Das war's mit dem Rosa Trikot für Roglic beim Giro - Del Toro souverän, Stork beeindruckt: Drei Dinge, die auffielen

Die 15. Etappe des Giro d'Italia über den gefürchteten Monte Grappa ist zum Abschluss der zweiten Rundfahrtwoche zum echten Spektakel geworden. Im Kampf um den Gesamtsieg gab es einen großen Verlierer: Primoz Roglic. Dafür beeindruckten die Deutschen, und das Team Lidl-Trek legte nach dem Aus von Kapitän Giulio Ciccone den Schalter um und jubelte mit Carlos Verona. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights XXL: Del Toro hält Attacken-Feuerwerk stand

Quelle: Eurosport

Carlos Verona fuhr in Asiago zum größten Erfolg in seinen 13 Profijahren - und bescherte Lidl-Trek nur 24 Stunden nach dem sturzbedingten Aus von Kapitän Giulio Ciccone den sechsten Etappensieg bei dieser 108. Italien-Rundfahrt.
Am Ende seines 44 Kilometer langen Solos zum Sieg hatte Verona 22 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten - und der kam aus Deutschland: Florian Stork fuhr für Tudor ebenfalls zu seinem bislang besten Karriereergebnis und war deshalb alles andere als 'der erste Verlierer'.
Während an der Spitze die Ausreißer durchkamen, kam es dahinter im Hauptfeld zum Schlagabtausch unter den Favoriten. Dabei verlor allerdings nur einer aus den Top 10 der Gesamtwertung den Anschluss an seine Gegner: Top-Favorit Primoz Roglic.
Besonders souverän trat einmal mehr der Mann im Rosa Trikot auf.
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Veronas Solo-Sieg: Lidl legt nach Ciccone-Aus den Schalter um

Quelle: Eurosport

Drei Dinge, die auf der 15. Etappe auffielen:

1. Das war's mit dem Giro-Sieg für Roglic und Red Bull

3:53 Minuten Rückstand aufs Rosa Trikot, Gesamtrang zehn. Primoz Roglic hat, wenn kein Radsport-Wunder in der Schlusswoche passiert, nach 15 Etappen keine realistische Chance mehr auf den Giro-Sieg. Denn als der Slowene in der Kategorie-2-Steigung von Dori rund 30 Kilometer vor dem Tagesziel zurückfiel, war das kein taktischer oder ein Positionierungsfehler, sondern schlicht und einfach fehlende Power.
"Das ist ja nicht schönzureden: Er konnte einfach nicht mit", sagte auch Red Bull-Bora-hansgrohes Head of Sports, Rolf Aldag, in seiner Rolle als Eurosport-Experte im Velo Club und war froh, dass mit Giulio Pellizzari und dem nach zwei schwachen Wochen endlich wiedererstarkten Daniel Felipe Martinez wenigstens noch zwei Helfer beim Kapitän waren, um den Schaden in Grenzen zu halten.
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Attacken-Hagel der Favoriten - Roglic fällt zurück

Quelle: Eurosport

Trotzdem aber war der am Ende mit 1:30 Minuten Zeitverlust gegenüber allen Kontrahenten in den Top 10 der Gesamtwertung groß - zu groß. Denn diese 90 Sekunden kamen nicht auf ein 0:0 drauf, sondern addierten sich zu den bisherigen Zeitverlusten von der Schotteretappe in Siena und dem Sturzchaos von Nova Gorica hinzu.
Überhaupt: Drei Stürze hat Roglic bei diesem Giro schon hinter sich, dazu nun dieser Einbruch. Das wird mental auch schwer aufzuarbeiten zu sein am dritten Ruhetag der Rundfahrt. "Das war genau der falsche Tag, um einen schlechten Tag zu haben", sagte Bernie Eisel im Velo Club und der verantwortliche Sportliche Leiter vor Ort beim Giro, Patxi Vila, gestand am Eurosport-Mikrofon: "Wir wissen noch nicht genau, was heute passiert ist. Wir müssen es erst analysieren und schauen, was wirklich vorgefallen ist."
Möglich, dass Roglics Schwäche mit dem Sturz vom Vortag zusammenhing und er sich am rennfreien Montag erholt. Doch selbst dann dürfte es nahezu unmöglich sein, die neun starken Kletterer, die im Klassement nun vor ihm liegen, allesamt noch um mehrere Minuten zu distanzieren.
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Roglic bricht ein - Eisel: "Der falsche Tag für einen schlechten Tag"

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"Man kann immer kreativ sein und das Letzte, was stirbt, ist die Hoffnung. Aber realistisch einen taktischen Plan zu machen - das wäre eine Mission, wie als Chris Froome den Giro mit einem 80-Kilometer-Solo gedreht hat. Aber ich glaube, UAE ist als Team so stark, dass das eine sehr, sehr schwere Mission würde", winkte Aldag auf die Frage nach den Siegchancen seines Kapitäns ab.
Am Ruhetag wird man wohl die Frage klären, ob Roglic nun um eine Verbesserung in der Gesamtwertung kämpfen soll oder bei den schweren Bergetappen am Dienstag und Mittwoch eher Kräfte spart, sich erholt, viel Zeit verliert und dann auf der 18. oder 19. Etappe nochmal auf Etappenjagd geht. Denn mit völlig leeren Händen will man bei Red Bull aus dem großen Saisonhighlight Italien-Rundfahrt sicher auch nicht herausgehen.

