Handball-WM 2025: Juri Knorrs Verletzung schmerzt mehr als die Abwehrschwäche des deutschen Teams beim Auftakt

Das deutsche Handball-Nationalteam gewinnt ihr WM-Auftaktspiel gegen Polen zwar deutlich mit 35:28 (15:14), lange war das Team von Bundestrainer Alfred Gislason spielerisch aber längst nicht so überlegen, wie das Endergebnis suggeriert. Der Turnierstart ist geglückt, noch mehr Sorgen als die lange Zeit zu passive Abwehr macht aber eine mögliche Knieverletzung von Rückraum-Star Juri Knorr.

Juri Knorr verletzte sich im WM-Auftaktspiel gegen Polen

Fotocredit: Imago

Auftaktspiele sind schwer. Man weiß nicht so richtig, wo man steht und wo die anderen stehen. Welcher Spieler hat welche Form? Wie gut flutschen die Abläufe im Angriff und die Absprachen in der Abwehr?
"Wir waren alle angespannt vor dem Spiel, wir wussten, wie wichtig das Auftaktspiel für das Turnier ist. Wenn wir als Favorit ernannt in die Gruppe gehen, was wir auch sein wollen, dann müssen wir das erste Spiel auch gewinnen", sagte Luca Witze nach dem Spiel im "ARD"-Interview.
Deswegen lautete die Devise: Erst einmal gewinnen. Wenn am Ende sogar ein Vorsprung von sieben Toren steht, dann ist erst einmal alles gut - oder.
Nun ja. Die DHB-Protagonisten mäkelten nach Spielende an der über weite Strecken fahrigen Leistung herum - immerhin mit einer gewissen Entspanntheit, die ein Auftaktsieg so mit sich bringt.
"Ich denke, mit dem 'Wie' müssen wir uns ein bisschen beschäftigen", äußerte sich Torwart Andreas Wolff in der "ARD". "Das sind Fehler, die immer wieder auftreten und die sich in den letzten Spielen auch schon ein bisschen durchgezogen haben." Luca Witze erkannte, "dass wir in der Abwehr nicht griffig waren". Und Bundestrainer Gislason sah in der ersten Halbzeit "die Chancenverwertung ganz sicher als ein Problem".
So drehte das DHB-Team die Partie erst kurz vor Ende der ersten Halbzeit. Dank einer Leistungssteigerung im Angriff und eines starken Torhüter-Duos (Wolff: 10 Paraden, 3 gehaltene Siebenmeter; Spät: 3 Paraden) zog Deutschland im zweiten Durchgang kontinuierlich davon.

Knorr verdreht sich das Knie

Mangelnde Aggressivität im Zweikampfverhalten, fehlende Absprachen in der Deckung des polnischen Star-Kreisläufers Kamil Syprzak, phasenweise zu passives Blockspiel gegen die Rückraumspieler - das sind alles Dinge, die sich verbessern lassen. Was ein großes Problem darstellen könnte: eine ernsthafte Knieverletzung von Juri Knorr.
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Juri Knorr verletzte sich im WM-Auftaktspiel gegen Polen

Fotocredit: Getty Images

In der 40. Minute rutschte der 24-Jährige ohne Fremdeinwirkung im Spielaufbau auf dem Hallenboden weg und verdrehte sich das linke Knie. Wie Gislason nach dem Spiel erklärte, sei es an dieser Stelle nass gewesen.
Danach musste der DHB-Star ausgewechselt werden und spielte keine Minute mehr. Stattdessen: Schmerzverzerrtes Gesicht, immer wieder der Griff ans Knie, Behandlungen durch den DHB-Physio.
Knorr konnte stehen und probierte immer wieder leichtere Sprünge aus. Die ganz schlimmen Befürchtungen äußerte erst einmal noch niemand. Gegenüber Gislason traf Knorr eine erste Selbstdiagnose: Verstauchung.
"Es war nass. Er rutscht ein bisschen aus. Dann kriegt er Bodenkontakt", berichtete Gislason von der Szene, die Handball-Deutschland den Atem stocken ließ. Der DHB-Coach nannte es "einen Schreckmoment".

KNorr-Ausfall wäre verheerend

"Ich hoffe natürlich, dass es nichts Ernstes ist", sagte Bundestrainer Alfred Gislason. Knorr sei "ein wichtiger Spieler. Er ist unser Mittelmann Nummer eins." Ein Ausfall würde das deutsche Team sicherlich hart treffen, doch Gislason versicherte, dass Knorr im Fall der Fälle zu ersetzen sei. "Wir haben die Breite, ohne Frage", so der Isländer am späten Mittwochabend im Bauch der Jyske Bank Arena in Herning: "Ich hoffe einfach das Beste, dass er das nächste Spiel oder spätestens das übernächste Spiel wieder spielen kann."
Auch wenn Renars Uscins mit zehn Treffern bester deutscher Werfer war und Kreisläufer Johannes Golla zum Spieler des Spiels ernannt wurde: Mittelmann Knorr bestimmte den Rhythmus des deutschen Angriffsspiels und zeigte eine starke Leistung.
In der ersten Halbzeit strahlte er dauerhaft Torgefährlichkeit aus, spielte aber auch kluge Pässe. Bestes Beispiel: In der 15. Minute spielte er seinen Gegenspieler mit einer schnellen Drehung aus und sah dann noch den freistehenden Kreisläufer Justus Fischer - eine Weltklasse-Aktion.
In der zweiten Halbzeit riss er das Offensivspiel des DHB-Teams bis zu seiner Auswechslung richtig an sich. Er erzielte insgesamt fünf Treffer, die Tore, die Uscins erzielte, bereitete er häufig vor.
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Hens exklusiv über das deutsche Team: "Das ist Pflicht"

Quelle: Eurosport

Knorr Blüht im Verein und iM DHB-TEAM auf

Dass Knorrs Stärke mit dem rasanten Aufstieg von Uscins zusammenhängt, ist kein Zufall. Knorrs Spielweise wurde bei manchen Turnieren schon durchaus kritisch betrachtet. Zu kopflos, zu inkonstant lauteten die Vorwürfe. Bei Olympia 2024 in Paris spielte Knorr Weltklasse - auch weil die Torgefahr von Uscins und auch Julian Köster dafür sorgt, dass nicht mehr alles an ihm hängt.
Es tut dem 24-Jährigen gut, wenn er das Angriffsspiel seiner Mannschaft nicht über 60 Minuten komplett alleine tragen muss. Knorrs Leistungssteigerung in dieser Saison bei den Rhein-Neckar Löwen liegt auch darin begründet, dass dort mit Ivan Martinovic nun ein Weltklasse-Spieler im rechten Rückraum spielt. Das eröffnet Räume und nimmt Druck.
Man sieht also seit einem Jahr einen Weltklasse-Knorr, der mit Uscins und Köster sehr gut harmoniert. Ein Ausfall würde dieses Trio auseinanderreißen. Luca Witzke spielte gegen Polen zwar ebenfalls stark, will Deutschland wie bei Olympia in Paris wieder nach einer Medaille oder gar dem Titel greifen, braucht es Juri Knorr.
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Hens über die WM-Favoriten: Das sind die Titelkandidaten

Quelle: Eurosport


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