Giro d'Italia - Drei Dinge, die auf der 15. Etappe auffielen: Sprinter-Frust in Mailand befeuert Motorrad-Debatte
VonFelix Mattis
Update 25/05/2026 um 10:58 GMT+2 Uhr
Die 15. Etappe des Giro d'Italia in Mailand ist nicht mit dem erwarteten Massensprint um den Tagessieg zu Ende gegangen: Die Ausreißer behaupteten sich vor dem jagenden Peloton und der Norweger Fredrik Dversnes triumphierte - sogar auf Ankündigung. In den Fokus rückten auf dem Rundkrus in der Metropole aber vor allem auch Begleitmotorräder und die Streckensicherheit. Drei Dinge, die auffielen.
Highlights: Ausreißer überrascht auf verkürzter Etappe nach Mailand
Quelle: Eurosport
Fredrik Dversnes feierte in Mailand einen Ausreißercoup, den sich sein Team Uno-X Mobility nach den zwei zweiten Plätzen von Andreas Leknessund redlich verdient hatte. Und das Beste: Er hatte schon vor einigen Tagen teamintern angekündigt, "die Sprinterteams in Mailand austricksen" zu wollen.
Mit gutem Pacing der Spitzengruppe gelang ihm das am Ende und diese sportliche Leistung wollte anschließend auch kein Kontrahent schmälern. Allerdings kamen die Gegner trotzdem nicht umhin, ihrem Frust Luft zu verschaffen, da sie sich ihrer Siegchance durch äußere Einflüsse beraubt sahen.
Im Fokus stand in der Lombardei-Metropole aber auch die Sicherheitsthematik einmal mehr. Giro-Leader Jonas Vingegaard bewirkte bei der Jury daher eine vorgezogene Zeitnahme.
Drei Dinge, die auf der 15. Etappe auffielen:
1. Motorrad-Debatte überlagert Ausreißer-Coup
Während Dversnes und das Uno-X-Team den Ausreißer-Coup des Norwegers und seiner drei italienischen Begleiter in Mailand feierten, stand der Konkurrenz der Frust ins Gesicht geschrieben: Die Sprinter schauten in die Röhre, mussten sich nach dem Crash in der letzten Kurve von Neapel auf Etappe 6 erneut die Chance auf einen Tagessieg vor der Nase wegschnappen lassen.
Doch während das in "Napoli" mit dem feuchten Kopfsteinpflaster in der letzten Kurve einen ganz simplen Grund hatte, wurde es in Mailand nun etwas diffiziler. Offensichtlich hatten die Sprinter-Teams sich bei der Verfolgungsjagd verkalkuliert, konnten die Ausreißer nicht mehr rechtzeitig einholen.
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Walscheid wütet: "Motorräder haben Rennen beeinflusst"
Quelle: Eurosport
Die Helfer der "schnellen Männer" aber wollten das so nicht stehen lassen. Sie hatten eine andere Theorie: "Heute haben Motorräder leider den Ausgang des Rennens beeinflusst", meinte Max Walscheid (Lidl-Trek), der bis acht Kilometer vor dem Ziel viel zur Verfolgungsjagd des Feldes beigetragen und sich dabei mit Vollgas völlig leergefahren hatte - ohne die Spitzengruppe zurückzuholen.
Ihm stimmten auch die Vertreter der anderen an der Verfolgung beteiligten Teams zu. "Vier Mann gegen vielleicht 20 - aus jedem Team sicher fünf oder sechs. Das ist schwer zu glauben", meinte Fabio Van den Bossche (Soudal-Quick-Step) und Elmar Reinders (Unibet-Rose Rockets) sagte: "Ich glaube, es war ein gutes Motorrad."
