Handball-WM 2019 - Kolumne von Daniel Stephan #6 zum Spiel Deutschland - Kroatien

Deutschland trifft am Montag (20:30 Uhr im Liveticker) auf Kroatien. Bei einem Sieg wäre das Team von Trainer Christian Prokop vorzeitig für das Halbfinale qualifiziert, was einer Sensation gleichkäme. Der ehemalige Welthandballer und heutige Eurosport-Experte Daniel Stephan lotet in seiner Kolumne bei Eurosport.de die Chancen gegen Kroatien aus.

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Fotocredit: Eurosport

Hallo Handball-Freunde,
was war das bitte für ein rauschendes Fest gegen Island? War das geil! Ich weiß nicht, ob ich solch eine Stimmung schon mal irgendwo erlebt habe. Das war der WAHNSINN! Da bekomme ich selbst jetzt noch Gänsehaut. Berlin als Spielort war wirklich schon gut, aber Köln ist mittlerweile echt zum Mekka des deutschen Handballs geworden. Weltklasse! W-E-L-T-K-L-A-S-S-E!
Es ist keine neue Erkenntnis, dennoch ist der Heimvorteil in diesem Turnier unser absolutes Faustpfand. Um dich herum schreien 20.000 Leute, die tragen dich. Und auch wenn du mal einen Fehler machst, feuern sie dich an. Das wiederum fördert den Teamgedanken, es ist wie ein Rausch, der süchtig macht nach Erfolgserlebnissen.

Abwehr ist das Prunkstück

Überragend fand ich übrigens unsere Bombenabwehr mit Kämpfer Patrick Wiencek und Stratege Hendrik Pekeler. Es ist fantastisch mitanzusehen, wie die Beiden auf ihre jeweils eigene Art die Defensivarbeit interpretieren. Dazu hat Torwart Andreas Wolff - bis auf eine kleine Schwächephase zwischendurch - eine sensationelle Partie abgeliefert. Die Abwehr ist definitiv unser Prunkstück - da gehen mir fast die Superlative aus.
Bei aller Euphorie dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir im Angriff noch Probleme haben. Auch gegen Island waren viele technische Fehler dabei. Beim Spiel Sechs-gegen-Sechs fehlte die Durchschlagskraft, da war Steffen Fäth der einzige Spieler, der auch aus neun Metern Tore gemacht hat. Ich appelliere an jeden, dass er sich nicht blenden lässt. Natürlich war viel Gutes dabei, aber vorne gibt es durchaus Steigerungspotenzial.

Kader ist stark und ausgeglichen

Gegen Kroatien wird alles abverlangt werden. Die Ausgangslage ist klar: Gewinnen wir, sind wir im Halbfinale. stufe ich uns auch als leicht favorisiert ein - nur: die Kroaten sind auf jeden Fall in der Lage, sich innerhalb von 24 Stunden von einer komplett anderen Seite zu zeigen. Sie sind besser als sie es gegen Brasilien gezeigt haben und wissen: Verlieren sie gegen Deutschland, ist es aus. Diese K.o.-Situation kann zusätzlich Kräfte freisetzen.
Ich hoffe, dass das deutsche Team sich wie zuletzt auf sich selbst konzentriert und nicht zu sehr darauf reagiert, was der Gegner macht. Unser Kader ist stark und ausgeglichen genug, um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken und vorzeitig das Halbfinale zu erreichen. Das ist eine riesige Chance. Die Mannschaft muss alles daransetzen, sie zu nutzen.
Lasst uns die Begegnung und die Atmosphäre genießen, weiter mitfiebern und die Daumen drücken.
Euer Daniel Stephan
Zur Person: Daniel Stephan
Der ehemalige Nationalspieler wurde 1998 zum ersten Welthandballer aus Deutschland gekürt. Stephan, der im linken Rückraum und in der Mitte spielte, wurde 2004 Europameister und holte im selben Jahr mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Athen. In 183 Länderspielen warf der heute 45-Jährige, der im Verein für den OSC Rheinhausen und den TBV Lemgo auflief, 590 Tore. Die WM 2019 begleitet Stephan als TV-Experte bei Eurosport und hier in seiner Kolumne für Eurosport.de
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