Kooij gewinnt 12. Giro-Etappe dank van Uden, Del Toro hat Spaß und Kanter zu wenig Hilfe - drei Dinge, die auffielen
VonFelix Mattis
Update 23/05/2025 um 08:41 GMT+2 Uhr
Im dritten echten Flachland-Massensprint des Giro d'Italia hat es für Olav Kooij und das Team Visma-Lease a Bike auf Etappe 12 endlich mit dem Sieg geklappt – und das, obwohl man eigentlich wieder etwas zu früh dran war. Max Kanter wurde die letzte Kurve zum Verhängnis und bei UAE leckt der Kapitän seine Wunden, während der Shootingstar sichtbar Spaß beim Spielen hat. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights XXL: Van Aert als Edehelfer - Kooij gewinnt Massensprint
Quelle: Eurosport
Das erhoffte Windkanten-Spektakel blieb in der Po-Ebene aus. Nachdem die Vorhersagen vom Vortag interessant ausgesehen hatten, blies der Wind in der Realität zwischen Modena und Viadana zwar aus der passenden Richtung, aber eben nicht stark genug.
Deshalb wurde die 12. Etappe zu einer sehr geradlinigen Angelegenheit: Die dreiköpfige Ausreißergruppe des Tages hatte nie eine echte Chance auf den Tageserfolg und die Sprinter-Teams dominierten den Tag.
Am Ende rückte eine 135-Grad-Kurve 450 Meter vor dem Ziel in den Fokus und entschied das Sprint-Finale vor.
Drei Dinge, die auf der 12. Etappe auffielen.
1. Kooij verdankt Sieg auch van Uden
In Lecce und Neapel ging es schief für den Visma-Sprintzug. Sowohl auf der 4. als auch der 6. Etappe fand sich das Leadout für Olav Kooij mit Edoardo Affini und Wout van Aert nicht zusammen und letztendlich war man etwas zu früh vorne, sodass sich Kooij nochmal zurückorientieren musste, um nicht zu früh im Wind zu sein – und dann den Sieg verpasste.
In Viadana nun gelang das Zusammenfahren mit Affini und van Aert vor Kooij auf den letzten Kilometern besser und man gewann auch den Positionskampf vor der wichtigen letzten Spitzkehre 450 Meter vor dem Ziel. Trotzdem aber drohte dasselbe Schicksal, denn van Aert war wieder sehr früh vorne und musste ein sehr langes Leadout fahren.
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Analyse: Kooij nutzt van Udens frühen Antritt als Sprungbrett
Quelle: Eurosport
Kooij drohte erneut zu früh in den Wind zu müssen und der schon in Lecce erfolgreiche Casper van Uden zog vorbei, der Linie entgegen. Genau das aber war Kooijs Glück: Anstatt vom Hinterrad des langsamer werdenden van Aert früh lossprinten zu müssen, konnte er ans Hinterrad seines Landsmanns von Picnic-PostNL wechseln, sich an ihn heransaugen und auf den letzten Metern erst aus dessen Windschatten heraus vorbeiziehen.
"Die bisherigen zwei Sprints sind nicht gut gelaufen, deshalb bin ich umso glücklicher, dass wir es heute umsetzen konnten", freute sich Kooij und wurde im Sieger-Interview vor allem zur Vorarbeit von van Aert gefragt, den er hochleben ließ: "Nur er kann so einen langen Sprint anfahren. Ihn als Unterstützung zu haben, ist herausragend. Ich muss mich bei ihm aber auch beim restlichen Team bedanken."
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Wout van Aert mit der typischen Handbewegung, Daumen am Kinn: 'Ich war am Limit'
Fotocredit: Getty Images
Klar, van Aert machte einen starken Job, weil er Kooij ganz vorne um die letzte Kurve brachte. Doch im Vergleich zu echten Leadout-Experten war das Visma-Finale eben doch nicht ganz perfekt, der Weg für einen einzigen Anfahrer von der 1.000-Meter-Marke aus doch etwas weit. Der Knackpunkt ist aber: Ein ideal besetztes Leadout mit vollbesetzter Klaviatur bespielt bei diesem Giro ohnehin keiner der Top-Sprinter.
Und so brauchen sie sich eben gegenseitig, wie Kooij van Udens etwas zu früh eröffneten Sprint - wie der auch selbst zugab: "Ich war leider etwas zu früh dran - aber lieber zu früh, als zu spät."
