Knapp fünf Monate vor der Eröffnungsfeier am 24. Juli drohen den Sommerspielen in Tokio die ersten direkten Auswirkungen durch das Coronavirus. Wie OK-Chef Toshiro Muto am Mittwoch erklärte, wird der traditionelle Fackellauf, ein elementarer Bestandteil Olympischer Spiele, eventuell verkürzt. "Wir denken keinesfalls daran, ihn abzusagen", erklärte der 76-Jährige:
Aber wir werden uns überlegen, wie wir es durchführen können, ohne das Virus weiter zu verbreiten. Dazu gehört auch eine Reduzierung des Umfangs.
Die Fackel soll ihren Weg durch Japan am 26. März beginnen. Startort ist die Präfektur Fukushima, in der sich im März 2011 die Tsunami- und Atomkatastrophe mit mehr als 18.000 Todesopfern ereignet hatte. Der Lauf unter dem Motto "Hoffnung beleuchtet unseren Weg" soll nach den ursprünglichen Plänen durch alle 47 Präfekturen des Landes führen.
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Muto betonte erneut, dass eine Verlegung oder gar eine Absage der Spiele keine Option sei. "Unser Grundgedanke ist, die Olympischen Spiele und die Paralympics wie geplant durchzuführen. Davon gehen wir aus", sagte der ehemaliger Banker. Japan ist vom Coronavirus besonders betroffen. Rund 850 Personen sind infiziert, die meisten auf einem britischen Kreuzfahrtschiff im Hafen von Yokohama. Dort gab es bislang vier Todesopfer.

Wolfarth warnt vor Reisen in Risikogebiete

Von Reisen nach Japan rät der leitende deutsche Olympiaarzt Dr. Bernd Wolfarth ebenso ab wie in andere Risikogebiete. Auf der Homepage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stufte der Mediziner neben China vor allem Südkorea mit aktuell rund 1200 Infektionsfällen und Italien (ca. 350) als "besonders besorgniserregend" ein. Als Risikoländer nannte Wolfarth neben Japan noch Singapur (ca. 90 Fälle) und den Iran (ca. 100 Fälle und "eine vermutlich hohe Dunkelziffer").
Es gebe, so Wolfarth, "eine Reihe von Gründen, aktuell Wettkämpfe und Trainingslager in diesen Gebieten auszusetzen. Nicht nur wegen der gesundheitlichen Gefahren, die teilweise noch überschaubar zu sein scheinen, sondern vor allem auch wegen zahlreicher logistischer Probleme und völlig unklarer Rückreiseoptionen bzw. Quarantänerisiken." Reisende aus diesen Gebieten müssten damit rechnen, in den Zielländern in Quarantäne genommen zu werden.
Die fortschreitende Ausbreitung des Virus in Europa beschäftigt vor dem Algarve Cup in Portugal (4. bis 11. März) auch Fußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Es sei ganz klar ein Thema, "unsere Mediziner sind im Austausch. Wir müssen die Aktualität abwarten", sagte "MVT". Das gelte insbesondere für die U20-Auswahl, die Anfang März auf eine Länderspielreise nach Japan gehen soll.
Weitere Absagen im weltweiten Sport
Weitere Absagen von internationalen Spielen hat UEFA-Vizepräsident Michele Uva vorerst ausgeschlossen. Dies werde nur passieren, "wenn die Situation wirklich außer Kontrolle geraten sollte", sagte Uva im Interview mit RAI Sport.
Unterdessen gab es am Mittwoch weitere Absagen im weltweiten Sport. Wegen der Gefahren für Sportler und Zuschauer hat der Eislauf-Weltverband ISU die für Mitte März geplanten Shorttrack-Weltmeisterschaften in Südkoreas Hauptstadt Seoul gestrichen. Ob sie nachgeholt oder verlegt wird, steht noch nicht fest.
Zudem findet das für den 7. März in Dublin angesetzte Six-Nations-Spiel zwischen den Rugby-Teams von Gastgeber Irland und Italien nicht statt. Mit der Absage soll eine Verbreitung des Virus durch einreisende italienische Fans verhindert werden.
(SID)
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