Handball-WM 2025: Übermächtige Dänen und spektakuläre Außenseiter - Die Lehren von Eurosport-Experte Pascal Hens
Update 03/02/2025 um 10:00 GMT+1 Uhr
Sie galten vor der WM als der größte Favorit auf den Titel und haben diese Erwartung eindrucksvoll erfüllt: Dänemark besiegt im WM-Finale Kroatien mit 32:26 und gewinnt die vierte Weltmeisterschaft in Serie. Auf dem Weg zum Titel wahrt das Team um Mathias Gidsel und Emil Nielsen eine weiße Weste. Dänemark war also nicht zu schlagen, doch es gibt auch andere Erkenntnisse: Drei WM-Lehren.
Hens zieht WM-Fazit: Das war die Überraschung des Turniers
Quelle: Eurosport
Eigentlich stellte sich vor dem WM-Finale zwischen Dänemark und Kroatien nur eine Frage: Was in aller Welt muss passieren, damit diese Dänen geschlagen werden können? In der ersten Halbzeit hielt Kroatien noch mit Aggressivität und wuchtigen Rückraumwürfen dagegen. Aber 60 Minuten konnte das Tempo gegen Dänemark nicht mitgegangen werden.
Der 32:26-Sieg war der neunte souveräne Sieg im neunten WM-Spiel. Vierter WM-Titel in Folge, Gidsel ist erfolgreichster Torschütze und MVP, Nielsen bester Torwart der WM. Das Turnier war eine reine Machtdemonstration.
"Dänemark hat in diesem Turnier nochmal eine Schippe draufgelegt und einige andere Nationen sind nicht an ihre Leistungen rangekommen", analysiert Eurosport-Experte Pascal Hens. "Deswegen war die Diskrepanz zu den anderen Nationen noch einmal größer, das ist schon angsteinflößend."
Aber knapp drei Wochen Handball-WM haben auch andere Erkenntnisse hervorgebracht. Drei Lehren.
1. Die Handball-Welt wird diverser
In den vergangenen Wochen wurden warnende Stimmen lauter, dass der Handballsport zu sehr eine Monokultur wird. Immer die gleichen Nationen gewinnen, in den immer selben Ländern finden die Turniere statt. Beispiele gibt es genug: Nach der WM 2025 in Dänemark, Norwegen und Kroatien findet die EM 2026 in Dänemark, Norwegen und Schweden statt. Die WM 2027 ist drei Jahre nach der EM 2024 erneut in Deutschland.
Die große Befürchtung von Funktionären wie Bob Hanning oder Stefan Kretzschmar: Wenn der Handball nicht in Länder expandiert, in denen er bislang kaum Beachtung findet, verliert er den Anschluss an andere Sportarten - und über kurz oder lang womöglich seinen Olympia-Status.
In dieser Hinsicht war die WM 2025 ein Zugewinn an Diversität. Denn mit Italien trat ein komplett neuer Protagonist auf die Karte. Italien war bislang überhaupt keine Handball-Nation. Aber das Team um Domencio Ebner spielte einen schönen Tempo-Handball und eroberte die Herzen der Fans. Nun wird auch noch Bob Hanning Nationaltrainer, das dürfte weiteren Aufwind geben.
"Italien hat überrascht, auch wenn in der Hauptrunde dann Schluss war", sagt Hens. "Sie haben mit ihrer Art Handball zu spielen überzeugt und waren erfrischend - alleine schon, wie sie Nationalhymne mitsingen."
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Die portugiesische Nationalmannschaft avancierte bei der WM zur großen Überraschung
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Dazu kommen mit Portugal und Brasilien zwei Nationen, die zwar regelmäßig an Turnieren teilgenommen hatten, aber mit dem Halbfinaleinzug (Portugal) und dem Viertelfinaleinzug (Brasilien) historisch gute Ergebnisse einfuhren.
