Eurosport
Nordische Ski-WM: Die Zukunft der Nordischen Kombination hängt an den Frauen - Olympia 2030 oder Ende des Sports
Von
Publiziert 03/03/2025 um 12:20 GMT+1 Uhr
Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im norwegischen Trondheim sind die deutschen Kombiniererinnen ohne eine Einzelmedaille geblieben. Dennoch freute sich Nathalie Armbruster über "Werbung für den Sport". Die Aufmerksamkeit für die Nordische Kombination ist immens wichtig - schließlich droht der Sportart bei den Olympischen Spielen 2030 das Aus. Die Zukunft der Kombination hängt an den Frauen.
Deutsche Mixed-Staffel nach Silber zufrieden: "Wir sind mega happy"
Quelle: Eurosport
Nathalie Armbruster überlegte keine Zehntelsekunde. Was denn ihr größerer Wunsch sei: ein olympisches Debüt der Kombiniererinnen in fünf Jahren? Oder ein 1,0er-Abi in diesem Frühjahr?
"Olympia 2030 natürlich!", sagte die 19-Jährige nach ihrem letzten WM-Rennen in Trondheim nachdrücklich. Allerdings: Im Gegensatz zum Abi-Schnitt hat sie die Zukunft ihrer Sportart nicht in der eigenen Hand.
Während die Kombinierer um Peking-Olympiasieger Vinzenz Geiger in Norwegen bis zum kommenden Wochenende noch einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, sind Armbruster und Co. schon wieder auf dem Heimweg.
In erstmals drei Wettkämpfen wollten die Kombiniererinnen in Trondheim für sich trommeln, für Aufmerksamkeit sorgen.
Armbruster: "Werbung für unseren Sport gemacht"
"Wir haben die beste Werbung für unseren Sport gemacht", sagt Weltcup-Spitzenreiterin Armbruster, die ohne Einzelmedaille geblieben war, "die Wettkämpfe waren hoch spannend." Fraglich aber, ob das ausreicht.
Die bittere Wahrheit: Bis zur nächsten WM 2027 im schwedischen Falun wird die Frauen-Kombination einigermaßen in der öffentlichen Versenkung verschwinden, bei den Olympischen Winterspielen 2026 sind nur Männer am Start. Dieses Ungleichgewicht gefährdet die gesamte Zukunft der Sportart.
"Entweder die Kombiniererinnen kommen bei Olympia 2030 rein - oder die Nordische Kombination ist ganz draußen", sagte Sandra Spitz, Sport- und Eventdirektorin des Ski-Weltverbandes FIS, in Trondheim in großer Deutlichkeit: "Das wäre ein großer Einschnitt. Die Kombination war seit der Olympia-Premiere 1924 immer dabei, das sind 100 Jahre Tradition."
"NoKo" könnte aus Olympia-Programm gestrichen werden
Der Kurs des Internationalen Olympischen Komitees ist eindeutig: Bei Winter- und Sommerspielen soll es - Stichwort Geschlechtergerechtigkeit - nur Sportarten mit Wettbewerben für Männer und Frauen geben. Die "NoKo" ist 2026 ein geduldeter Sonderfall - weil die Frauensparte eben jung ist und in der Entwicklung steckt.
Doch holen die Frauen nicht (weiter) auf, dürfte die Geduld des IOC, das der Sportart ohnehin mangelnde Attraktivität vorwirft, endlich sein. Der Wettkampf der "Könige des Skisports", welcher die gegensätzlichen Ur-Disziplinen Laufen und Springen vereint, der deutsche Helden wie Georg Thoma, Ulrich Wehling oder Hermann Weinbuch hervorbrachte, hat ein Ablaufdatum.
Ohne Olympia könnte die Kombination ein Feldhandball des Winters werden, ihre große Vergangenheit in bedeutungsloser Zukunft enden, der Ski-Zweikampf seinen Platz bei der Nordisch-WM verlieren und damit die Attraktivität für den Nachwuchs.
Und irgendwann könnte die Nordische Kombination ein Exot werden wie das Telemark-Skifahren. Ein Schreckensszenario - noch.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/02/4104283-83223313-2560-1440.jpg)
Rekordweltmeisterin Westvold Hansen setzt Einzel-Serie fort
Quelle: Eurosport
Lieber Lichter als Nordische Kombination im "ZDF"
Allerdings war Trondheim nur teilweise eine gute Werbung für die Frauen-Kombi: Das Feld dünn, die Kluft zwischen kaum einem Dutzend von Topathletinnen und dem Rest gewaltig.
Und dann war da noch die Sache mit dem "ZDF", das im Hauptprogramm lieber Horst Lichter als Nathalie Armbruster und ihren WM-Auftakt zeigte.
"Wir haben noch vieles zu tun, vieles aufzuholen", sagt Bundestrainer Florian Aichinger in pragmatischem Optimismus: "Von daher kommt es mir gar nicht ungelegen, dass wir im kommenden Jahr kein Großereignis haben." Allerdings ist Aichinger auch als Seelsorger gefragt.
"Wir junge Athletinnen", sagt Armbruster nämlich mit Blick auf die Zukunft ihres Sports, "machen uns da schon große Sorgen." Mehr Sorgen als um ihren Abischnitt: "Da dürfte auf jeden Fall eine 1 vorne stehen."
Das könnte Dich auch interessieren: Weng gegen Sundling: Ärger um Sturz - Rätsel um Entschuldigung
(SID)
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/03/02/4104286-83223373-2560-1440.jpg)
Armbruster: "Die Schanze und ich werden keine Freunde mehr"
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung