Olympia 2016 - Sophie Scheder nach Olympia-Bronze im Gefühlschaos

Sophie Scheder weinte vor Glück, doch als die Sensations-Dritte ihre schluchzende Freundin erblickte, war die Freude über den eigenen Bronze-Coup im Nu verflogen. "Das ist doch scheiße! Jetzt ist Elli Vierte", sagte die Turnerin nach dem teaminternen Finalkrimi am Stufenbarren: "Ich werde sie umarmen, drücken und tun, was nur geht. Aber es ist verdammt schwierig, da die richtigen Worte zu finden."

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Weil Scheder bei den Olympischen Spielen in Rio den Wettkampf ihres Lebens zeigte und am Sonntag völlig überraschend Bronze gewann, ging die vermeintliche Medaillenfavoritin Seitz leer aus. Mickrige 0,033 Pünktchen trennten die beiden besten deutschen Kunstturnerinnen - aber die Tränen einten sie. "Ich hätte es ihr auch gewünscht", sagte Scheder mit zittriger Stimme, und die geschlagene Seitz meinte fast zeitgleich: "Ich freue mich natürlich für Sophie."
Wahrscheinlich hätten nur zwei dritte Plätze Scheders Gefühlschaos aufgeräumt und die am Boden zerstörte Seitz getröstet. Dass es auf einen deutschen Zweikampf um eine Medaille hinauslaufen würde, hatte sich jedoch angedeutet - nicht erst, als im Finale zwei der ganz heißen Favoritinnen auf Edelmetall vom Gerät absteigen mussten.

Scheder schon deutsche Meisterin

Erst Ende Juni hatte die 19-jährige Scheder die drei Jahre ältere Seitz als deutsche Meisterin im Mehrkampf entthront. Seitz schnappte der Teamkollegin wiederum am Paradegrät den Titel weg. "Das sind beides Frauen voller Selbstvertrauen und Energie. Dass nun eine leer ausgeht, ist traurig. Aber so ist Olympia nunmal", sagte Bundestrainerin Ulla Koch.
Beide Schützlinge hätten sich "hart vorbereitet", versicherte Koch, die Stuttgarterin Seitz vielleicht noch einen Tick härter. Während Scheder (Chemnitz) am Tag vor dem großen Moment noch mit den Eltern durchs Olympische Dorf schlenderte, ging Seitz alleine in die Trainingshalle. "Jetzt fragt man sich: Warum eigentlich?", stammelte Seitz 24 Stunden später. Der Grund dafür baumelte wenige Meter entfernt - um Scheders Hals.

Großes Lob von Seitz

Und das wertvolle "Schmuckstück", immer wieder von der Besitzerin liebevoll befühlt, machte aus der zuweilen schüchternen Scheder fast einen neuen Menschen. "Jetzt kann ich behaupten, dass ich Weltklasse bin", sagte sie: "Ich habe es allen gezeigt, die nicht an mich geglaubt haben."
Eine, die immer an sie glaubte, ist ausgerechnet Seitz. Die Teamkollegin war eine der ersten, die Scheder zu ihrem Coup gratulierten - ihre eigene Enttäuschung verdrängte sie tapfer. "Sie turnt toll", sagte Seitz, "und sie ist eine tolle Person."
Scheder bewies das abermals, als sie zu später Stunde nach dem Grund für den überraschenden Erfolg gefragt wurde. "Das ist meine Trainerin", sagte sie da wie aus der Pistole geschossen. "Ich werde ihr die Medaille auch umhängen. Weil sie genauso dafür gearbeitet hat wie ich, und ich ja eigentlich immer erst an die anderen denke."
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