Leichtathletik

Fall Caster Semenya: Mann oder Frau? Das sagen die neuen Leichtathletik-Regeln

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Caster Semenya

Fotocredit: Getty Images

VonVictoria Kunzmann
27/05/2019 Am 10:38 | Update 27/05/2019 Am 13:38

Caster Semenya darf ihre Paradestrecke über 800 Meter nicht mehr laufen. Es sei denn, sie nimmt Medikamente, die ihren Testosteronspiegel senken. Das Hormon, das bei ihr stärker vorhanden ist als bei anderen Frauen, bringe ihr einen Vorteil gegenüber anderen Athletinnen, meint der Internationale Leichtathletikverband (IAAF). Doch was definiert eine Frau nach den neuen Regeln der Leichtathletik?

Doppel-Olympiasiegerin Caster Semenya darf ihre Parade-Strecke über 800 Meter bei internationalen Wettbewerben künftig nicht mehr laufen: Es sei denn, sie nimmt Medikamente, die ihren Testosteronspiegel senken. Ihr Einspruch gegen eine Testosteron-Obergrenze wurde vor einigen Wochen vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) abgelehnt.

Im Prozess ging es essentiell darum, wie Chancengleichheit im Frauensport herstellbar sein könnte - und damit die zentrale Frage: Was macht eine Frau zur Frau - insbesondere im Sport?

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Semenya: Wann ist eine Frau im Sport eine Frau?

Mittelstreckenläuferin Semenya, die drei Weltmeistertitel über 800 Meter gewann, ist seit vielen Jahren im internationalen Damen-Starterfeld umstritten. Bereits 2009 gab es Gerüchte, die Südafrikanerin sei intersexuell. Es sei also nicht eindeutig, ob sie dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zuzuordnen ist. Als Gründe wurden u.a. ihre tiefe Stimme und das maskuline Aussehen genannt.

Tatsächlich hat Semenya einen höheren Testosteronspiegel als andere Frauen. Das lässt sie mitunter bessere Leistungen erbringen als viele ihrer sportlichen Gegnerinnen. Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) hatte daraufhin entschieden, dass Frauen einen Testosteronwert von fünf Nanomol pro Liter Blut nicht überschreiten dürfen, um bei internationalen Wettbewerben zu starten.

Semenya empfand diese Entscheidung als diskriminierend und klagte vor dem CAS. Dieser urteilte am 1. Mai, die Entscheidung sei zwar diskriminierend, allerdings auch "notwendig, angemessen und verhältnismäßig", um die "Integrität der Frauen-Leichtathletik zu schützen". Sprich: Die Testosteron-Werte bestimmen, wer bei Frauen-Wettbewerben starten darf.

CAS-Urteil beinhaltet nur bestimmte Distanzen

Der internationale Leichtathletik-Verband schreibt, dass laut einer wissenschaftlichen Studie leistungssteigernde Vorteile aufgrund von erhöhten Testosteronmengen vor allem bei Distanzen von 400 Metern bis zu einer Meile Wirkung zeigen.

Aus diesem Grund sind bislang auch nur jene Distanzen von den neuen Regeln betroffen. Der CAS bat zwar die IAAF, die Distanzen über 1500 Meter und einer Meile auszunehmen, das schloss der Leichtathletik-Verband jedoch aus. Die IAAF überprüft allerdings, ob künftig auch andere Wettbewerbe in das Urteil miteinbezogen werden.

"Fall Semenya": Erneute Kritik an Testosteron-Regel

Fotocredit: SID

Frage zwischen Wissenschaft und Ethik: Wer ist im Sport eine Frau?

Dem Urteil des CAS zufolge bestimmt die wissenschaftliche Definition dessen, was eine Frau ist, darüber, wer bei den Frauen starten darf. Die Wissenschaft orientiert sich dabei an den Testosteronwerten, kümmert sich allerdings in erster Linie nicht um ethische Fragen.

Semenya jedenfalls will weiterkämpfen, um in Zukunft wieder ohne den Einfluss von Medikamenten, die ihren Hormonhaushalt beeinflussen, starten zu können.

Beim Diamond-League-Meeting Ende Juni in Stanford verzichtet die 28-Jährige aber erst einmal auf einen Start über ihre Spezialstrecke und wechselt auf die 3000m. Dort darf Semenya auch mit höheren Testosteronwerten starten.

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