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Semenya siegt und teilt aus: "Sie reden weiter, ich gewinne weiter"

Semenya siegt und teilt aus: "Sie reden weiter, ich gewinne weiter"
Von Eurosport

12/06/2019 um 14:08Aktualisiert 12/06/2019 um 14:47

Caster Semenya ist in Paris erstmals seit ihrem Teilerfolg im Testosteron-Streit an den Start gegangen und hat gleich mal die 2000 Meter gewonnen. Nach dem Triumph über die ungewohnten 2000 Meter äußerte sich die Olympiasiegerin trotzig. "Sie reden weiter, ich gewinne weiter. Ist das nicht schön?", schrieb die Südafrikanerin auf Twitter.

Während auf juristischer Ebene unverändert über die umstrittene "Testosteron-Regel" diskutiert wird, könnte Semenyas Trotz gegenüber dem mächtigen Leichtathletik-Weltverband IAAF nicht größer sein.

"Ich kann an jedem Wettkampf teilnehmen. Egal, ob 100 m oder 200 m. Egal, ob Weitsprung oder Siebenkampf. Ich bin talentiert, deshalb mache ich mir keine Sorgen", sagte die 28-Jährige nach ihrem 2000-m-Sieg im französischen Montreuil am Dienstagabend voller Ironie. "Auch wenn ich mich von den 800 m zurückziehen muss, ist es egal. Ich habe alles gewonnen, was ich mir erhofft habe. Wenn ich den Wettbewerb wechseln muss, okay, warum nicht?"

Das Rennen im Vorort von Paris war der erste Auftritt seit ihrem Teilerfolg im Testosteron-Streit. Die meistdiskutierte Leichtathletin der Welt setzte sich über fünf Stadionrunden vor dem äthiopischen Duo Hawi Feysa und Adanech Anbesa in 5:38,19 Minuten durch. Theoretisch hätte sie auch auf ihrer Lieblingsdistanz über 800 m antreten können, doch Semenya blieb bei der längeren Strecke.

Video - 2000 Meter in Paris: Semenyas erster Sieg nach dem CAS-Urteil

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Semenya bleibt ihrem Plan treu

Das Schweizer Bundesgericht hatte die umstrittene Testosteron-Regel der IAAF Anfang des Monats zunächst bis zum 25. Juni ausgesetzt. "Ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Ich verändere mich nicht wegen anderer Menschen. Für diesen Monat ist es der Plan, die 2000 m und 3000 m zu laufen. Das ist der Plan, und den werde ich nicht ändern", sagte Semenya.

Am 25. Juni wird das Gericht - die letzte Instanz - entscheiden, ob die zum 8. Mai eingeführte Regel wieder in Kraft tritt oder weiterhin ausgesetzt bleibt. Sollten die Richter nicht der Sicht der IAAF folgen, gilt es als wahrscheinlich, dass Semenya auch bei der WM in Katar (27. September bis 6. Oktober) über 800 m starten darf - und zwar ohne ihren Testosteronwert mit Medikamenten senken zu müssen.

Semenya hatte Ende Mai vor dem Schweizer Bundesgericht Einspruch gegen ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS eingelegt, wonach Athletinnen mit intersexuellen Anlagen über bestimmte Strecken (400 m bis eine Meile) einen Grenzwert von fünf Nanomol pro Liter für körpereigenes Testosteron einhalten müssen. Damit soll ein Wettbewerbsvorteil verhindert werden. Der CAS hatte entschieden, dass die Regel zwar "diskriminierend", aber auch "notwendig" sei, um einen fairen Wettbewerb zu garantieren.

Semenya wehrt sich entschieden gegen eine Therapie, mit der ihre Werte gesenkt werden könnten. Das unterstrich sie am Dienstagabend erneut: "Ich bin doch kein Idiot, wieso sollte ich Medikamente nehmen? Ich bin eine saubere Athletin, ich betrüge nicht", schimpfte die dreimalige Weltmeisterin und richtete eine klare Ansage an die IAAF: "Sie sollten sich auf Doping konzentrieren, nicht auf uns."

(SID)

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