Giro d'Italia 2024: Voigts Vorschau auf deutsche Chancen bei Italien-Rundfahrt mit Geschke, Schachmann, Bauhaus
Wie stehen die Chancen auf deutsche Etappensiege beim Giro d'Italia 2024? Für Eurosport-Experte Jens Voigt sind die Aussichten durchaus positiv, er sieht starke Fahrer für fast jedes Terrain der 21 Etappen im Rennen der Italien-Rundfahrt. Nur Anwärter auf einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung fehlen aufgrund des Unfalls von Lennard Kämna und der Nichtnominierung von Emanuel Buchmann.
Simon Geschke
Fotocredit: Getty Images
Mit zwölf deutschen Profis startet das Fahrerfeld des 107. Giro d'Italia am 4. Mai in die 1. Etappe (ab 15:15 Uhr im Liveticker). Für Jens Voigt bildet die Mischung aus "jungen Talenten und alten Haudegen" eine aussichtsreiche Mischung für Spitzenergebnisse auf den 21 Etappen bis nach Rom.
Emanuel Buchmann stand allerdings entgegen den Erwartungen nicht im Aufgebot von Bora-hansgrohe, für Voigt ein klares Indiz für einen "leisen Abschied" des Kletterers vom deutschen Rennstall.
Das deutsche Dutzend bei der Italien-Rundfahrt kann sowohl mit starken Sprintern als auch Top-Kletterern und mutigen Ausreißern aufwarten - Voigt analysiert im 2. Teil seines Exklusiv-Interviews mit Eurosport.de deren Aussichten.
Wie sind die Chancen auf Top-Platzierungen beim Giro d'Italia aus deutscher Sicht?
Jens Voigt: Ein guter Teil der deutschen Profis wird in seinen Teams als Helfer eingeteilt sein, aber es gibt auch durchaus Chancen auf richtige gute Ergebnisse: Wenn sie in einer Ausreißergruppe sind, können sie ganz vorne mit dabei sein. Wir haben junge Talente genauso wie alte Haudegen am Start und hoffentlich fast jeden Tag einen Deutschen aussichtsreich im Rennen. Ich erwarte gerade in der zweiten Giro-Hälfte viele Chancen für Fluchtgruppen, die muss man dann nutzen!
Wen sollte man dabei in Ausreißergruppen besonders im Auge haben?
Voigt: Georg Steinhauser hat sich beispielsweise in der Katalonien-Rundfahrt schon sehr angriffslustig gezeigt, auf ihn sollte man auf jeden Fall achten. Aber auch Simon Geschke darf man nie abschreiben. Außerdem könnte er vielleicht das Bergtrikot ins Auge fassen, das wäre eine Option. Eventuell hat er da beim Team schon nachgefragt, ob das in die Pläne passt – Cofidis hat weder einen Supersprinter noch Top-Anwärter für die Gesamtwertung dabei, das eröffnet ihm hoffentlich eigene Chancen.
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Simon Geschke - Team Cofidis
Fotocredit: Getty Images
Wie sieht es mit den drei Deutschen im Team Bora-hansgrohe aus?
Voigt: Bei Bora ist ein richtig aussichtsreiches Trio dabei: Florian Lipowitz war bei der Tour de Romandie extrem stark und ganz nah am Sieg auf der Königsetappe, da kann man auf tolle Auftritte hoffen. Jonas Koch ist sowieso ein unzerstörbarer Fahrer und Maximilian Schachmann muss man als Etappenjäger immer auf der Rechnung haben. Allerdings werden sie alle auch Arbeit für Kapitän Dani Martinez und Sprinter Danny van Poppel leisten müssen.
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Tagessieg knapp verpasst: Lipowitz glänzt bei Carapaz-Triumph
Quelle: Eurosport
Stichwort Sprints - wie sind dort die Aussichten für deutsche Spitzenplätze?
Voigt: In den Sprints gibt es auch Chancen! Phil Bauhaus darf man nie abschreiben – man kann nicht sicher sagen, dass er auf jeden Fall eine Etappe gewinnen wird, aber man kann es auch keinesfalls ausschließen. Er hat viele große Sprinter schon geschlagen und dieses Jahr in Italien bei Tirreno - Adriatico bereits siegen können. Max Kanter kommt mit dem Rückenwind seines ersten Profisieges zum Giro, er hat sich sicher etwas vorgenommen. Und Max Walscheid, Alexander Krieger oder gerade auch Marius Mayrhofer haben schnelle Beine und können aus einer Gruppe oder einem reduzierten Feld heraus weit vorne landen.
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Deutscher Doppelsieg: Kanter feiert ersten Profi-Erfolg
Quelle: Eurosport
Als Eurosport-Reporter werden Sie die erste Giro-Woche auf dem Motorrad wieder hautnah miterleben - wie ist das für einen Ex-Profi?
Voigt: Auf dem Motorrad dabei zu sein, ist wie ein Comeback - nur ohne die Schmerzen in den Beinen. Man ist wieder mitten im Rennen, spürt die Begeisterung der Fans am Straßenrand, merkt den Wind und fühlt, ob der Straßenbelag gut rollt oder grob ist. Es ist ein großartiges Gefühl, aber es bleibt auch gefährlich. In jeder Rundfahrt sieht man einen seiner Motorradkollegen stürzen. Und die Einblicke, die ich direkt im Rennen habe und an die Fans oder Kollegen in der Kommentatorenkabine weitergebe, sind ein echter Mehrwert – die Fahrer, auch die jungen Profis, kennen mich und sind bei Interviews vor oder nach den Etappen entsprechend offener.
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Denz schleicht sich bei Voigt zum Interview an
Quelle: Eurosport
Wie sehr ist man wirklich mitten im Rennen, wie gut sind die Eindrücke tatsächlich?
Voigt: Die Einblicke, die man auf dem Motorrad bekommt, sind mit nichts zu vergleichen, wenn es um Einschätzungen zu den Fahrern angeht. Das macht einen riesigen Unterschied – man muss nur zwanzig Sekunden neben der Spitzengruppe fahren, dann weiß ich, wer dort schon am Limit ist und wer noch Reserven hat: Tritt, Mimik, Übersetzung – das sind verräterische Zeichen. Außerdem sehe ich überall im Rennen kleine Details, die wichtig werden könnten – Radwechsel, Verpflegung, kurze Absprachen, die alle in keinem TV-Bild auftauchen und die immer wieder für unsere Übertragung bei Eurosport wichtig werden können.
- Der Giro d'Italia 2024 vom 4. bis 26. Mai live auf Eurosport und discovery+
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Giro-Sprintstar Milan blickt mit Voigt auf die Gold-Fahrt von Tokio
Quelle: Eurosport
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