Leichtathletik-WM 2025 - Geher Jonathan Hilbert spricht über Depressionen und Suizidgedanken: "War dem Tod sehr nahe"

Jonathan Hilbert stand nach 35 Kilometern Gehen in Tokio mit Tränen in den Augen im Bauch des Olympiastadions - erschöpft, aber sichtbar erleichtert. Für den 30-jährigen Leipziger, der 2021 Olympia-Silber über 50 Kilometer gewann, fühlte sich die Rückkehr auf die große Bühne wie ein persönlicher Sieg an: Ein Sieg über die dunklen Monate, die ihm einst den Lebensmut nahmen.

Jonathan Hilbert spricht über Depressionen und Suizidgedanken

Fotocredit: Getty Images

"Es sind Tränen der Erleichterung. Das ist keine Selbstverständlichkeit für mich. Die letzten drei Jahre waren unglaublich dunkel und schwierig und alles andere als leicht. Ich war dem Tod sehr nahe", sagte Hilbert im Interview im Nationalstadion. Außerdem betonte er: "Hierherzukommen nach drei Jahren Depressionen, nach Suizidgedanken - es war mein erster großer Schritt wieder in die richtige Richtung."
Trotz des 16. Platzes in 2:36:47 Stunden rückte das Ergebnis für ihn in den Hintergrund. Bei der Leichtathletik-WM "dabei gewesen zu sein, war keine Selbstverständlichkeit für mich, das war alles andere als leicht. Ich bin einfach froh, mich heute psychisch in einem so stabilen Zustand präsentiert zu haben", erklärte Hilbert.
Der Weg zurück war kein geradliniger. Nach dem Karrierehöhepunkt in Tokio 2021, als er die Silbermedaille gewann und diese seiner Freundin Anna widmete, folgten die mentalen Probleme. Mit der Streichung seiner vermeintlich besten Disziplin - den 50 Kilometern - aus dem olympischen Programm und die Umstellung auf die neue 35-Kilometer-Strecke hatte der Deutsche ebenfalls zu kämpfen.
"Am Ende des Tages denkst du dann: Ich bin kein guter Sportler, ich bin kein guter Mensch, ich bin eigentlich minderwertig, ich war vielleicht ein One-Hit-Wonder", berichtete Hilbert offen.

"Eingestanden, dass ich professionelle Hilfe brauche"

In besonders schweren Phasen habe er "komplett den Lebenswillen, die Lebenskraft verloren". Hilbert beschreibt Tage, an denen er kaum von der Couch kam. Als seine Freundin, die als Lehrerin arbeitet, am frühen Nachmittag von der Schule gekommen sei, habe er manchmal nur auf der Couch gelegen, hatte noch nicht einmal was gegessen und habe "einfach nur an die Decke gestarrt."
Wichtig sei gewesen, dass er Hilfe in Anspruch nahm: "Es war extrem entscheidend, dass ich mir eingestanden habe, dass ich professionelle Hilfe brauche."
Therapie, ein Wohnortwechsel nach Leipzig, der Umzug zu seiner Freundin und der Wechsel des Trainers gehören zu den Maßnahmen, mit denen Hilbert sein Leben neu ordnete. Bei seinem emotionalen Interview in Tokio sagte er zudem: "Hier schließt sich ein Kreis und ich kann Frieden schließen und positiv in die Zukunft schauen."

Hilbert betont: "Es lohnt sich zu kämpfen"

Die persönliche Unterstützung von Familie, Freundin, Sponsor und Kollegen spielte für Hilbert eine zentrale Rolle: "Ohne all diese Menschen hätte ich das nicht geschafft", betonte er.
Zudem sendete Hilbert eine Message: "Ich kann jedem, der mit Depression zu kämpfen hat, einfach nur sagen: Es lohnt sich zu kämpfen, es lohnt sich, dranzubleiben, es lohnt sich, diese tiefen Täler zu durchschreiten. Wenn ich das schaffe, dann schaffen das auch andere. Das Leben ist es wert."
Sportlich peilt Hilbert die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles an.
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Quelle: Eurosport


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