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Handball-Bundesliga der Frauen | Emily Bölk spricht über die Chancen des Thüringer HC
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Publiziert 31/01/2020 um 12:15 GMT+1 Uhr
In der Frauen-Handball-Bundesliga kommt es heute zum Spitzenspiel zwischen dem Tabellensechsten Bayer 04 Leverkusen und dem Dritten Thüringer HC. Die deutsche Nationalspielerin Emily Bölk rechnet sich mit dem THC noch Chancen auf die Meisterschaft aus. Im Interview mit Eurosport.de blickt Bölk auf die Situation in der Bundesliga und erzählt, wie sie Beruf und Studium unter einen Hut bekommt.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Peer Kuni
Welche positiven Aspekte nehmen Sie von der Handball-WM in Japan mit?
Emily Bölk: Tatsächlich sehr viele. Natürlich war das Ausscheiden, das knapp verpasste Halbfinale und auch die vergebene Chance auf Olympia, sehr bitter. Wenn man die Leistung im gesamten Turnier sieht, hätten wir uns mit einem anderen Ergebnis wirklich belohnen können. Aber so ist Sport nunmal, man muss daraus dann auch seine Lehren ziehen. Für mich persönlich war das Turnier insgesamt aber erfolgreich: Ich freue mich, dass ich in vielen Partien, im Vergleich zu den vergangenen Jahren, nochmal eine Entwicklung vollzogen habe. Ich freue mich, dass ich im Team meine Rolle gut einnehmen konnte, weil ja auch durch den Ausfall von Xenia Smits eine hochkarätige Personalie im Team und auch auf meiner Position gefehlt hat. Ich bin sehr stolz auf das Team, wie wir vor allem in der Vorrunde und auch das Turnier insgesamt gespielt haben. Wenn wir da weitermachen und ein bisschen Glück auf unserer Seite haben, können die kommenden Jahre sehr vielversprechend werden.
Warum hat das deutsche Team das sportliche Ziel Olympia 2020 verpasst?
Bölk: Die Kräfte waren am Ende nicht mehr so da, wie zu Beginn des Turniers. Es war absolut nicht so, dass wir es nicht wollten oder uns geschlagen gegeben haben, aber wir hatten in Summe das härteste Programm aller Mannschaften. Wir hatten, bis auf Australien, kein einziges Spiel wo wir Kräfte sparen konnten. In allen anderen Spielen war es von der ersten bis zur letzten Sekunde immer heiß umkämpft. Das belastet natürlich mental und auch körperlich. Neben dem Verletzungspech, dass auch Xenia getroffen hat, lag es vielleicht auch an der Erfahrung, die bei den vielen jungen Spielerinnen in unserem Team noch fehlt. Nach wie vor sind wir ein sehr junges Team, müssen weiter lernen und zusammenwachsen. In so einem Turnier müssen am besten alle fitten Spielerinnen ihr absolutes Toplevel erreichen. In Summe hat es dann leider einfach nicht gereicht.
Sie werden häufig als Jahrhunderttalent bezeichnet, sind mittlerweile aber bereits eine der erfahrenstern Spielerinnen im DHB-Team. Wie gehen Sie mit dem Druck von außen um?
Bölk: Ich mache mir da nicht so viele Gedanken. Ich weiß natürlich auch: Mit den Leistungen steigen die Erwartungen. Dann muss man auch immer wieder diese Leistung zeigen und Verantwortung übernehmen und da ist das Alter nicht entscheidend. Von daher versuche ich das auszublenden oder nicht so nah an mich heranzulassen. Im Unterbewusstsein ist der Druck bestimmt da, aber wir lernen auch damit umzugehen, insbesondere durch so viele wichtige Spiele, die wir im Jahr haben. Ich bin auch sehr selbstkritisch und mache mir selber viel Druck, weil ich am liebsten in jedem Training und in jedem Spiel meine absolute Top-Leistung bringen möchte, um immer weiter nach vorne zu kommen. Daher ist der Umgang mit Druck auch 'learning by doing'. Man muss lernen, schlechte Dinge schnell abhaken zu können, trotzdem seine Lehren daraus ziehen und weiter seine Ziele verfolgen.
Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für 2020?
Bölk: Ich möchte am Ende des Jahres sagen können: Geil, du hast die richtigen Entscheidungen getroffen, du hast dich weiterentwickelt, dein Weg geht immer weiter nach oben. Ich möchte am Jahresende zufrieden zurückblicken. Natürlich gibt es immer mal wieder einen Tag dazwischen, wo es mal nicht läuft, das ist absolut klar. Aber in Summe sollte der Weg immer weiter nach oben gehen. Mit dem Verein sind wir in der Liga von den drei Favoriten (Borussia Dortmund, SG BB Bietigheim und Thüringer HC, Anm. d. Red.) in der schwierigsten Ausgangsposition, durch die zwei Niederlagen in der Hinrunde. Da ist ganz klar, dass wir nichts mehr liegenlassen dürfen. Wir müssen unbedingt die direkten Duelle gegen Dortmund und Bietigheim gewinnen, aber dürfen auch in keinem anderen Spiel mehr Punkte liegenlassen, damit wir noch eine Chance auf die Deutsche Meisterschaft haben. Im Pokal-Final-Four wollen wir unseren Titel verteidigen und international, im EHF-Cup, wollen wir so weit kommen wie möglich.
