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Nordischen Kombinierern droht Sturz in Bedeutungslosigkeit: Zukunft einer ganzen Traditionssportart in Gefahr
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Publiziert 22/11/2022 um 17:46 GMT+1 Uhr
Der König der Kombination ist in Sorge: Wenn Eric Frenzel am Freitag im finnischen Ruka in seine 16. und womöglich letzte Weltcup-Saison startet, dann springen und laufen bei ihm und seinen Kollegen dunkle Schatten mit. Ungewisse olympische Zukunft, kein Interesse in weiten Weltteilen: Einer Traditions-Sportart droht der Sturz in die Bedeutungslosigkeit.
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Quelle: Eurosport
"Das alles ist sehr ernüchternd", sagt Frenzel, seit Montag 34 Jahre alt: "Wir führen Diskussionen, bei denen den Athleten nicht wirklich klar ist, worüber überhaupt diskutiert wird. Das wirkt alles sehr willkürlich."
Worum es in letzter Konsequenz geht: Die Nordische Kombination, seit den ersten Winterspielen 1924 im Programm, könnte schon für 2030 ihren Olympia-Status verlieren - und damit auf das Level von Orchideen-Disziplinen wie Telemark- oder Speed-Ski abrutschen.
Schon bei den Spielen 2026 von Mailand wurde bei der Traditionssparte der Rotstift angesetzt: Stand jetzt sind nur 36 statt bislang 55 Quotenplätze und damit maximal zwei pro Nation vorgesehen, der Teamwettbewerb würde wegfallen. Die Kombiniererinnen sind gar nicht erst dabei, ihre Bemühungen um Aufnahme ins Programm blieben vergeblich.
"Das belastet mich wirklich", sagt Hermann Weinbuch, seit 1996 Bundestrainer. Von seinen neun Top-Athleten des Leistungskaders 1a wie Frenzel, Johannes Rydzek oder Vinzenz Geiger darf er sieben für den Weltcup nominieren. "Wenn ich künftig nur noch zwei zu Olympia mitnehmen kann, wird bei vielen die Motivation schwierig, verlieren wir die Breite", sagt Weinbuch: "Wir sind der Willkür des IOC ausgeliefert".
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Kombination bei Olympia vor dem Aus
Dass das Internationale Olympische Komitee einen harten "NoKo"-Kurs" fährt, hat mehrere Gründe. Die Dominanz der Top-Nationen ist zu groß, 2021/22 kamen 16 Athleten der besten 20 im Weltcup aus Deutschland, Österreich oder Norwegen. Zudem ist die Kombination - im Gegensatz zum ebenfalls von wenigen Ländern geprägten Rodel- und Bobsport - auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt nahezu bedeutungslos. Und schließlich ist es noch nicht gelungen, eine ausreichende Zahl an Frauen auf ein ausreichendes Niveau zu heben - das IOC pocht auf Geschlechter-Proporz.
"Das werden heftige Einschnitte für uns", sagt Olympiasieger Geiger. Den 25-jährigen Oberstdorfer betreffen die düsteren Zukunftsaussichten deutlich mehr als Senior Frenzel. Noch finsterer sind die Aussichten für die Kombiniererinnen, die mindestens sieben weitere Jahre auf eine Olympiachance warten müssen - wenn sie denn jemals kommt. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagte DSV-Athletin Svenja Würth in der "ARD".
Was tun? Die Top-Nationen haben sich darauf verständigt, "schwachen" Ländern Know-how-Hilfe zu leisten, zudem sollen - behutsam angepasste - Neu-Formate im Weltcup eingeführt werden. Die Traditions-Sportart komplett zu verschlimmbessern, wie es dem Modernen Fünfkampf droht, soll vermieden werden.
"Wir sollten nicht den Hebel an der Sportart selbst ansetzen. Unsere Rennen bei Olympia waren an Spannung nicht zu überbieten", sagt Frenzel: "Wir sollten aber Weltcups in Ländern wie Polen haben oder in Übersee. Damit die sehen, welche coolen Wettkämpfe wir liefern."
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(SID)
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