Sigi-Heinrich-Blog: Was die Sportwelt 2017 bewegte

Zum Jahreswechsel beschäftigt sich Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich mit dem abgelaufenen Sportjahr. Subjektiv, spontan und seinen persönlichen Eingebungen folgend, tippt er seine Eindrücke in die Tastatur. Dass so mancher Buchstabe fehlt, sollte gelassen hingenommen werden. Der Phantasie des Lesers sind keine Grenzen gesetzt. Gerne darf ausgefüllt und ergänzt werden.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

A - Alt Tabea. Sie ist Weltcup-Gesamtsiegerin im Mehrkampf der Kunstturnerinnen geworden und hat dabei die Wettkämpfe in Stuttgart und London gewonnen. Die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Montreal am Schwebebalken kam hinzu. Wer noch mehr wissen will, geht direkt vor bis auf S, wo die nächste Überraschung wartet.
B - Becker Boris und Beckenbauer Franz. Dem einen flog sein Schuldenberg um die Ohren (BB), was ihn freilich kaum juckte, der andere (BF) hängt in den Fängen eines Sommermärchens fest und vergisst die kaiserliche Demontage am liebsten bei Bayernkoch Alfons Schubeck. Nach dem Motto: Nichts wird so heiß gekocht...
C - Citius, altius, fortius. Die Devise der Olympischen Spiele. Offiziell erstmals angewandt bei den Spielen 1924 in Paris. Bald ist es wieder so weit und wir sind nicht bloß dabei, sondern wirklich mittendrin.
D - Dahlmeier Laura. Hing nicht nur wieder am Seil im Sommer (diesmal in den Anden in Peru), sondern auch voller Medaillen in Hochfilzen. Eine Bergfex im permanenten Höhenrausch. Quasi Fräuleinwunder im Dirndl.
E - Eurosport. Mein Sender seit der Gründung 1989. Die erste Übertragung waren die Skirennen aus Val d'Isère. Hieß damals noch "Kriterium des ersten Schnees". Irgendwer hat geschrieben, es hört sich so an wie bei Harry Valerien. Das hat mich mächtig stolz gemacht und ich habe Harry ja später kennengelernt und viel von ihm gelernt. Irgendwann verselbständigt man sich dann. Ich bin jetzt seit 28 Jahren bei Eurosport. PyeongChang werden meine 13. Olympischen Spiele und bei allen habe ich die Eröffungs-und Schlussfeiern kommentiert. Und jetzt sind WIR mit Discovery wieder mit von der Partie. Ich liebe den Buchstaben E...
F - Ferstl Sepp. Bayerisch, praktisch, gut. Schon immer. "A wuida Hund". Draufgänger also. Der Papa, der Kitzbühel-Sieger. Der Sohn hat seine Gene. Nicht immer perfekt organisiert aber immer "volle Kanne". Ein Bauchskifahrer. Rein ins pralle Skivergnügen. Super-G-Sieg in Gröden. Wir fersteln wieder. Schön ist das.
G - Görges Julia. Ein großer Sieg bei einer kleinen Weltmeisterschaft und plötzlich die bestplatzierte deutsche Tennisspielerin in der Weltrangliste (14). Lob sogar von Steffi Graf. "Sie hat tolles Tennis gezeigt." Aber gab es da nicht eigentlich eine andere Spielerin? Wenn sie ungeduldig sind, schon wieder, dann rückten sie vor bis auf K.
H - Hermann Denis. Klar, ich bleib natürlich bei meiner angestammten Klientel hängen. Gebe ich zu. Sie bereichert die Biathlon-Szene in ihrem zweiten Jahr und schießt, als wäre sie vorher nicht Langläuferin gewesen, sondern Sportschützin. Vor allem, wenn der Wind nicht zu stark bläst, ist sie ein Volltreffer.
I - Italien. Trauert noch immer. Zumindest die Tifosi. Und wir mit ihnen, denn eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne den vierfachen Champion ist wie Spaghetti ohne frisch geriebenen Parmesan. Eigentlich ein Unding, weshalb ich dafür plädiere, nach mindestens drei Titeln ein automatisches Startrecht auszusprechen.
J - Jubel. Wird es hoffentlich häufig geben im "Deutschen Haus" in PyeongChang, wo wir unseren geschmeidigsten Reporter platziert haben. Fabian Hambüchen wird den Jubel aufspüren und die jubelnde Meute mit seiner Kamera gnadenlos verfolgen mit Salti und Schrauben und Scheren und Flanken und natürlich mit riesigen Riesenfelgen, denen niemand widerstehen kann.
K - Kerber Angelique. Ihr Bild, glücklich am Boden liegend nach dem Gewinn der Australian Open, hängt bei uns überdimensional in den Redaktionsräumen. Wir lassen es natürlich, wo es ist. Schließlich folgt der Sport oft auch klaren Gesetzen. Gipfelsturm, Absturz, erneuter Gipfelsturm. Wäre schön für die schöne Angelique.
L - Langeweile. Kommt schon wieder auf in der Fußball-Bundesliga, was nicht am FC Bayern liegt, sondern vor allem an Borussia Dortmund und allen anderen Klubs, die halt nicht Meister werden wollen, denn so toll treiben es die Münchner nun wirklich nicht.
M - Mutko Witali. Kein Sportler. Ein Funktionär. Putin-Spezl. Graue Eminenz der russischen Dopinggeschichte von Sotschi und bis vor kurzem noch Organisationschef der Fußball-WM in Russland. Gesperrt vom IOC auf Lebenszeit. Juckt ihn wohl nicht. Als könne man auch aus dem Hintergrund heraus nicht genauso perfekt die Fäden ziehen.
N - Neureuther Felix. Sein Kreuzbandriss weckte scheinbar die Lebensgeister seiner Kollegen. Plötzlich tauchen die Zebras wieder deutlich sichtbar in den Ergebnislisten auf und hoppeln nicht mehr hinterher auf den Skipisten dieser Welt. Sogar in der Abfahrt ist Germany wieder ein Qualitätssiegel. "So macht Kommentieren Spaß", sagt unser Experte Frank Wörndl. Na dann. Nicht nachlassen Frankie-Boy.
O - Oldtimer. Es werden auch die Olympischen Spiele der alten Haudegen werden. Ü30 sowieso aber auch Ü40 wird ein Renner werden. Angeführt von einer Dame übrigens: Claudia Pechstein. Während der Olympischen Spiele in Südkorea wird sie 46 Jahre. Es wird ihre siebte Teilnahme im Zeichen der Ringe sein. Vielleicht nicht die letzte.
P - PyeongChang. Ist ein Landkreis in der südkoreanischen Provinz Gangwon-do, wo in Kürze die Olympischen Winterspiele 2018 ausgetragen werden, was die 40.000 Einwohner dieser Region indes noch nicht sonderlich interessiert, denn die haben einfach schlicht Alltagssorgen, weil PyeongChang eine der ärmsten Regionen Südkoreas ist. Und die Olympischen Spiele werden das jetzt nicht und wohl auch nicht hinterher ändern.
Q - schnell weiter
R - Rebensburg Viktoria. Einsamkeit umgibt sie im Lager des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). Schafft mal eine andere einen Platz unter den besten Acht, wird gleich gejubelt. (Olympia-Qualifikation und so). Wird Vicky mal Siebte, heißt es gleich: "Nur" Siebte Viktoria Rebensburg. Unfair ist das, weshalb ich hoffe, dass sie "nur" Gold gewinnt in Südkorea
S - Schäfer Pauline. Sie befreite uns von einer jahrzehntelangen Krankheit: Dem Zittern am Schwebebalken. Als Deutschland schlief, wurde sie in Montreal Weltmeisterin. Sie flog über den fünf Meter langen Holzbalken, der nur zehn Zentimeter breit ist, als wäre der Untergrund ein flauschiger Wollteppich. Wäre der Wettkampf, so wie Biathlon zum Beispiel, live und in voller Länge im Fernsehen übertragen worden, hätte sie vielleicht sogar Laura Dahlmeier bei der Sportlerwahl besiegen können. So wurde sie Zweite. Unsere Königin der Artisten.
T - Tedesco Domenico. Gehört zu den jungen Trainern in der Bundesliga, denen der berühmte Kicker-Kritiker Mehmet Scholl die Qualität abspricht, dauerhaft erfolgreich zu sein. Im Moment stimmt das natürlich. Tedesco ist bloß Zweiter in der Liga mit Schalke 04. Dagegen ist Scholl erst mal: Out.
U - Ulreich Sven. Ist eigentlich nur Ersatztorhüter in München, wo sich freilich der Stammschlussmann Manuel Neuner als Dauerhumpler erweist. Jetzt ist der Zweite Erster und der Erste streichelt täglich seine Zehen, damit er noch fit wird für die Weltmeisterschaft. Und wenn nicht: Eigentlich war es ja immer so, dass der Bayern-Torwart auch der Deutschland-Torwart ist.
V - Veith Anna. Eine tiefe Verbeugung an dieser Stelle nach Österreich. Anna Veith feierte in Val d`Isere beim Super-G ein geniales Comeback nach zweijähriger Pause und zwei Operationen. Gänsehaut im Schnee.
W - Werbung bei Olympischen Spielen. Ist noch immer nicht in dem Maße erlaubt, wie das die Sportler gerne wollen. Die jüngste Entscheidung des Bundeskartellamtes zur Lockerung der Bestimmungen gilt zum einen nur in Deutschland und ist zunächst nur ein Feigenblatt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verteidigt seine Exklusivität nach wie vor wie ein feuerspeiender Drache. Allerdings lässt die Hitze spürbar nach.
X - bin ausgelaugt. Das Jahr ist vorüber. Bitte um Verständnis.
Y - siehe X
Z - siehe X und Y
Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, Gesundheit vor allem und viele schöne Sportübertragungen. Natürlich bei Discovery mit allen Eurosport-Plattformen.
Euer Sigi Heinrich, und bleiben Sie uns gewogen.
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