Karate ist zum ersten Mal olympisch - und hat gleich seinen ersten Skandal.
Noah Bitsch wirft seinen Gegnern nach seinem Vorrunden-Aus Manipulation vor. Als der Traum von der Karate-Medaille bei der Olympia-Premiere geplatzt war, erhob Noah Bitsch schwere Vorwürfe.
"Fairplay gehört eigentlich zu Olympia. Das war nicht olympiareif, was sie gebracht haben", sagte der EM-Dritte nach seinem Vorrunden-Aus beim Kumite in Japans Kampfsporttempel Nippon Budokan. Gemeint waren seine Gegner, die ihm mit ihrem letzten Kampf den Halbfinaleinzug verwehrten.
Olympia - Karate
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06/08/2021 AM 05:04
Der zweimalige Weltmeister Rafael Aghajew aus Aserbaidschan, der zuvor dreimal gewonnen und bereits weiter war, verlor 1:3 gegen Vizeweltmeister Luigi Busa. Damit zog Busa im Pool B der Klasse bis 75 kg noch an Bitsch vorbei unter die letzten Vier und zugleich zu einer Medaille. Im Finale gegen Aghajew krönte sich der Italiener sogar noch zum Olympiasieger.
"Wer die beiden kennt, weiß, dass dieser Kampf fingiert war. Er hat ihn gewinnen lassen, damit beide weiterkommen", sagte Bundestrainer Thomas Nitschmann: "Sie sind auch Freunde, sie haben schon viel zusammen getan." Dass der letzte Kampf in einer Vorrundengruppe taktisch geführt werde, sei bekannt, "in dem Fall war es wirklich abgesprochen."
Bitsch hatte sein letztes Duell gegen den Australier Australier Tsuneari Yahiro klar mit 8:3 gewonnen. Wenn Busa anschließend verloren hätte, hätten beide vier Punkte gehabt, die höhere Zahl der Positivpunkte in den einzelnen Kämpfen hätte zugunsten des Deutschen entschieden.

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"Die zwei Topfavoriten auf den Titel haben mir am Ende leider ein Schnippchen geschlagen", sagte der 31-Jährige aus Waltershausen und ärgerte sich, nicht vorher selbst für klare Verhältnisse gesorgt zu haben. Gegen den Italiener hatte Bitsch erst durch einen Treffer nach Videobeweis acht Sekunden vor Schluss verloren. "Natürlich ist es tragisch, aber Noah hatte es in der Hand, gegen Luigi zu gewinnen", meinte Nitschmann.
Schon nach der Auslosung hatte das deutsche Lager mit dieser Konstellation gerechnet. "Der Matchplan war, dass sie nichts kungeln und sich nicht die Punkte selber zuschießen können", berichtete der Bundestrainer.
Nach dem knappen Aus erklärte Bitsch, der vor acht Wochen bei der Olympia-Qualifikation noch eine Knieverletzung erlitten hatte, seinen Rücktritt: "Das war mein letzter Wettkampf, hiermit beende ich meine Karriere." Der WM-Dritte von 2014 hatte gegen den Kasachen Nurkanat Aschikanow gewonnen und gegen Aghajew verloren.
"Heute war ich sehr nah dran, trotz Knieverletzung", sagte Bitsch: "Ich bin einfach nur glücklich über meine Leistung. Was will ich mehr? Ich hab's mir selbst bewiesen, ich hab's allen anderen bewiesen. Eine Medaille ist nicht alles im Leben."
Karate ist in Tokio erstmals im olympischen Programm - und vorerst auch zum letzten Mal, in Paris 2024 ist die japanische Kampfkunst schon nicht mehr dabei. Dass ein Skandal um einen vermeintlich abgesprochenen Kampf der Sportart beim Intermezzo auf der ganz großen Bühne schadet, steht für Bitsch außer Frage: "In meinen Augen ist es schlecht."
(SID)
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