Olympia 2024 - Die Uhr tickt immer schneller: Reichlich Missmut und die entscheidende Frage

Olympia 2024 in Paris ist nur noch gut 500 Tage entfernt. In Frankreich herrscht Kritik an den Ticketpreisen und dem Verkaufsverfahren. Doch über allem schwebt rund 17 Monaten vor Beginn der Olympischen Spiele die Frage, ob russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler in der Stadt der Liebe an den Start gehen dürfen. In der Ukraine wird mit der Abkehr vom IOC gedroht.

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris

Fotocredit: Getty Images

Eine "amour fou" ist noch nicht entbrannt zwischen den Franzosen und dem Olympia-Heimspiel im Sommer 2024. Stolze 82 Prozent der Befragten einer aktuellen Umfrage empfinden die Ticketpreise als zu hoch, 79 Prozent brandmarkten das Verfahren als "kompliziert". Und die Politik im Hexagon debattiert seit Monaten, wie sich größtmögliche Sicherheit herstellen lässt, wenn Paris beginnend mit einer gewiss denkwürdigen Eröffnungsfeier auf der Seine im übernächsten Sommer unzählige Menschen aus aller Welt begrüßt.
Es sind Sorgen und Nöte, die knapp 17 Monate vor Beginn eines Sport-Weltereignisses angenehm banal erscheinen. Wenn das nur alles wäre! Denn wenn der Countdown am kommenden Dienstag die Marke von 500 Tagen erreicht, schwebt über allen Vorbereitungen auf die dritten Olympischen Spiele in Frankreichs Hauptstadt (26. Juli bis 11. August 2024) die Frage, ob und wenn ja unter welcher Bezeichnung Sportlerinnen und Sportler aus Russland an den Start gehen werden.
Und ob ukrainische Aktive im Falle der Zulassung bereit sind, gegen diese anzutreten.
Ein Ende des Angriffs auf die Ukraine, den Russland mithilfe von Belarus am 24. Februar 2022 initiiert hat, ist jedenfalls nicht abzusehen. Und während Städte wie Bachmut durch monatelange Kämpfe zum Symbol eines sinnlosen Abnutzungskrieges werden, verhärten sich auch rund um die nächsten Sommerspiele die Fronten.

Fechtverband will russische Sportler zulassen

"Games Wide Open" lautet das Motto von Paris 2024, und die meisten Organisationen des Sports - mit dem Internationalen Olympischen Komitee im Zentrum - folgen diesem Aufruf zu weit geöffneten Spielen. Am Freitag votierte der Internationale Fechtverband (FIE) bei einem außerordentlichen Kongress dafür, dass russische und weißrussische Athleten wieder an seinen Wettkämpfen teilnehmen sollten.
Die Entscheidung betreffe die Einzel- und Mannschaftswettbewerbe und gelte ab April, "vorbehaltlich möglicher Empfehlungen oder zukünftiger Entscheidungen des IOC".
Anfang März erst sprachen sich die Nationalen Olympischen Komitees von Afrika (ANOCA) für einen Start russischer und belarussischer Sportler in der Stadt der Liebe aus, natürlich unter der zuletzt diskutierten strikten Neutralität.
Der Asiatische Olympische Rat (AOC) hatte Wochen zuvor bereits vorgeschlagen, Aktive aus den beiden Ländern in seine regionalen Wettkämpfe wie beispielsweise die Asienspiele aufzunehmen.

Sport sucht nach Auswegen

Russlands Sport sucht schon länger nach Auswegen und wurde bereits fündig. Der nationale Schachverband gliedert sich zum 1. Mai offiziell dem asiatischen Dachverband (ACF) an, auch Russlands Fußballverband soll ebenfalls mit dem Wechsel in die asiatische Konföderation liebäugeln.
Und ja: Auch wenn das Riesenreich formal zu Europa zählt, gehört der überwiegende Teil des russischen Territoriums zum asiatischen Kontinent. Für Russlands Sport erscheint dieses Schlupfloch wie eine Schnellstraße aus der Isolation.

Ukraine droht mit Abkehr

Vom Westen jedenfalls hat Russland so schnell keine Vergebung zu erwarten. Die Regierungen von 34 Nationen, darunter Deutschland und auch Olympia-Gastgeber Frankreich, forderten das IOC Ende Februar auf, den Begriff "Neutralität" zu definieren. Im ukrainischen Sport wird gar offen mit Boykott oder Abkehr vom IOC gedroht, sollten Aktive aus dem Land der Angreifer in Paris um Medaillen streiten dürfen.
In dieser polarisierenden Frage sind die Franzosen übrigens deutlich versöhnlicher gestimmt als bei den Tickets: 72 Prozent der Befragten sprachen sich Anfang März für einen Start von russischen Athleten aus, unter den Befürwortern waren zudem 28 Prozent für eine Teilnahme unter den russischen Farben.
(SID)
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