Olympia 2024: Trotz Finalklatsche ein Erfolg - Deutsche Handballer spielen sich in Paris zurück in die Weltspitze
Publiziert 11/08/2024 um 17:01 GMT+2 Uhr
So bitter die 26:39 (12:21)-Klatsche gegen überlegene Dänen auch ist, das deutsche Handball-Nationalteam ist mit der starken Turnierleistung bei Olympia 2024 in Paris wieder in der Weltspitze angekommen. Das liegt weniger an der Silbermedaille und dem Finaleinzug, sondern vielmehr an der Tatsache, dass das DHB-Team gegen Top-Nationen wie Spanien oder Frankreich mindestens in Schlagdistanz ist.
Highlights: Dänemark deklassiert chancenloses DHB-Team im Finale
Quelle: Eurosport
Alfred Gislason spendete Trost. Viel mehr blieb dem Bundestrainer auch gar nicht übrig nach einer historischen Niederlage.
Leeren Blickes, fassungslos und sportlich deklassiert sahen die deutschen Handballer tanzenden Dänen zu, die ihnen eine Abreibung verpasst hatten, wie sie im Finale eines olympischen Turniers noch nie vorgekommen war. "Es ist ein Albtraum, ich weiß nicht, wie das passieren konnte", sagte Juri Knorr.
Eine Sensation und damit ein nicht minder historisches Gold war außer Reichweite. Gislasons junge Mannschaft war in einem einseitigen Finale gegen Weltmeister Dänemark von Beginn an chancenlos und unterlag mit 26:39 (12:21).
So bleibt Silber - und damit der unerwartete, freilich auch mehr als verdiente Lohn für spektakuläre Leistungen auf dem Weg ins Endspiel. "Die Jungs haben ein großartiges Turnier gespielt, das ist sehr hoch einzuschätzen", sagte Gislason im "ZDF".
Kapitän Golla: "Einfach nur Enttäuschung"
Kapitän Johannes Golla war dennoch ernüchtert. "Da sind keine gemischten Gefühle, sondern einfach nur Enttäuschung. Wir müssen nicht darüber reden, dass die Dänen die beste Mannschaft der Welt sind. Aber wir haben es ihnen zu einfach gemacht, wir hatten keine Chance", sagte er. "Wir wussten", ergänzte er, "dass wir unser bestes Spiel brauchen, aber das war heute unser schlechtestes Spiel im Turnier."
In der Tat: Ausgerechnet im "größten Spiel unserer Karriere" zeigten die deutschen Spieler ihren schwächsten Auftritt, agierten vor rund 27.000 Zuschauern im Stade Pierre-Mauroy in Lille fahrig und fehlerhaft. Von Beginn an diktierten die Dänen Tempo und Rhythmus, bereits zur Pause war die Partie praktisch entschieden. "Dänemark war von Anfang bis Ende das bessere Team", sagte Knorr.
Silber ist größter Erfolg seit EM-Titel 2016
Das DHB-Team zeigte nichts von dem, was es in den vorherigen Spielen stark gemacht hatte: Weder Andreas Wolff noch David Späth waren ein Faktor, die Abwehr bekam überhaupt keinen Zugriff, im Angriff fehlten Struktur im Spielaufbau und überraschende Momente von Renars Uscins.
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Knorr ratlos: "Wissen nicht, wie uns das passieren konnte"
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Dänemark spielte hingegen nahe an der Perfektion. Unfassbares Tempo aus dem gebundenen Spiel wie im Tempogegenstoß, eine bewegliche und aggressive Abwehr und eine brutale Zweikampfstärke von Mathias Gidsel, Simon Pytlick und Ramus Lauge. Dem konnte das DHB-Team mit seiner schlechtesten Turnierleistung nichts entgegensetzen.
Und trotzdem ist das Turnier der Handballer als Erfolg zu werten. Das Team um Youngster Uscins lieferte packende Spiele, Aufholjagden und souveräne Siege und begeisterte (Handball-)Fans auf der ganzen Welt. Dem jungen DHB-Team traut man schon länger eine erfolgreiche Zukunft zu - in Paris und Lille zeigte die Mannschaft, dass sie in dieser Phase angekommen ist.
Der Rückraum wird zur neuen Stärke
Nach der Klatsche gegen Dänemark zeigten sich die deutschen Spieler frustriert. Doch mit etwas Abstand werden sie erkennen, dass sie mit diesem Olympia-Turnier in der Weltspitze angekommen sind. Das verdeutlicht zum einen der Finaleinzug mit der Silbermedaille, vielmehr aber der Vergleich zu vorherigen Turnieren.
Bei der Heim-EM im Januar spielte das DHB-Team ebenfalls teils guten Handball. Aber zum einen war die Mannschaft von Bundestrainer Gislason viel zu inkonstant in den Spielen und im gesamten Turnierverlauf, zum anderen fehlte in den Partien gegen die Top-Nationen immer Struktur im Angriff und die individuelle Qualität, vor allem im Rückraum.
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Lauge im Siegerinterview: "Wir haben Charakter gezeigt"
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Das war bei Olympia 2024 anders. Klar, die Pleite gegen Dänemark ist ein Dämpfer, aber zwei Siege gegen Spanien und die Erfolge gegen Frankreich und Schweden zeigen: Deutschland kommt in diesen Spielen in einen Bereich, in dem die Partie bis zum Abpfiff offen ist. Dann können solche Spiele in die eine oder die andere Richtung kippen, aber man muss in diesen Bereich erst einmal kommen.
Grund dafür ist die größere individuelle Qualität im Rückraum. Uscins, Knorr, Köster, Heymann - phasenweise auch Luca Witzke. Die Problemzone vergangener Jahre wurde zur Stärke.
Das Olympiaturnier in Paris und Lille könnte also eine Wegmarke in Richtung einer erfolgreichen Zukunft mit mehr Titelchancen werden.
Als sich die deutschen Spieler mit den Silbermedaillen um den Hals für das Gruppenfoto aufstellten, konnten sie auch schon wieder lachen.
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