2. Del Toro hat einfach Spaß, Ayuso weniger
Die Situation im Team UAE-Emirates-XRG bleibt interessant. Nach wie vor führt der 21-jährige Mexikaner Isaac Del Toro die Rundfahrt vor dem ein Jahr älteren Mannschaftskapitän Juan Ayuso an. Am Donnerstag vergrößerte sich der Vorsprung des Shootingstars sogar um zwei auf 33 Sekunden, weil er am Red Bull Kilometer 33 Kilometer vor Etappenende zwei Bonussekunden mitnahm.
Das machte Del Toro aus dem Feld heraus mit einem kurzen, harten Antritt und setzte sich scheinbar spielerisch leicht vor Matevz Govekar (Bahrain Victorious) und Nico Denz (Red Bull-Bora-hansgrohe) durch, die für ihre Kapitäne Antonio Tiberi und Primoz Roglic losgefahren waren, um der Konkurrenz die mögliche Bonifikation wegzuschnappen – vergeblich.
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Gegensätze bei UAE: Ayuso laboriert an Wunde, Del Toro spielt
Quelle: Eurosport
"Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass die Ausreißer die Boni wegnehmen und wir eine volle Sprintetappe erleben. Aber dann wurde das Feld wegen des Windes nervös und holte die Ausreißer schneller ein. Deshalb wollte dann jeder GC-Fahrer vor dem Sprint vorne sein und in den Kurven sind wir vorgerückt", schilderte Del Toro nach der Etappe seine kleinen Zeitgewinne. "Ich bin nicht oft in einer solchen Situation. Ich wollte nur clever sein."
Während Del Toro clever und spielerisch die Sekunden einsammelt, hat sein Kapitän momentan offenbar mit einer Wunde am Knie zu kämpfen. Die zog er sich schon bei seinem Sturz auf Etappe 1 zu, doch im verregneten Einzelzeitfahren am Dienstag in Pisa ging sie wieder auf, wie er vor der 12. Etappe gegenüber Eurosport erklärte. Neutral eingeordnet ist das aber wohl eher ein Detail und dürfte ihn nicht allzu sehr belasten.
Interessant war, was im Finale von Viadana zu beobachten war. Denn als es auf den letzten 15 Kilometern für die Klassementfahrer darum ging, möglichst weit vorne im Feld zu fahren, um Sturzrisiken zu vermeiden, gleichzeitig aber nicht im Wind zu sitzen, spannte sich der Mann in Rosa, Del Toro, vor den Mann in Weiß, Ayuso, und hielt den Spanier aus dem Wind. Ein kleiner Wink, der zeigte, wie die Rollenverteilung eigentlich nach wie vor ist.
3. Kanter fehlt die Hilfe und dadurch am Ende die Position
Nach dem vierten Platz auf Etappe 6 in Neapel und dem fünften Rang in Lecce auf Etappe 4, der ihm am Ende aber von der Jury noch genommen wurde, hat Max Kanter (XDS-Astana) auch beim dritten echten Flachland-Massensprint dieses Giros ganz vorne mithalten können. Und tatsächlich war er auf den letzten 300 Metern nicht langsamer als Sieger Olav Kooij oder Casper van Uden. Doch Kanter kam von zu weit hinten.
"Er war wieder auf sich alleine gestellt und hinter Mads Pedersen ist natürlich das größte Gedränge", analysierte Eurosport-Experte Bernhard Eisel. "Da ist er rausgekommen, außen neben Fretin, Thijssen – auch Bennett war noch in dieser Region. Dort in dieser Traube verlierst Du einfach zu viel Kraft."
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Kanter Siebter: Pedersens Hinterrad in letzter Kurve verloren
Quelle: Eurosport
Kanter hatte sich schon an der 4.000-Meter-Marke das Hinterrad des Dänen im Maglia Ciclamino, Pedersen (Lidl-Trek), gesucht, fuhr anschließend am Hinterrad von Kooij auf die letzten zwei Kilometer und verlor das 1,5 Kilometer vor Schluss an Paul Magnier (Soudal-Quick-Step) sowie Pedersen. So ging es direkt hinter Pedersen, also in sehr guter Position, auf die letzte Kurve 450 Meter vor Schluss zu.
Dort aber stachen Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck), Milan Fretin (Cofidis) und Gerben Thijssen (Intermarché-Wanty) innen rein und drängten Kanter zu weit nach außen. Der Cottbuser verlor wichtige Positionen, musste auf der Zielgeraden von neunter Position lossprinten und konnte nur noch zwei Plätze gutmachen.
Auch wenn das erhoffte Spitzenergebnis nicht gelang, gehörte Kanter zu den Endschnellsten. Wenn er doch nur etwas mehr Hilfe von seinem Team hätte.
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Vorschau 13. Etappe: "Als Sprinter klappst Du das Buch wieder zu"
Quelle: Eurosport
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