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Klartext zum deutschen WM-K.o.: Das hat gegen Norwegen gefehlt

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Klartext zum deutschen WM-K.o.: Das hat gegen Norwegen gefehlt

Fotocredit: Eurosport

VonDaniel Stephan
26/01/2019 Am 15:20 | Update 26/01/2019 Am 15:50

Eurosport-Experte Daniel Stephan, 2004 Handball-Europameister mit Deutschland, nimmt die Halbfinal-Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Norwegen unter die Lupe und erklärt, warum der Traum vom Endspiel zerplatzt ist. Darüber hinaus kritsiert der 45-Jährige scharf einen Trend, der sich bei dieser Weltmeisterschaft abzeichnet und aus sicht von Stephan dem Spiel schadet.

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Hallo Handball-Freunde,

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das war's also, der Traum vom WM-Titel ist geplatzt. Meine Glückwünsche gehen an die Mannschaft aus Norwegen, die das Halbfinale gegen Deutschland völlig verdient mit 31:25 gewonnen hat. Wir hatten gestern einfach zu viele Baustellen, um ins Finale einzuziehen.

Die Torhüter-Leistungen waren nicht gut genug, die Abwehr war in Ordnung, aber nicht so stark wie gewohnt. Im Angriff hat die DHB-Auswahl nicht schlechter gespielt als in den vorangegangenen Partien. Mit dem Unterschied, dass man die offensiven Nachlässigkeiten mit überragenden Vorstellungen in anderen Mannschaftsteilen kaschieren konnte. Das hat gegen Norwegen aber gefehlt.

Gekämpft wie die Löwen

Um nicht falsch verstanden zu werden: Die deutschen Spieler haben auch gegen die bärenstarken Norweger wie die Löwen gekämpft. Uwe Gensheimer über links oder Fabian Böhm im Rückraum haben sehr gut ausgesehen. Insgesamt aber musste die DHB-Auswahl extrem hart um jedes Tor kämpfen, sodass ich spätestens kurz nach der Halbzeit kaum mehr das Gefühl hatte, dass sich das Blatt noch zu Gunsten unserer Mannschaft wendet.

Deutschland - Norwegen

Fotocredit: Getty Images

Nach der Partie wurde dann lebhaft darüber debattiert, ob Bundestrainer Christian Prokop Abwehrchef Hendrik Pekeler nach seiner zweiten Zeitstrafe nicht hätte "aufsparen" müssen für die Schlussphase. Das sehe ich nicht so, natürlich muss er auf die Platte. Dass er dann beim Stand von 20:22 die dritte Strafe kassierte und zuschauen musste, ist natürlich Pech.

Mein Kritikpunkt: Zu viele Zeitstrafen

Die vielen Zwei-Minuten-Strafen, sieben auf deutscher und drei auf norwegischer Seite, sehe ich übrigens sehr kritisch. Das ist ein generelles Problem bei dieser Weltmeisterschaft. Die Schiedsrichter, die da auch nur den Vorgaben des Verbandes folgen, schicken die Spieler viel zu schnell runter.

Die Gelben Karten werden gar nicht ausgereizt, stattdessen landen die Spieler für zwei Minuten draußen, auch wenn sie den Gegner nur "begleitet" und nicht überhart attackiert haben. Handball ist ein körperliches Spiel, da muss auch ein körperlicher Kampf stattfinden dürfen. Ich hoffe sehr, dass man da bei künftigen Turnieren wieder zu einer anderen Linie findet.

Alles raushauen für die Bronzemedaille

Für die deutsche Mannschaft geht es nun um die Bronzemedaille. Und auch wenn die Halbfinal-Niederlage ein schwerer Schlag war, wird die Mannschaft gegen Frankreich wieder alles in die Waagschale werfen und auch im zehnten WM-Spiel bis zum Umfallen kämpfen.

Die Franzosen sind alles andere als unschlagbar, bei der 30:38-Niederlage im Halbfinale gegen Dänemark waren sie sogar richtiggehend schwach. Deutschland wiederum könnte die "halbe" Heim-WM mit einem Sieg zu einem schönen Ende führen und den positiven Eindruck bestätigen. Prokop und seine Jungs haben begeistert. Sie haben die Bevölkerung erreicht, die Hallen waren voll, die TV-Quoten exzellent.

Ich persönlich freue mich aber natürlich auch auf das WM-Finale, das wir am Sonntag ab 17:30 Uhr live bei Eurosport und im Eurosport Player übertragen.

Euer Daniel Stephan

Zur Person: Daniel Stephan

Der ehemalige Nationalspieler wurde 1998 zum ersten Welthandballer aus Deutschland gekürt. Stephan, der im linken Rückraum und in der Mitte spielte, wurde 2004 Europameister und holte im selben Jahr mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Athen. In 183 Länderspielen warf der heute 45-Jährige, der im Verein für den OSC Rheinhausen und den TBV Lemgo auflief, 590 Tore. Die WM 2019 begleitet Stephan als TV-Experte bei Eurosport und hier in seiner Kolumne für Eurosport.de.

Daniel Stephan

Fotocredit: Getty Images

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