Giro d'Italia 2025: Drei Dinge, die auffielen - Luxusproblem bei UAE, Desaster für Primoz Roglic, Wout van Aert ist zurück
VonFelix Mattis
Update 19/05/2025 um 08:10 GMT+2 Uhr
Die 9. Etappe des Giro d'Italia hat gehalten, was sie versprochen hatte: Chaos. Der erst in diesem Jahr auch bei Strade Bianche neu eingeführte Schottersektor von Monteroni d'Arbia kostete die Top-Stars Primoz Roglic und Tom Pidcock mehr als nur die Chance auf den Tagessieg. Dafür meldete sich Wout van Aert zurück auf der Siegerstraße und UAE hat nun ein Luxusproblem. Drei Dinge, die auffielen.
Van Aert trumpft in epischem Finale auf - Spektakel fordert Opfer
Quelle: Eurosport
Die 'sterrati', so heißen die weißen Schotterstraßen in der Toskana, haben rund um Siena nicht nur für die erhofft spektakulären Bilder und Radsport-Romantik gesorgt, sondern auch für die befürchteten Probleme.
Bitter aus deutschsprachiger Sicht: Betroffen waren vor allem die Kapitäne des deutschen Teams Red Bull-Bora-hansgrohe sowie der beiden Schweizer Mannschaften Q36.5 und Tudor: Primoz Roglic, Tom Pidcock und Michael Storer.
Während sie Sturz- und Defektpech hatten, sahen die Fans an der Spitze des Geschehens ein großartiges und spannendes Rennen - um den Tagessieg und auch um die Gesamtwertung, wobei sich beides in Siena schließlich gegenseitig bedingte.
Wout van Aert betrieb indes Wiedergutmachung in eigener Sache und machte die Kritik vergessen, die er in diesem Jahr schon einstecken musste.
Drei Dinge, die auf der 9. Giro-Etappe auffielen:
1. Van Aert nutzt taktischen Vorteil zum Sieg
Wout van Aert ist zurück auf der Siegerstraße. Neun Tage weniger als neun Monate nach seinem letzten Sieg auf der 10. Etappe der Vuelta a España hat der Belgier wieder ein Rennen gewonnen - gar keine so lange Durststrecke, eigentlich. Die meisten Radprofis würden sich freuen, wenn sie alle neun Monate siegten.
Doch van Aert und vor allem die belgische Öffentlichkeit haben andere Ansprüche. Der 30-Jährige geriet in diesem Frühjahr mehrfach in die Kritik - vor allem nach seinem Saisonstart in Spanien und nach dem verkorksten Finale bei Dwars door Vlaanderen, wo er trotz 3:1-Überzahl seines Teams am Ende im Sprint gegen Neilson Powless verlor.
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Spannendes Finale in Siena: Van Aert erlöst sich nach langer Wartezeit
Quelle: Eurosport
Bislang vier zweite Plätze und sowohl bei der Flandern-Rundfahrt als auch bei Paris-Roubaix und dem Amstel Gold Race jeweils Rang vier - ein Traum-Frühjahr für viele, eine Enttäuschung für van Aert, so die allgemeine Überzeugung. Als er dann vor dem Giro angeschlagen war, schrieb man ihn für Italien fast schon ab. Doch in Siena sprengte van Aert all die Kritik mit einem Knall in die Luft.
Ausgerechnet da, wo er vor sieben Jahren mit Platz drei bei Strade Bianche für das kleine Team Verandas Willems-Crelan seine erste Duftmarke setzte und am 1. August 2020 seine überragende "Corona-Saison" mit einem beeindruckenden Sieg eröffnete, schaffte er nun den Befreiungsschlag. "Es hat hier sein müssen, hier wo meine Karriere als Straßenfahrer 2018 begonnen hat", strahlte van Aert im Sieger-Interview.
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Van Aert feiert emotionalen Sieg: "Es musste genau hier sein"
Quelle: Eurosport
Auf dem Schotter spielte van Aert seine Fähigkeiten als Weltklasse-Crosser perfekt aus, fuhr immer vorne und war einfach bärenstark. Nur einer schien vielleicht sogar noch stärker: Isaac Del Toro. Doch den Mexikaner schlug der Belgier taktisch. Als das Duo auf den letzten 16 Kilometern nur noch zu zweit war, leistete van Aert kaum mehr Führungsarbeit und berief sich dabei auf seinen in der Verfolgergruppe sitzenden Kapitän.
"Ich habe mich ein bisschen schlecht gefühlt, dass ich nicht mehr geholfen habe, aber er ist auch ein Konkurrent meines Teamkollegen Simon Yates", erklärte van Aert und hob den ins Rosa Trikot gefahrenen Del Toro damit in die Riege der Gesamtsieg-Kandidaten. Und der war ihm auch nicht böse: "Ich kann das verstehen, so war eben die Rennsituation", so der 21-Jährige.
2. UAE hat jetzt ein Luxusproblem
Juan Ayuso will den Giro d'Italia unbedingt gewinnen und wollte eigentlich am Ruhetag das Rosa Trikot schon tragen. Das kündigte der Spanier bereits am Donnerstag an. Nun hat der UAE-Kapitän nach der gefürchteten Schotteretappe in der Toskana tatsächlich alle Kontrahenten in der Gesamtwertung hinter sich gelassen, durfte das Maglia Rosa aber trotzdem nicht anziehen.