"Die Überraschung des Turniers war Portugal", sagt Hens. "Sie haben jetzt wirklich einen großen Step gemacht, sind bis ins Halbfinale gekommen und im Spiel um Platz drei war es knapp. Das hat man im Vorfeld nicht erwarten können."
Die Hoffnung, dass künftig mehr Teams ins Rennen um die Medaillenplätze eingreifen können, ist nach diesem Turnier gewachsen.
2. Schwergewichte Enttäuschen
Übermächtige Dänen, dazu die Überraschungs-Teams Portugal und Brasilien: Da gibt es zwangsläufig weniger Plätze im Viertelfinale. Dementsprechend haben einige Handball-Großmächte bei diesem Turnier enttäuscht. Am größten wird der Frust bei Norwegen sein, die Skandinavier verpassten beim Heimturnier die Runde der letzten Acht.
"Das war schon die größte Enttäuschung des Turniers", sagt auch Hens. "Vor heimischem Publikum schon in der Hauptrunde raus und nicht die Leistung gebracht, die man erwartet hatte, das war schon enttäuschend." Der Weltmeister von 2007 hatte Norwegen vor dem Turnier eher im Halbfinale erwartet.
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Die norwegische Nationalmannschaft enttäuschte bei der WM auf ganzer Linie
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Aber auch für Schweden und Spanien war nach der Hauptrunde Schluss, Polen überstand nicht einmal die Vorrunde. Und solch eine desolate erste Halbzeit im Halbfinale gegen Kroatien wird in Frankreich auch nicht zu einem zufriedenen Blick auf das Turnier führen.
Während sich bei Spanien eine neue Generation auf den Weg macht, dürften bei Schweden und Frankreich die Sorgenfalten groß sein. Beide erreichten schon bei Olympia nur das Viertelfinale. Auch wenn beide Teams absolute Top-Stars in ihren Reihen haben - der Rückstand zu Dänemark scheint von Turnier zu Turnier größer zu werden.
Eurosport-Experte Hens sagt: "Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren mehr Spannung reinbekommen und sich andere Nationen an der Art, wie Dänemark Handball spielt, etwas abschauen können."
3. DTb-team muss sich für heim-Wm steigern
Auch die deutsche Mannschaft erreichte nur das Viertelfinale. Nach Olympia-Silber im vergangenen Sommer tut sich Handball-Deutschland schwer, diese WM einzuordnen.
Bundestrainer Alfred Gislason sagte: "Das ist kein Rückschlag. Wir lernen davon." Auf der einen Seite ist eine Viertelfinal-Niederlage gegen Portugal, bei der allein Torwart Andreas Wolff dafür gesorgt hatte, dass das deutsche Team in die Verlängerung kam, nicht der Anspruch des DHB-Teams.
Auf der anderen Seite war Julian Köster vor dem Turnier verletzt, Juri Knorr während der WM stark krank und Renars Uscins musste auf seiner Position im rechten Rückraum quasi durchspielen. Auch der Ausfall von Sebastian Heymann kurz vor dem Turnier war schmerzhaft.
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DHB-Team verliert gegen Portugal
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Dennoch ist das Abschneiden für den ehemaligen DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning eine herbe Enttäuschung. "Planlos und ideenlos wirkte unser Spiel, es fehlte an klaren Strukturen und einstudierten Abläufen", schrieb Hanning in einer Kolumne für die "Bild am Sonntag". "Einen Matchplan, wie man neudeutsch so schön sagt, habe ich selten erkennen können."
"Der deutschen Mannschaft hat das Tempospiel sehr gefehlt", kritisiert auch Hens. "Da müssen dringend wir dran arbeiten."
Die nächste WM 2027 findet wieder in Deutschland statt. Bis zu diesem Turnier wird Gislason Bundestrainer bleiben. Ganz entscheidend dürfte für den Erfolg bei diesem Turnier sein, welche Schlüsse der Isländer aus der WM 2025 zieht.
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Highlights: Dänische Dominatoren krönen sich zum Weltmeister
Quelle: Eurosport
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