Olympia 2024 in Paris - Malaika Mihambo exklusiv über ihr Erfolgsgeheimnis: "So wachse ich über mich hinaus"

Malaika Mihambo ist das Aushängeschild der deutschen Leichtathletik und die größte Gold-Hoffnung des DLV bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Im Exklusiv-Interview mit Eurosport erklärt die Titelverteidigerin, wie sie mit ihrer Rolle als Star umgeht und wie es ihr gelingt, in den entscheidenden Momenten über sich hinauszuwachsen. Mihambo verrät zudem, was sie mit dem Turmspringen verbindet.

Triumph nach Thriller: Hier fliegt Mihambo zum Olympiasieg

Quelle: Eurosport

Tokio am 3. August 2021. Letzter Versuch für Malaika Mihambo, die im Olympia-Finale auf Rang drei liegt. Und dann? 7,00 Meter! Gold.
Es sind Momente wie dieser, die Deutschlands beste Weitspringerin auszeichnen. Absolute Weltklasseleistungen unter maximalem Druck.
Mit Zufall oder Glück hat diese Qualität wenig zu tun. "Das ist kein naturgegebenes Talent, sondern ein Thema, mit dem ich mich regelmäßig beschäftige, teilweise täglich, manchmal wochenweise", sagt Mihambo im Vorfeld von Olympia in Paris im Gespräch mit Eurosport-Reporter Matthias Sandten.
Ihre Strategie und ihr Talent haben die 30-Jährige weit gebracht. Neben dem Olympiasieg war Mihambo zweimal Weltmeisterin (2019, 2022) und zweimal Europameisterin (2018, 2024), ihre persönliche Bestweite steht bei 7,30 Meter. Die diesjährige Jahresweltbestenliste führt die Heidelbergerin mit 7,22 m an.
Frau Mihambo, Sie gelten als Deutschlands Topleichtathletin, als Star der Szene. Eine Rolle, die Sie mögen?
Malaika Mihambo: Ich freue mich über die Anerkennung und Freude der Menschen, auch über die Unterstützung. Gleichzeitig versuche ich, mich nicht davon abhängig zu machen. Es ist schön, wie es ist, aber ich fühle mich auch abseits des Rummels und der Aufmerksamkeit sehr gut.
Bedeutet die breite Unterstützung dennoch eine zusätzliche Motivation?
Mihambo: Nein. Für mich geht es viel um die intrinsische Motivation. Wie kann ich noch weiter springen, was kann ich tun? Jeder Wettkampf ist für mich gleichzeitig eine innere Meisterschaft. Es geht darum, resilienter zu werden, zu schauen, was ich auf dem Weg gelernt habe, um mit schwierigen Situationen besser umgehen zu können - und letztlich erfolgreicher zu werden.
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Mihambo im Olympia-Interview: Der Weitsprungstar über Ziele & Pläne

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In Paris starten Sie als amtierende Olympiasiegerin. Worin liegt im Wettkampf das höchste Risiko, die größte Gefahr?
MiIhambo: Es sind die äußeren Bedingungen. Wie ist das Wetter, was ist mit dem Wind? Kommt er in Böen, hat man Gegenwind? Das macht es schwieriger, einen konstanten Anlauf zu finden und weit zu springen. Wenn es wiederum kalt ist, sind die Muskeln nicht so leistungsfähig. Grundvoraussetzung ist aber das richtige Training vor den Olympischen Spielen und genug Zeit zur Entspannung, sodass man in die sogenannte Superkompensation kommt. Am Wettkampftag wird dann der mentale Aspekt maßgeblich. Wie fühlt man sich, wie stabil ist man, wie ist der Umgang mit Nervosität und Druck? Das sind die Stellschrauben, die über Sieg, Niederlage oder persönliche Bestleistungen entscheiden.
Es fühlte sich wie eine Glückslotterie an, ob ich einen guten Sprung oder Wettkampf mache. Das Potenzial war da, aber ich konnte es nicht in den Wettbewerben abrufen.
Einige Athletinnen und Athleten wachsen in großen Wettkämpfen förmlich über sich hinaus. Ist das eine Fähigkeit, die Sie auch sich selbst zuschreiben würden?
Mihambo: Ja, ich bin jemand, der das kann und wachse immer wieder über mich hinaus. Das Tokio-Jahr (2021, Anm. d. Red.) war sehr schwer, ich hatte keinen konstanten Anlauf und keine konstante Technik. Es fühlte sich wie eine Glückslotterie an, ob ich einen guten Sprung oder Wettkampf mache. Das Potenzial war da, aber ich konnte es nicht in den Wettbewerben abrufen. Bei Olympia in Tokio im Finale ist es mir aber gelungen, weil ich über mich hinausgewachsen bin. Das war schon 2016 in Rio de Janeiro so. Da wurde ich mit einer persönlichen Bestweite 6,95 m, die in anderen Jahren für eine Medaille gereicht hätte, Vierte. Das war so ein Moment.
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Nach Sieben-Meter-Sprung ins Glück: Mihambo erhält Goldmedaille

