E-Sport: Das IOC öffnet sich dem virtuellen Sport mit Saudi-Arabien - "Wir können die Zahlen nicht ignorieren"

Das IOC hatte den E-Sport bisher nicht ins Olympische Programm aufgenommen. Das ändert sich jetzt - zumindest fast. Auf seiner Vollversammlung kündigte der Olympische Verband die ersten Olympischen E-Sport-Spiele für 2025 an. Saudi-Arabien wird das Event vorerst innerhalb der nächsten zwölf Jahre "regelmäßig" ausrichten - das umstrittene Regime baut seine Rolle im Sport damit weiter aus.

In Zukunft wird es auch Olympische E-Sport-Spiele geben

Fotocredit: Getty Images

Es ist nicht die Welt von Thomas Bach, in die er das Internationale Olympische Komitee führt - das räumte der Präsident der Ringe-Organisation sogar selbst ein. "Doch wir können Zahlen nicht ignorieren", sagte der 70-Jährige.
Drei Milliarden Gamer gebe es weltweit, Tendenz steigend. Und so sei es eben alternativlos, auch E-Sport unter den fünf Ringen zu versammeln, "wenn wir im Leben junger Menschen weiterhin relevant sein wollen". Erste Anlaufstelle: Saudi-Arabien.
Der pragmatische Präsident sprach, und die Mitglieder der Ringe-Organisation folgten mit einstimmigem Votum. 2025 werden die ersten olympischen E-Sport-Spiele stattfinden - säuberlich getrennt von den großen Sommer- und Winterspielen freilich, und doch werden sie dem umstrittenen Regime am Golf eine olympische Plattform verschaffen.
Mit dem Königreich, das laut Bach "über eine große, wenn nicht einzigartige Expertise im Bereich E-Sport verfügt", hatte das IOC bereits im Vorfeld der 142. Session eine Vereinbarung über zwölf Jahre geschlossen, innerhalb dieser Zeitspanne solle das Event "regelmäßig" in Saudi-Arabien stattfinden.

Wegweisendes Treffen in Paris

Sportminister Prinz Abdulaziz bin Turki al Faisal und IOC-Mitglied Prinzessin Reema bint Bandar al Saud präsentierten ihr Land am Dienstag ausführlich und priesen die Fortschritte an, die Saudi-Arabien vor allem dank und durch Sport mache.
Die Hauptstadt Riad ist aktuell Gastgeber des ersten E-Sport World Cup, wie in anderen Sportarten hat Saudi-Arabien auch hier viel Geld in die Hand genommen, um sich als Austragungsort auf die Landkarte zu bringen. Mit dem IOC, für das in erster Linie virtuelle Sportarten und Sportsimulationen die akzeptierten Ausprägungen von E-Sport sind, hat Saudi-Arabien nun das größtmögliche Label des Weltsports im Portfolio.
Am ersten Tag der 142. IOC-Session in Paris, bei der es im Saal "Grand Amphitheatre" im Palais des Congres um nicht weniger als die Ausrichtung der olympischen Bewegung bis in die 2030er-Jahre hinein geht, hat Bach mit der Öffnung für neue Zielgruppen und Märkte schon mal einen Erfolg verbucht. Das IOC stellt sich weiter für die Zukunft auf und folgt dem Geld.
Entscheidend für die Bewertung dieser Vollversammlung, Bachs nach derzeitigem Stand letzter an der Spitze des Ringe-Ordens, wird aber der Mittwoch. Dann steht die Vergabe der Winterspiele 2030 und 2034 an, eigentlich eine Formalie.

Macron könnte sich persönlich einschalten

Doch Bach muss so kurz vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Paris am Freitag noch ein Problem aus der olympischen Welt schaffen: Durch die Regierungskrise in Frankreich fehlen die finanziellen Garantien für die Bewerbung der Regionen Provence-Alpes-Cote d'Azur mit dem Zentrum Nizza und Auvergne-Rhone-Alpes für 2030.
Das IOC hat sich längst für diesen Gastgeber entschieden, doch für die Garantien, die eigentlich nur der Premierminister per Dekret geben kann, braucht es wohl eine tragfähige Alternative, welche dem IOC die geforderte Sicherheit verschafft.
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Emmanuel Macron bei der IOC-Vollversammlung in Paris.

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Bach allerdings deutete am Montagabend bei der feierlichen Eröffnungsfeier der Session im Privatmuseum der Stiftung Louis Vuitton eine Lösung an. "Wer weiß", sagte er, "Einheit und Elan" könnten "ein wichtiger Faktor sein bei der Wahl des Gastgebers der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030".
Diesen Elan will Staatspräsident Emanuel Macron offensichtlich zeigen, nach Informationen der Nachrichtenagentur "AFP" wird der 46-Jährige am Mittwoch bei der IOC-Vollversammlung persönlich versuchen, die Mitglieder zu überzeugen. Obwohl anders als in Saudi-Arabien womöglich nicht alles garantiert werden kann.

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(SID)
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Quelle: Eurosport


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