Malaika Mihambo schloss die Augen, wieder einmal hing ihr eine Goldmedaille um den Hals, sie lächelte. Als für die Weitsprung-Königin die Nationalhymne erklang, war Mihambo ganz bei sich, genoss den Moment. Titel verteidigt, es sich selbst bewiesen, Mission erfüllt. Und ganz nebenbei rettete Mihambo dem deutschen Team auch noch die desaströse WM-Bilanz - zumindest ein bisschen.
"Die Freude ist unermesslich", sagte Mihambo nach ihrem nervenaufreibenden Gold-Coup. Aber auf Party hatte die 28-Jährige trotzdem keine Lust, wenn in drei Wochen in München die Heim-EM angepfiffen wird, will sie ja schon wieder das nächste Gold holen.
"Ich gehe jetzt lieber zum Physio", sagte die alte und neue Weltmeisterin, die mit 7,12 m vor Ese Brume aus Nigeria (7,02) wie vor drei Jahren in Doha zu WM-Gold gesprungen war: "Es steht ja noch die Europameisterschaft bevor. So lange Arbeit zu tun ist, kann ich die Füße stillhalten."
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Und wenn es wirklich darauf ankommt, kann Mihambo ja explodieren wie keine Zweite. Alles sah schon nach einem Drama aus, als Mihambo nach zwei ungültigen Versuchen das frühe Aus drohte - und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) damit das WM-Ende mit nur einer Medaille, dem Bronze-Erfolg der Sprintstaffel.

Mihambo widersteht dem Druck

Doch sie hielt dem Druck stand. "Es ist schwer genug, Weltmeisterin zu werden", sagte Mihambo: "Den Titel erfolgreich zu verteidigen, ist aber das, was es zu etwas ganz Besonderem macht - das ist die Königinnen-Disziplin."
Europameisterin 2018, Weltmeisterin 2019, Olympiasiegerin von Tokio - und in Eugene zeigte Mihambo nun erneut, warum sie die unumstrittene Königin ist. "Nach dem zweiten Versuch konnte ich es nicht fassen, dass der schon wieder ungültig war", sagte die 28-Jährige, die auch durch Meditation zu ihrer unglaublichen inneren Stärke gefunden hat: "Das beunruhigt dann natürlich schon und setzt einen unter Druck. Ich habe in meiner Karriere aber schon viel Selbstvertrauen gewonnen, weil ich schon oft in solchen Situationen war."
Mit ihrem Trainer Uli Knapp tüftelte sie an der Bande eine neue Anlauftaktik aus, kam trotz eines Sicherheitssprungs im dritten Durchgang auf 6,98 - Platz zwei. In Durchgang vier übernahm Mihambo mit 7,09 m die Spitze und setzte in der finalen Runde noch das Sahnehäubchen auf die WM-Torte - und war damit noch unzufrieden. "Ich wäre gerne noch etwas weiter gesprungen", sagte sie.

Historisch schlechte WM

Weiter, immer weiter - auch für Mihambo gilt das alte Oliver-Kahn-Motto. "Ich will das Beste aus dem Wettkampf und aus mir herausholen", sagte sie. Was Mihambo gelang, schaffte sonst aber kaum jemand aus dem DLV-Team bei dieser historisch schlechten Krisen-WM. Zwei Medaillen für Deutschland, noch nie waren es so wenige.
"Die Situation kann man nicht schönreden. Wir haben nicht allzu viele Medaillenkandidaten", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing und versicherte, dass "wir mit Hochdruck daran arbeiten, das abzustellen".
Der Sieg von Mihambo, sagte Kessing, "hübscht die Bilanz ein wenig auf, löst aber das Problem nicht". Auch eine erfolgreiche EM würde das schlechte Abschneiden in Eugene nicht relativieren. "Der Vergleich mit der Weltspitze ist das eigentliche Ziel", sagte Chefbundestrainerin Annett Stein. Doch im Moment glänzt nur Mihambo.
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(SID)

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