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Woher kommt diese Stärke?
Mihambo: Das ist kein naturgegebenes Talent, sondern ein Thema, mit dem ich mich regelmäßig beschäftige, teilweise täglich, manchmal wochenweise. Ich praktiziere Meditation, weil mir das hilft, den Fokus zu setzen, zur inneren Mitte zurückzukehren. Gleichzeitig schärft dies meinen Verstand und meine Beobachtungsgabe. Dazu kommt die Selbstreflexion. Ich schaue mir meine Themen an, ergründe, wo vielleicht unterliegende Ängste sind. Das kann Druck und Erfolgsangst sein, genauso aber die Angst vor dem Erfolg. Das sind Sachen, die im Unterbewusstsein aktiv sein, dich behindern und dafür sorgen können, dass du dein Potenzial nicht entfalten kannst. Dadurch, dass ich mich damit immer wieder auseinandersetze, kann ich die Dinge steuern und über mich hinauswachsen. So gelingt es mir in Drucksituationen das abzurufen, wofür ich an den Start gegangen bin.
Man muss überall 100 Prozent geben. In diesem Zusammenspiel ist es aber enorm wichtig, dass man auf seine Grenzen achtet und nicht darüber geht.
Inwiefern unterscheidet sich die Vorbereitung auf Olympische Spiele von jener auf andere Höhepunkte, wie etwa die Europameisterschaften, wo sie im Juni Gold gewonnen haben?
Mihambo: Generell gibt es da keinen Unterschied, aber in einem Jahr wie diesem, wo zwei Höhepunkte anstehen, liegt der Fokus auf dem absoluten Highlight. Das ist Paris. Es war von vorneherein klar, dass die EM nur der zweitwichtigste Wettkampf der Saison ist. Wir setzen daher die Trainingsmittel, die es braucht, um die Form auszureizen, erst ein, wenn es auf Paris zugeht. Bedeutet: Dann stellen wir die Schwerpunkte auf maximale Geschwindigkeit, maximale Schnellkraft, maximale Kraft. Es freut mich aber, dass die Form bei der EM in Rom schon gut war - mit dem Potenzial, daran bis Paris zu feilen.
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Mihambo trumpft auf: Topweite nach schwachem Auftakt

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Welchen Rat würden Sie jüngeren Sportlerinnen und Sportlern im Hinblick auf das bestmögliche Training geben, um das Potenzial voll abrufen zu können?
Mihambo: Ein Punkt, weshalb ich so stark bin, liegt darin, dass ich jede Einheit ernst nehme. Das hängt nicht vom Inhalt ab und davon, ob er mir Spaß macht oder nicht. Denn jede Einheit trägt dazu bei, dass am Ende der Erfolg steht. Ich kann nicht nur 100 Prozent im Sprungtraining geben und ansonsten eine Art Egal-Haltung einnehmen. Das funktioniert nicht. Man muss überall 100 Prozent geben. In diesem Zusammenspiel ist es aber enorm wichtig, dass man auf seine Grenzen achtet und nicht darüber geht. Mein wichtigster Tipp an junge Athletinnen und Athleten wäre also: Habt Spaß und Freude am Sport, aber hört auf euren Körper. Man muss nicht immer noch mehr trainieren. Bei mir kommt es auch vor, dass ich mich nicht so gut fühle. Dann machen wir eben etwas weniger.
Nehmen wir an, Sie bekommen drei Tickets für Olympia in Paris geschenkt: Welche Wettkämpfe schauen Sie sich an?
Mihambo: Ich erinnere mich an Rio 2016. Ich war noch in Deutschland, als die Spiele in Brasilien bereits liefen. Da habe ich im Fernsehen viel Turmspringen angeschaut und fand das sehr interessant. Das ist eine Sportart, die ich sonst nicht so mitbekomme. Ansonsten sind ja über die Jahre immer wieder neue Sportarten hinzugekommen. Ich denke da ans Klettern, das würde ich mir gerne mal ansehen.
Vielleicht auch Breaking, das in Paris seine Premiere feiert?
Mihambo: Klar, warum denn nicht! Man muss sich einfach ein wenig Zeit nehmen für eine Sportart, um sich darauf einzulassen und zu verstehen, was eine gute Leistung ist. Irgendwann entwickelt man ein Auge dafür und es macht noch mehr Spaß, die Wettkämpfe zu verfolgen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Mihambo.
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Erlösung nach Zitterpartie: Grenzenloser Gold-Jubel bei Mihambo

Quelle: Eurosport


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