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Sigi Heinrich über das Referendum in Hamburg: Olympia fehlt die Strahlkraft

Olympia fehlt die Strahlkraft

30/11/2015 um 19:44Aktualisiert 30/11/2015 um 19:45

Eurosports Olympia-Experte Sigi Heinrich über die Gründe für das "Nein" in Hamburg - und die Folgen dieser Entscheidung.

Die Entscheidung ist unwiderruflich.

Mit der Ablehnung der Hamburger Bürger, sich für die Olympischen Spiele 2024 zu bewerben, ist Deutschland auf der Karte der Länder, die irgendwann mal auf absehbare Zeit das größte Sportfest der Welt austragen dürfen, verschwunden.

Eine Überraschung ist das nicht. Die Strömungen waren erkennbar und es war ähnlich wie in München, wo auch die Bevölkerung der bayerischen Landeshauptstadt und der umliegenden Städte und Gemeinden gegen Olympia votierte.

Es ist dem durchaus reformwilligen IOC-Präsidenten Thomas Bach nicht gelungen, vor allem zügig aus der breiten Ablehnungsfront zu lernen. Vorher hatten sich auch Schweizer, Schweden und Norweger gegen eine Ausrichtung der Spiele in ihren Ländern gestemmt. Aus den USA kam ebenfalls ein Nein aus Boston.

Verunsicherung und Finanzfragen

Olympische Spiele, das ist die Botschaft, haben keine Strahlkraft mehr. Dazu kommt die um sich greifende Verunsicherung angesichts der Weltlage. Von keinem Politiker weit und breit und länderübergreifend werden Antworten auf weitaus drängendere Fragen als jene einer Olympiabewerbung gegeben.

Man reagiert auf Ereignisse, niemand macht konkrete Vorschläge, wie man den Flüchtlingsströmen, dem Terror, dem Klimawandel oder den Hungersnöten in dieser Welt entgegen steuern will. Es gibt keine Pläne, nur Hilfsmaßnahmen. Die Staaten scheinen überfordert zu sein. Und alles kostet immer Geld.

Die Bürger sind verunsichert und auch das hat die Entscheidung gegen eine Austragung Olympischer Spiele in Hamburg mit getragen. Wie viel hätten die Spiele denn wirklich gekostet? Niemand hat das konkret gesagt. Irgendwelche Zahlen wurden genannt, die zum Teil jeglicher Grundlage entbehrten. Der Etat für die Sicherheitsvorkehrungen etwa war im Vergleich zu London lächerlich und das angesichts der um sich greifenden Angst vor Anschlägen bei Großereignissen.

Hamburg stimmt gegen Olympia...:

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Klare Worte und Zusagen fehlten

Zudem hat die Bundesregierung nie ein klares Bekenntnis zu Hamburg abgegeben. Eine Zahlungszusicherung von Seiten der Regierung, wie sie das IOC in seinen Vertragsstatuten gerne verankert, hat gefehlt. Zu Recht übrigens. Und wer weiß zudem, was 2024 sein wird. So fehlte der Hamburger Bewerbung, so schön sie auf dem Reißbrett auch ausgesehen haben mag, von Anfang an das feste Fundament.

Darüber hinaus war der Zeitpunkt nicht günstig. Es vergeht kein Tag, an dem nicht über korrupte Funktionäre, seltsame Geldströme verschiedener Weltverbände, ja krimineller Strukturen internationaler Sportverbände berichtet wird. Und vermutlich ist das immer noch erst die Spitze des Eisberges. Auch das hat die Lust auf Olympischen Sport, der in der Vergangenheit auch nicht frei von Skandalen war, doch ziemlich gemindert.

Und auch von Thomas Bach fehlen klare Worte gegen die Totengräber des Weltsports. Er kann und darf sich nicht damit herausreden, dass er als Präsident des IOC nicht in die Hoheit der Fachverbände eingreifen darf. Er muss deutlichere Positionen beziehen. Auch das hat den Hamburgern gefehlt, um vielleicht für Olympia zu stimmen.

Sport droht kein übler Rückschlag

Die Absage wird den Sport hierzulande jetzt nicht, wie manche Skeptiker aus der ersten Enttäuschung heraus glauben, um Jahre zurück werfen. Aber natürlich dachte man auch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), dass sich durch eine Bewerbung die finanzielle Grundlage deutlich hätte verbessern können. Jetzt wird alles so bleiben wie bisher. Das macht es für Präsident Alfons Hörmann und seine Mitstreiter nicht einfacher, die Anforderungen der Zukunft zu meistern.

Für uns als künftiger Olympiasender zunächst bis eben 2024 hat die Ablehnung einer deutschen Bewerbung keine Auswirkungen. Wir hätten sicher gerne aus Hamburg 17 Tage olympischen Sport übertragen und eine deutsche Bewerbung hätte uns gefallen. Aber wir sind gerne auch in Paris, Rom, Budapest oder Los Angeles. Denn diese vier Kandidaten gibt es noch. Und es sind gute Bewerbungen, die Hamburg vermutlich sowieso nicht hätte schlagen können.

So hat man wenigstens Geld gespart, was angesichts des Millionengrabes Elbphilharmonie (kostet bald schon fast eine Milliarde Euro) ein schöner Nebeneffekt ist.

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