Wer ist ihr großes Vorbild an dem Sie sich orientieren und Dinge abschauen?
Bölk: Ich habe nicht das eine Idol, von dem ich am liebsten alles kopieren möchte. Ich habe immer gesagt, dass ich mal so erfolgreich werden will, wie meine Mama (Mutter Andrea wurde u.a. 1993 Weltmeisterin, Anm. d. Red.). Aber ansonsten gibt es bei den Frauen und Männern verschiedene Spieler, bei denen ich mir einzelne Aspekte als Vorbild nehme und diesen nacheifern will. Das sind so Sachen wie: Entscheidungverhalten, die richtigen Lücken im Angriff finden, Wurfqualität, wie man in der Abwehr richtig steht. Diese Dinge sammel ich mir dann von verschiedenen Spielern zusammen, versuche aber auch meinen eigenen Weg zu gehen. Bei den Männern fand ich Domagoj Duvnjak immer überragend oder auch Sander Sagosen, bei den Frauen zum Beispiel Nycke Groot oder Stine Oftedal, die auf ganz hohem Niveau sehr viele gute Entscheidungen treffen.
Wie aktiv haben Sie die Handball-EM der Männer verfolgt?
Bölk: Schon sehr aktiv. Es gelang mir nicht jedes Spiel zu gucken, da wir auch schon wieder voll im Spielbetrieb waren, Training oder eigene Spiele hatten. Aber wenn ich Zeit hatte, habe ich mir schon einige Spiele angeschaut.
Welchem Starspieler haben Sie dort am liebsten zugeschaut?
Bölk: Natürlich habe ich primär die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgt. Aber ich muss sagen, dass mir Norwegen, wie schon in den vergangenen Jahren, sehr imponiert hat mit ihrer Spielweise. Natürlich absolut herausstechend da: Sander Sagosen. Er ist noch so jung und doch schon so vielseitig, sowohl im Angriff als auch in der Abwehr und er übernimmt schon viel Verantwortung, trifft viele gute Entscheidungen.
Eurosport übertragt ja auch die Frauen-Handball-Bundesliga: Welche positiven Aspekte ziehen Sie aus den TV-Live-Übertragungen?
Bölk: Ich finde die Entwicklung absolut super. Ich wünsche mir, dass das noch mehr wird und das wir mit entsprechender Leistung noch mehr Zuschauer gewinnen oder die deutschen Fans mit unserer Art und Weise Handball zu spielen, überzeugen können. Bei vielen Leuten besteht noch eine Diskrepanz zwischen Männern und Frauen, diese Sichtweise können wir ändern. Da müssen wir einfach mit attraktivem Handball vorangehen.
Was kann man ihrer Meinung nach tun, damit die Aufmerksamkeit der Menschen von den großen Turnieren auch auf die Liga übertragen wird?
Bölk: Auf jeden Fall mediale Präsenz. Klar ist diese bei Großereignissen immer extrem hoch, aber wenn man sich die Männer-Bundesliga anguckt, da wird immer drüber berichtet und gesprochen. Auch auf anderen Plattformen wie Social Media oder Podcast, wo 365 Tage im Jahr das Thema 'Handball' ist und die Spieler selber in Interviews näher an die Leute gebracht werden. Da können sich die Zuschauer dann viel besser mit den Spielern identifizieren. Wenn jetzt auch bei den Frauen die Handball-Bundesliga durch Eurosport im Free-TV leichter zugänglich ist, dann ist das natürlich absolut super. Auch für Leute, die vielleicht keinen Internetzugang haben, ist es so einfacher möglich, Frauen-Handballspiele zusehen. Die Art und Weise wie Handball gespielt wird, muss aber überzeugen. Da müssen die Leute sagen: 'Toll, da möchte ich nächstes Mal noch so ein Spiel sehen. Dann müssen irgendwann natürlich auch Erfolge die Aufmerksamkeit bringen.'
Wie ist ihr Umgang mit sozialen Medien und inwiefern nutzen Sie diese Plattformen für den Handball?
Bölk: Social Media ist in unserer Zeit einfach ein spannendes Thema und ich finde es daher auch wichtig, darüber zu kommunizieren. Wenn wir Spielerinnen dort aktiv sind, können wir damit auch für den Handball-Sport werben. Ich habe dort auch häufiger Kontakt zu Fans, die einfach interessiert sind an meiner Person und meiner Sportart. Social Media bietet eine Plattform, wo die Leute einen kennenlernen können und wo man sich als Sportlerin so zeigen kann, wie man das möchte und wie man selber ist. Ich glaube schon, dass das eine gewisse Nähe zu den Fans und Zuschauern schafft.