1:13 Minuten vor Ayuso nämlich führt sein ein Jahr jüngerer Teamkollege Del Toro den Giro an. Das ist keine Sensation, aber doch eine kleine Überraschung. Und es sorgt nun für eine interessante Situation für die kommenden zwei Wochen:
Ayuso gilt als die sicherere Wette auf den Gesamtsieg für sein Team und sein Vorsprung auf die Konkurrenz ist noch nicht riesig. Er müsste ihn idealerweise aktiv weiter ausbauen - zumal die steile Schlussrampe in Siena gezeigt hat, dass der Spanier ihnen nicht allen überlegen ist. Dort nämlich konnte er beispielsweise Giulio Ciccone, Richard Carapaz, Simon Yates und Antonio Tiberi nicht ganz folgen.
Gleichzeitig aber sind ihm als Gesamtzweitem mit 1:13 Minuten Rückstand auf Del Toro moralisch die Hände gebunden. Anzugreifen, ohne dabei einem attackierenden Kontrahenten zu folgen, wäre ein Affront - eine Attacke auf den eigenen Teamkollegen. Wann Ayuso Zeit herausholen darf, muss er sich nun also von der Konkurrenz diktieren lassen, anstatt sich selbst seinen Moment zu wählen.
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Analyse zum Rosa-Coup von Del Toro: UAE spielt seine Karten perfekt
Quelle: Eurosport
Die Situation könnte daher durchaus für etwas Unruhe im Überflieger-Team, das auch noch Adam Yates und Brandon McNulty in den Top 10 der Gesamtwertung hat, sorgen. Eurosport-Experte Rolf Aldag meinte diesbezüglich:
"Ich glaube, sie haben Grund zum Feiern und werden das tun. Und ich glaube auch Ayuso und Del Toro werden anstoßen. Aber wir wissen auch, dass Ayuso supermotiviert ist und den Giro gewinnen will. Deshalb ist klar, dass er natürlich darüber nachdenkt, was im Team passiert ist."
Del Toro selbst gab sich defensiv: "Mir geht es nicht darum, ob ich besser bin als meine Teamkollegen. Heute war einfach ein perfekter Tag für mich, aber mein Ziel ist nicht, vor meinen Teamkollegen zu sein", sagte er in Siena und blickte auch zurückhaltend auf das 28 Kilometer lange Einzelzeitfahren zwischen Lucca und Pisa am Dienstag voraus: "Das wird das längste Zeitfahren meines Lebens. Wir müssen sehen, wie es läuft."
3. Desaster für Red Bull und Roglic geht weiter
Erst ein großer Zeitverlust vom Vorjahreszweiten Daniel Felipe Martínez auf Etappe 5, dann das Sturz-Aus von Jai Hindley auf Etappe 6 - und nun Sturz und Defekt von Roglic auf dem Schotter in der Toskana: Für Red Bull-Bora-hansgrohe läuft beim Giro bislang überhaupt nichts.
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Primoz Roglic verliert Zeit auf der 9. Giro-Etappe
Fotocredit: Getty Images
Obwohl die Mannschaft in der Anfahrt der Sektoren vieles richtig gemacht und Gianni Moscon Roglic in sehr, sehr guter Position auf den ersten Schotterabschnitt gebracht hatte, ging auf der Etappe, die das Team ohnehin fürchtete - wie schon 2024 bei der Tour de France rund um Troyes - alles schief.
Denn nach der guten Vorarbeit waren Roglics Teamkollegen nicht mehr bei ihm. Als der Slowene auf dem zweiten Sektor wegrutschte, war er allein. Erst als er schon wieder weiterfuhr, kam von hinten die nächste Gruppe, in der Giulio Pellizzari saß und ihm anschließend auch nach dem folgenden Defekt helfen konnte.
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Desaster für Roglic und Red Bull - Eisel: "Will's schnell vergessen"
Quelle: Eurosport
Trotzdem musste man festhalten: Um die enteilte Konkurrenz noch einzuholen, hätte es mehr Manpower an seiner Seite gebraucht. Letztlich musste Roglic froh sein, dass auch Pidcock, Derek Gee und Michael Storer bei ihm hinten waren und es so Unterstützung gab. Das nur am Aus von Hindley festzumachen, wäre aber falsch. Der wäre auf dem Schotter sicher ohnehin nicht die erste Wahl als Bodyguard gewesen.
Erstmals während dieses Giros verlor Roglic im Interview nach der Etappe seine Gelassenheit der vorherigen Tage, stellte aber treffend fest: "Es ist immer noch ein langes Rennen." 1:12 Minuten Rückstand auf den großen Kontrahenten Ayuso, das ist noch kein Weltuntergang. Wichtig, auch für die Moral, wird vor allem nun das Zeitfahren am Dienstag. "Zuerst schauen wir uns mal die Wunden an, dann versuche ich zu regenerieren und dann schauen wir, wie wir die nächsten Etappen angehen", so Roglic.
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Giro-Strecke: Profil der 10. Etappe - Flaches Zeitfahren nach Pisa
Quelle: Eurosport
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