hat extrem gut gespielt. So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen", lobte Wilbek.
Frankreich: Fundament für große Zukunft
Für Wilbek, der sich ab dem kommenden Sommer ganz auf seine Arbeit als Sportdirektor beim Verband konzentrieren wird, war die Schmach von Herning ein unrühmlicher Abschied von der ganz großen Handball-Bühne. Nach den Triumphen von 2008 und 2012 verlor er mit seinem Team erstmals ein EM-Endspiel und kassierte ein Jahr nach der historischen 19:35-Niederlage bei der WM gegen Spanien schon die zweite deutliche Final-Packung binnen zwölf Monaten.
"Es wäre unfair, diese beiden Spiele miteinander zu vergleichen", sagte Wilbek: "In Spanien haben wir uns ergeben, hier haben wir eine schlechte Viertelstunde gehabt und danach trotzdem schönen Handball geboten." Die Heim-EM bezeichnete der 55-Jährige als "das Ende einer schönen Reise".
Für Frankreich könnte das Turnier dagegen der Beginn einer neuen Vorherrschaft im Welthandball gewesen sein. Das Fundament dafür ist gelegt.
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