Kirsty Coventrys Wahl zur IOC-Präsidentin weckt Hoffnungen und Erwartungen: "Starkes Signal an alle Frauen"
Update 21/03/2025 um 16:40 GMT+1 Uhr
Die erste Frau an der Spitze des IOC will anpacken. Kirsty Coventry ist dabei auch vor gefürchteten Machtmenschen nicht bange. Mit Donald Trump wird sie im Zuge der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles auf Konfrontationskurs gehen müssen. Russlands Machthaber Wladimir Putin will die Verbannung russischer Sportler aus der olympischen Bewegung rückgängig machen. Nun muss Coventry liefern.
Oficial: Kirsty Coventry, nueva presidenta del COI
Quelle: Eurosport
Donald Trump? Nein, vor einer Konfrontation mit dem unberechenbaren US-Präsidenten hat Kirsty Coventry keine Angst.
"Ich habe mit - sagen wir - schwierigen Männern in hohen Positionen zu tun gehabt, seit ich 20 bin", sagte die angehende Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees cool.
Die erste Frau, die das IOC in 131 Jahren anführen wird, hinterließ nicht nur mit dieser Aussage Eindruck nach ihrer Wahl am Donnerstag im griechischen Costa Navarino.
Coventry, eine Vertraute von Amtsinhaber Thomas Bach und offensichtlich auch dessen erste Wahl für die Nachfolge ab dem 24. Juni, war im (Wind-)Schatten des Deutschen oft blass und zurückhaltend. Mit ihrem triumphalen Erfolg im ersten Wahlgang gegen sechs Männer ist die 41-jährige Simbabwerin nun in die erste Reihe vorgerückt - und nimmt ihre neue Position an.
Faeser und Borger freuen sich über "starkes Signal an alle Frauen"
Dass eine Frau und erstmals ein Mensch aus Afrika in gut drei Monaten das höchste Funktionärsamt im Sport bekleiden wird, sorgte durch die Bank für positive Reaktionen und weckte auch in Deutschland Hoffnungen und Erwartungen.
Das IOC werde damit "jünger, weiblicher und moderner. Dies ist ein Schritt, der erhebliche Auswirkungen auf den Spitzensport und seine nationalen Verbände haben kann", sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser.
Laut Karla Borger, Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland, ist die Wahl der zweimaligen Schwimm-Olympiasiegerin Coventry "ein starkes Signal an alle Frauen, die Führungsrollen im Sport anstreben".
Zudem eröffne die Personalie "auch die Möglichkeit, die Perspektiven des sogenannten Globalen Südens noch stärker in die Olympische Bewegung einzubringen".
Kann Coventry die "Zeitenwende" einleiten?
Internationale Medien verwendeten fast durchgängig den Begriff "historisch" oder sprachen von einer "Zeitenwende". Tatsächlich hatte das IOC nur drei weibliche Mitglieder, als Coventry 1983 geboren wurde, heute sind fast die Hälfte der 110 Mitglieder Frauen.
Coventry bedankte sich nach ihrer Wahl ausdrücklich bei der US-Amerikanerin Anita DeFrantz, die 2001 als erste Frau in den Präsidentschaftswahlkampf gezogen war. Auch wenn der Belgier Jacques Rogge das Rennen machte, sei dies für Coventry "eine Inspiration" gewesen.
Für sie selbst beginnt nun die Übergangsphase, ehe sie für die Geschicke des IOC hauptverantwortlich sein wird. Coventry, noch Sportministerin in Simbabwe, wird mit ihrem Mann und den beiden Töchtern nach Lausanne umziehen, wo das IOC seinen Sitz hat.
Bach erklärte am Freitag, seine gewählte Nachfolgerin werde umgehend in alle wichtigen Vorgänge eingebunden, es werde "keine Entscheidung ohne die Zustimmung" Coventrys getroffen.
DOSB will Olympia 2036 nach Deutschland holen
Auf ihrer Agenda stehen zahlreiche Aufgaben. Aus deutscher Sicht interessant: Was hat sie mit den Olympia-Vergaben ab 2036 im Sinn? Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gratulierte artig nach der Wahl und wird bald den Austausch suchen, um die eigenen Bewerbungsambitionen zu unterstreichen.
Coventry wisse, "was es für eine erfolgreiche Zukunft des olympischen Sports braucht", erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert.
Mit einem anderen Präsidenten dürfte es deutlich mehr Reibung geben: Die USA sind mit Los Angeles der Gastgeber der Sommerspiele 2028.
Dass der Umgang mit Trump nicht einfach ist, haben schon einige Regierungschefs erfahren müssen. Aus Sicht des IOC gilt es, unter anderem Visafreiheit für alle qualifizierten Athleten abzusichern.
Coventry: "Werden weibliche Klasse schützen"
Auch muss Coventry eine Linie zu Olympia in Zeiten des Klimawandels finden oder zum kontrovers diskutierten Thema Transgender im Sport. "Wir werden die weibliche Klasse schützen", erklärte Coventry am Donnerstag, das IOC werde unter ihrer Führung eine Task Force einsetzen.
Last but not least wurden aus Russland durch Sportminister Michail Degtjarjow Hoffnungen kommuniziert, dass die Sportnation trotz epochaler Dopingverfehlungen und des anhaltenden Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Coventry wiedereingegliedert werden könnte.
Der Ton aus dem Riesenreich gegenüber dem lange russlandfreundlichen Bach war zuletzt äußerst aggressiv, nach dem Einmarsch in die Ukraine war Russland aus der olympischen Bewegung verbannt worden.
Staatspräsident Wladimir Putin gratulierte Coventry "aufrichtig" - und wird womöglich ebenfalls bald mit ihr im Austausch stehen.
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(SID)
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Weltfrauentag: Eine Hommage an alle Frauen im Sport
Quelle: Eurosport
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