Das Weiße Haus weiß von nichts. Sagt zumindest Sprecherin Jen Psaki. Ja, von den Gerüchten über einen US-Boykott der Winterspiele 2022 habe sie auch gelesen. Aber nein, Neuigkeiten "oder eine Änderung der Herangehensweise an die Olympischen Spiele in Peking" könne sie nicht verkünden. Das Szenario, das IOC-Präsident Thomas Bach am meisten fürchtet, wischte Psaki damit vorerst vom Tisch, die Diskussionen um das umstrittene Mega-Event in China reißen deswegen aber nicht ab.
Am Donnerstag in einem Jahr (4. Februar) sollen die Winterspiele in Peking eröffnet werden. Heute schon rauben die Corona-Pandemie und vor allem das Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die muslimische Minderheit der Uiguren die Vorfreude auf die Medaillenkämpfe auf Schnee und Eis.
Boykott-Überlegungen der US-Regierung um Präsident Joe Biden, von denen die Wirtschaftswoche aus Diplomatenkreisen erfahren haben will, sorgten rund um den Stichtag für weitere Unruhe. Ein IOC-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass man Spekulationen nicht kommentieren werde.
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Am Mittwoch brachte eine Gruppe von sieben republikanischen Senatoren eine Resolution zum Entzug der Winterspiele Pekings in den US-Senat ein. Die Spiele sollten demnach "in einem Land stattfinden, das Menschenrechte anerkennt und respektiert", hieß es darin. "China begeht Völkermord an den Uiguren in Xinjiang, schränkt Menschenrechte in Hongkong ein und bedroht Taiwan", sagte Senator Rick Scott.

Bach hochzufrieden mit Vorbereitung: "Fast ein Wunder"

Zuvor hatte der oberste Olympionike versucht, Zuversicht zu verbreiten. "Wir können bereits ein Jahr zuvor sagen, dass alle Wettkampfstätten fertig sind, die Vorbereitungen sind exzellent", sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, im Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Es sei "fast ein Wunder", dass die Vorbereitungen trotz der Pandemie so glatt liefen.
In Bezug auf die Stadien, Schanzen und Loipen mag das stimmen, die Kritik an den Gastgebern nimmt dagegen zu. "Die Spiele 2022 werden unter Menschenrechtsbedingungen stattfinden, die signifikant schlechter sind als bei den Spielen in Peking 2008", schrieb die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Mitte Dezember in einem offenen Brief an Bach. Am Mittwoch legte eine Koalition von 180 Aktivistengruppen nach und forderte die weltweiten Staats- und Regierungschefs zum Boykott auf.
Das chinesische Außenministerium reagierte umgehend und bezeichnete die "politisch motivierten" Aufrufe als "unverantwortlich". Die Spiele, erstmals findet in einer Stadt nach den Sommerspielen auch Winter-Olympia statt, werden ein "wunderbares und herausragendes Ereignis" werden. Ein Boykott, da ist sich Wang Wenbin, Sprecher des Ministeriums sicher, "wird von der internationalen Gemeinschaft nicht unterstützt".

Fragliche Menschenrechtsbedingungen in China

Doch der Druck auf die internationale Gemeinschaft wird wachsen. In der Provinz Xinjiang sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und Forschern mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in Lagern eingesperrt.
Sie werden demnach zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. US-Präsident Biden hatte vor seiner Wahl von "Völkermord" gesprochen.
Bei diesen Vorwürfen wirken die Probleme, die von der Corona-Pandemie ausgehen, zumindest aus westlicher Sicht beinahe nachrangig. Bis zu den Winterspielen (4. bis 20. Februar 2022) und den Paralympics (4. bis 13. März 2022) sollte das weltweite Impfprogramm weit fortgeschritten sein, weiter zumindest als bei den wackelnden Sommerspielen in Tokio (ab 23. Juli). Doch die Unsicherheit bleibt.
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(SID)

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