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Leichtathletik-EM in Berlin: Große Begeisterung mit Verfallsdatum
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Publiziert 13/08/2018 um 14:29 GMT+2 Uhr
Gina Lückenkemper wollte gar nicht mehr weg aus diesem Olympiastadion. "Es ist so unglaublich cool, hier zu laufen. Auf dieser Bahn, in dieser Atmosphäre", sagte die strahlende Senkrechtstarterin nach ihrer Bronze-Medaille mit der Sprintstaffel. In den Jubel über das letzte deutsche Edelmetall einer rauschenden Leichtathletik-EM in Berlin mischte sich aber Wehmut.
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Denn so fantastisch sich die olympische Kernsportart in der Hauptstadt präsentierte, so nebensächlich wird sie in der Sportlandschaft Deutschlands schnell wieder werden.
"Was wir hier in Berlin erleben durften, hat dazu geführt, dass man gerne mehr davon sehen würde", sagte Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Und näherte sich damit aber schon dem zentralen Problem an: Es wird nicht mehr davon geben. Zumindest nicht zeitnah und zumindest nicht prominent präsentiert.
Die Berliner After-Show-Party mit dem ISTAF und dem endgültigen Abschied Robert Hartings am 2. September wird noch vom EM-Rausch profitieren und viele Menschen erreichen. Danach dürfte es um die hierzulande traditionsreiche Leichtathletik in Sachen Reichweiten-Dominanz wieder geschehen sein, König Fußball dürfte mitleidig lächelnd seinen Thron einnehmen.
Aufmerksamkeit nur bei heimischen Großereignissen
Kessing hatte sein Präsidentenamt mit dem Bestreben angetreten, "die Leichtathletik wieder zu dem Stellenwert zu führen, den sie vor zehn, zwanzig Jahren in Deutschland hatte". Nun ließ sich ihr Stellenwert aber schon damals dadurch charakterisieren, dass er vor allem zu heimischen Großereignissen durch die Decke schoss, ansonsten aber auch oft auf bescheidenem Niveau dümpelte.
Die Europameisterschaften 1986 in Stuttgart und 2002 in München, die Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart und 2009 in Berlin - große Partys in großen Abständen. Dazwischen brauchte es Großereignisse wie Olympia und internationale Meisterschaften - auch außerhalb Deutschlands - um die Leichtathletik wieder ins nationale Bewusstsein zu hieven.
Ungemütliche TV-Zeiten in Doha und Tokio
Der Expansionsdrang des Weltverbandes IAAF ist dabei nicht hilfreich, die Sportart nachhaltig dem europäischen Kernmarkt zugängig zu machen. Die Weltmeisterschaften im Herbst (!) 2019 in Doha/Katar versprechen ein groteskes Schauspiel zu werden mit Marathonläufen und Geher-Wettbewerben zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens. Ortszeit, versteht sich. Feststimmung Berliner Art wird dort kaum aufkommen.
Auch Olympia 2020 in Tokio bietet ungemütliche TV-Zeiten, die unmittelbar daran anschließende (!) EM in Paris als Nachfolgeveranstaltung der Berliner Titelkämpfe hat Farce-Potenzial. Die Diamond League als Premiumprodukt der IAAF ist hierzulande in den Tiefen der Spartensender und Livestreams versteckt. Berlin war etwas für die breite Masse, die nahe Zukunft ist etwas für Enthusiasten.
Leichtathletik-Familie mit Potenzial für mehr
Dabei wäre es der Leichtathletik sehr zu wünschen, im Rampenlicht zu bleiben, denn in Berlin hinterließ sie einen phänomenalen Eindruck. Dies galt für das deutsche Team, das aus Sportlern mit so vielfältigen Biografien und Hintergründen bestand und dennoch einen so homogenen Eindruck hinterließ - eine in Zeiten heutiger politischer Debatten nicht hoch genug zu bewertende Erscheinung. "Wir Deutschen haben hier gerockt", sagte Mateusz Przybylko, Hochsprung-Europameister mit polnischen Wurzeln.
Und das galt auch für den gesamten Umgang untereinander: Wer miterlebte, wie die Zehnkämpfer einander beistanden, wer sah, wie die Stabhochspringer mitten im Wettkampf mit dem 18-jährigen Schweden Armand Duplantis feierten, voller ehrlicher Mitfreude, als dieser immer höher flog, der wähnte sich als Zeuge von etwas Großem. Und das hätte wirklich Nachhaltigkeit verdient.
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