Spannend ist auch die Situation in der Bundesliga. Wie schätzen Sie das Meisterrennen mit fünf Topteams, die aktuell noch um den Titel kämpfen, ein?
Bölk: Ich bin zum Thüringer HC gewechselt, um Deutscher Meister zu werden. Dieser Titel fehlt mir noch. Von daher werde ich alles geben, dass ich auch mal 'Deutscher Meister' in meine Vita eintragen kann. Allerdings ist es Fakt, dass wir nicht mehr patzen dürfen. Wenn wir alle Duelle gewinnen und dann noch ein bisschen Glück haben, ist alles offen. Wir sind gut aus der WM-Pause gekommen. Wir haben unsere Spiele sehr souverän gewonnen und müssen da einfach weitermachen. Dann bin ich, was die Meisterschaftschancen angeht, sehr optimistisch.
Sie sind 2018 aus Buxtehude nach Thüringen gewechselt. Wie ist das Leben dort in einer völlig anderen Umgebung fernab der Heimat?
Bölk: Ich fühle mich sehr wohl. Es ist tatsächlich etwas anderes, weil Buxtehude relativ klein ist, da ist Erfurt schon eine Veränderung. Es liegt mir aber, wenn immer etwas Trubel ist, wenn immer noch ein Café oder Restaurant auf hat, wo man hingehen kann. Erfurt gefällt mir sehr gut, das Team harmoniert gut. Ich habe zudem eine schöne Wohnung, fühle mich einfach wohl. Von daher habe ich die Entscheidung zum THC zu gehen, nicht bereut.
Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Ihnen aus?
Bölk: Aktuell haben wir englische Wochen, da ist die Anzahl der Trainingseinheiten minimiert. Es wird daher mehr Wert auf Regeneration gelegt und auf die taktische Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Die Trainingseinheiten sind entsprechend auf die wichtigsten Dinge komprimiert, von daher haben wir nebenher etwas mehr Zeit. Ich mache aber selber Extra-Einheiten, Kraft- und Stabilisationstraining vor allem, um das ein oder andere Wehwehchen direkt beheben zu können. Da gehört auch dazu, Physiotherapie wahrzunehmen. Dann mache ich abseits des Handballs noch ein Fernstudium. Dafür versuche ich, wenn ich wie jetzt nicht mit der Nationalmannschaft unterwegs bin, die Zeit zwischen den Trainingseinheiten zu nutzen und damit voranzukommen. Ansonsten ist aber auch zwischendurch ein bisschen Freizeit wichtig: Essen gehen, bummeln in der Stadt und den Kopf frei kriegen.
Wie gehen Sie mit der Doppelbelastung, Profi-Handballerin und Studium, um?
Bölk: Ich finde das ergänzt sich ganz gut, es macht mir auch sehr viel Spaß. Ich kenne keine Langeweile und ich kann nicht einfach nur rumsitzen und Fernseh schauen. Ich muss immer nebenbei was machen, bin immer aktiv und habe gerne einen vollen Terminkalender. Von daher ist das Studium für mich eine super Ergänzung und sehr wichtig. Es ist mir bewusst, dass dieser 'Karriereweg Handball' zeitlich begrenzt ist und deshalb ist es mir wichtig, dass ich mir nebenbei noch ein zweites Standbein aufbaue. Ich lasse mich aber nicht stressen, weil ich noch vorhabe, viele Jahre Handball zu spielen. Auf diesem Niveau ist eine andere Arbeit nebenbei sehr schwierig. Von daher mache ich das Studium aktuell als Nebenbeschäftigung. Ich studiere BWL und Wirtschaftspsychologie. Der Inhalt interessiert mich sehr. Das Feld ist breitgefächert, daher bin ich sehr gespannt in welche Richtung es mich dann später ziehen wird.
Heute (31.01.20, ab 17:50 Uhr) spielen Sie in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen (live auf Eurosport im TV bei Eurosport 1 und im Eurosport Player). Wie schätzen Sie den Gegner ein?
Bölk: Ich kenne natürlich viele Spielerinnen von der Nationalmannschaft und von vielen Duellen aus den vergangenen Jahren. Ich bin auch gespannt, was Michael Biegler (u.a. ehemaliger Frauen-Bundestrainer, Anm. d. Red.) als neuer Trainer in Leverkusen für einen Input weitergibt. Leverkusen ist immer für Überraschungen gut, die können jeden ärgern. Wir müssen da absolut konzentriert an die Sache rangehen. Fakt ist aber auch: Wir werden dort als Favorit ins Spiel reingehen und wir dürfen nichts mehr liegenlassen. Wir müssen konsequent sein und zwei Punkte mitnehmen. Ich erwarte ein schwieriges, aber sehr schnelles Spiel.
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