2. Del Toro mit beängstigender Souveräntität

Es lief nicht alles ideal für UAE-Emirates-XRG auf dieser 15. Giro-Etappe: Das halbe Team wurde schon in der Anfangsphase nach knapp 50 Kilometern an der steilen Muro Di Ca' del Poggio abgehängt und kam anschließend nur dank des Teams Bahrain Victorious nochmal zurück. Und Juan Ayuso musste am Monte Grappa das Arbeitsgerät wechseln, als das Tempo schon recht hoch war.
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Mitten im Anstieg: Ayuso muss Rad wechseln

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Doch den Mann im Rosa Trikot tangierte das alles offensichtlich wenig. Er ließ sich nicht beunruhigen und wehrte sowohl am Monte Grappa die Attacke von Egan Bernal als auch im Anstieg nach Dori die Angriffe von Richard Carapaz sowie den anderen Klassementfahrern souverän ab. Immer war er sofort dabei, klebte an den Hinterrädern seiner wichtigsten Kontrahenten.
"Ineos kam wie ein Zug vorbei. Ich habe Arensman beobachtet, dass er immer wieder eine Lücke ließ und habe versucht zu verstehen, wann er (Bernal) attackieren wird", schilderte Del Toro die Situation am Monte Grappa, als er sich aus dem UAE-Zug an Bernals Hinterrad vorschob, seine Schuhe nochmal festzog und dann bereit war für den Angriff des Kolumbianers.
Es wirkte nahezu spielerisch, wie er alles abwehrte, was auf ihn einprasselte an diesem Tag - und am Hinterrad von Bernal und Carapaz auf dem letzten Kilometer des Monte Grappa sogar freihändig pedalierte, um seine Windweste anzuziehen. Die Szene erinnerte fast schon an seinen Teamkollegen Tadej Pogacar, als der im vergangenen Sommer am Plateau de Beille bei der Tour de France hinter dem attackierenden Jonas Vingegaard ebenfalls freihändig herfuhr und betont lässig eine Trinkflasche über sich ausleerte.
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Bernal attackiert am Monte Grappa - Del Toro und Carapaz folgen

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"Ich bin mit den Attacken nur mitgefahren, weil ich immer vorne bleiben wollte, kein Risiko eingehen", so Del Toro, der nun genau eine Woche im Rosa Trikot unterwegs ist und vor der schweren Schlusswoche 1:20 Minuten Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Simon Yates (Visma-Lease a Bike) hat.
Del Toros Fähigkeit, über drei Wochen durchzuhalten, bleibt die große Unbekannte bei diesem Giro. Doch so wie er sich bislang präsentiert, dürfte man sich in seinem Team kaum noch Sorgen machen.

3. Stork beeindruckt die Deutschen machen Spaß

Während das deutsche Team strauchelt, setzen sich andere deutsche Fahrer bei diesem Giro immer wieder gut in Szene. Auf den 219 Kilometern zwischen Fiume Veneto und Asiago gelang das vor allem dreien: Georg Steinhauser (EF Education-EasyPost) und das Tudor-Duo Marco Brenner und Florian Stork.
Von Beginn an kämpften sie darum, den Sprung in die Ausreißergruppe des Tages zu schaffen. Bis die stand, dauerte es lang, doch sowohl Steinhauser als auch Brenner und Stork attackierten immer wieder mit und schafften es schließlich an die Spitze. Zwar wurden die 35 Spitzenreiter in oder nach der Abfahrt vom Monte Grappa fast alle eingeholt, doch die Deutschen quittierten damit nicht ihren Job für den Tag.
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Steinhauser Ausreißer und Edelhelfer: "Spirit im Team ist super"

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Steinhauser etwa legte den Schalter um und spannte sich für Kapitän Carapaz ein. Am stärksten aber fuhr Stork. Der 28-Jährige sprang noch einmal in eine weitere Ausreißergruppe und fuhr aus der heraus schließlich zum zweiten Etappenrang - mit einem langen Sprint im Zielort 22 Sekunden hinter Solo-Sieger Verona.
"Es waren nicht mal 30 Sekunden. Das heißt, er wäre auch in der Lage gewesen, zu gewinnen. Das lässt natürlich für die Zukunft hoffen. Erstmal aber Respekt dafür, wie er gefahren ist, wie er es angegangen ist", beurteilte Eurosport-Experte Rolf Aldag und Jens Voigt fügte hinzu: "Der zweite Platz ist ein großartiges Ergebnis, aber viel wichtiger ist noch die Art und Weise, wie er gefahren ist - dass er clever genug war, die Gruppe zu erwischen, genügend Tempohärte und Klasse hatte, dabei zu bleiben und am Ende auch nochmal den Unterschied zu machen, um sich Platz zwei zu sichern."
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Stork Etappenzweiter - Aldag lobt: "Respekt, wie er gefahren ist"

Quelle: Eurosport

Stork selbst war im Ziel auch keineswegs unglücklich, den Sieg verpasst zu haben, sondern freute sich über Platz zwei: "Das ist der größte Erfolg meiner Karriere", sagte er "radsport-news.com" vor Ort.
Wie schon im vergangenen Jahr mit dem Etappensieg von Steinhauser am 17. Giro-Tag auf dem Passo Brocon darf man also auch dieses Jahr wieder auf Ausreißer-Action durch die Deutschen in der schweren, bergigen Schlusswoche hoffen.
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Giro-Strecke: Profil der 16. Etappe - Schwere Bergankunft in Brentonico

Quelle: Eurosport


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