Olympia 2021 - Kristina Timanowskaja: "Der Trainer sagte mir, dass ich 40 Minuten habe"

Sprinterin Kristina Timanowskaja sollte auf Anordnung des belarussischen Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko von den Olympischen Spielen in Tokio zurück in ihre Heimat gebracht werden. Nachdem sie ihren Verband öffentlich kritisierte, durfte sie nicht mehr am 200-Meter-Sprint teilnehmen. "Der Trainer sagte mir, dass ich 40 Minuten habe um zum Flughafen zu fahren", sagte sie der "Bild".

Kristina Timanowskaja

Fotocredit: Imago

Anstatt des geplanten 200-m-Sprints sollte Timanowskaja in der Staffel über 4x400 Meter antreten, was der Belarussin nicht gefiel. Deshalb hatte Timanowskajas Trainer ihr gedroht.
"Ich wollte nicht nach Belarus, weil er mir schon am Abend gesagt hatte, dass ich Probleme bekommen könnte, wenn ich zurückkehre. Wenn ich die Anweisungen nicht befolge und den Staffellauf nicht mitlaufe, dann würden mich ernsthafte Probleme erwarten: die Entlassung aus dem Nationalteam, womöglich noch mehr", erzählte die Leichtathletin im "Bild"-Interview.
Als die 24-Jährigen dann ihren Verband und ihr Trainer-Team in einem mittlerweile gelöschten Instagram-Video kritisierte, sagte ihr Trainer, dass sie "40 Minuten habe, um ihre Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren."
In dem Moment wurde Timanowskaja bewusst, dass es um ihre Freiheit ging.
"Ich habe meine Verwandten zu Hause angerufen, meinen Mann und meine Großmutter", sagte die Sprinterin: "Ich habe sie gefragt, was ich tun soll und versucht, dabei so viel Zeit wie möglich zu schinden."

Mutige Timanowskaja wendet sich an Polizei

Auf dem Weg zum Flughafen habe sie dann die Entscheidung getroffen, sich an die Polizei zu wenden, sobald sie dort ankomme. Japanische Polizeibeamte brachten die Sportlerin in Sicherheit.
Die Nacht verbrachte Timanowskaja in einem Hotel, das nahe am Flughafen lag. Mittlerweile befindet sich Timanowskaja in der polnischen Botschaft in Tokio und plant am Mittwoch nach Warschau zu reisen.
"Das polnische Außenministerium hat schon Kontakt mit mir aufgenommen und auch der Leichtathletik-Verband hat mir Unterstützung zugesagt", sagte die 24-Jährige: "Ich hoffe sehr, dass ich in Polen in Sicherheit sein werde."

Außenminister Maas findet klare Worte

Auch an die deutsche Bundesregierung appelliert sie: "Alles, was man jetzt tun kann, ist, mir einen sicheren Flug nach Europa zu ermöglichen."
"Die Machthaber in Minsk haben mit der versuchten Verschleppung von Kristina Timanowskaja gezeigt, dass sie ihre eigenen Sportlerinnen und Sportler - und damit auch die olympischen Prinzipien - verachten", erklärte der deutsche Außenminister Heiko Maas gegenüber "der Rheinischen Post".

Timanowskaja: "Mich nie in die Politik eingemischt"

"Ich habe mich nie in die Politik eingemischt. Von Anfang an ging es mir nicht um Politik. Ich habe nur kritisiert, dass unsere Chef-Trainer über das Staffellauf-Team entschieden haben, ohne sich mit den Sportlern zu beraten", so die Olympionikin. "Dass das solche Ausmaße annehmen und zu einem politischen Skandal werden kann, hätte ich nie gedacht."
Wichtig sei ihr, bald wieder ihrer Liebe zur Leichtathletik auf der Laufbahn nachgehen zu können: "Ich würde sehr gerne meine sportliche Karriere fortsetzen. Wenn das in irgendeinem Land klappt, wäre das großartig, weil ich 24 Jahre alt bin und noch zu mindestens zwei Olympischen Spielen wollte."
An ein Ende ihrer Karriere aufgrund der politischen Debatte denkt Timanowskaja noch lange nicht.
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Quelle: Eurosport

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