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Reinders übt Kritik: "Da war ein gutes Motorrad an der Spitze"
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Das Thema ist nicht neu: In den vergangenen Jahren und Monaten wird immer häufiger in der Szene diskutiert, dass die Begleitmotorräder den Spitzenreitern helfen, weil sie angesichts der hohen Geschwindigkeiten noch einen großen Windschatteneffekt haben, selbst wenn sie augenscheinlich nicht regelwidrig nah vor einer Gruppe fahren. Selbst rund um einige Solosiege von großen Stars wie Tadej Pogacar gab es diese Kritik bereits.
In Mailand, das war im TV-Bild zu sehen, fuhr ein Motorrad aber streckenweise auch sehr nah vor dem jagenden Peloton. Dversnes' Teamkollege Andreas Leknessund forderte das wild gestikulierend auf, mehr Abstand zu nehmen, um die Verfolger nicht zu bevorteilen. Wie groß die Auswirkungen jeweils tatsächlich waren, das lässt sich natürlich nicht beweisen.
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Voigt kontert Walscheid im Velo Club: "Mal für dich, mal gegen dich"
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Unterm Strich blieb ein heldenhafter, gefeierter Ausreißercoup auf der einen Seite und viel Frust auf der anderen - und die Erkenntnis von Dylan Groenewegen mit Blick auf die letzte Massensprint-Chance in einer Woche: "In Rom lassen wir dann vielleicht keine Ausreißer mehr wegfahren!"
2. Peloton klagt, die Jury hört zu
Der Giro und seine Großstadt-Ankünfte: Geht es nach Neapel, weiß inzwischen jeder im Peloton, dass die Straßen glatt sind und bei Nässe richtig gefährlich werden. Geht es nach Mailand, machen oft Unebenheiten, Schlaglöcher und mitunter auch hoch aus dem Asphalt ragende Straßenbahnschienen Probleme. Auch das ist nichts, was niemand weiß.
Trotzdem führte Etappe 15 am Sonntag in Mailands Zentrum und dort auf einen High-Speed-Rundkurs, und schnell wurde zumindest den Fahrern deutlich: Das wird ganz schön gefährlich hier!
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Redebedarf bei Vingegaard - Superstar beschwert sich über Absperrung
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Nach einer der vier Runden in Mailand suchten daher nacheinander Filippo Ganna (Netcompany-Ineos), Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) und Giulio Ciccone (Lidl-Trek) das Auto des Jury-Präsidenten auf, um sich zu beschweren. Und siehe da: Die Jury reagierte!
Die Zeitnahme für die Gesamtwertung wurde an den Anfang der Schlussrunde, also etwa 16 Kilometer vor der tatsächlichen Zielankunft, vorverlegt, so dass im Etappenfinale nicht alle Klassementfahrer auch noch in die Positionskämpfe mit den Sprinter-Teams eingreifen mussten.
"Sie haben uns wirklich zugehört und entsprechend gehandelt. Dafür will ich ihnen heute danken", lobte Vingegaard nach der Etappe und auch sein Sportlicher Leiter Marc Reef pflichtete bei: "Die Entscheidung wurde dann auch schnell getroffen und deutlich kommuniziert. Damit sind wir happy!"
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Aldag im Velo Club über Vingegaard-Beschwerde: "Sein Wort hat Gewicht"
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Fraglich schien, warum so etwas erst mitten im Rennen auffällt und dann reagiert werden muss. Reef: "Man weiß natürlich vorher, wo Kopfsteinpflaster ist und wo die Schienen sind. Aber wie sie die Absperrgitter aufstellen, wie schwer die Schlaglöcher sind und so weiter, das können wir mit unseren Informationen, die wir vorher bekommen, und mit Satelittenbildern natürlich nicht erkennen."
Eurosport-Experte Rolf Aldag erklärte im Velo Club, wo das Problem tatsächlich liegt: Es gibt keine offizielle Streckenabnahme durch Sicherheitsveranmtwortliche des Radsport-Weltverbands UCI. "Meiner Meinung nach müsste der Chef-Kommissär jeden Meter einer Grand Tour abfahren und unterschreiben: Die ist sicher", so Aldag.
3. Milan läuft weiter dem Glück hinterher
Im vergangenen Jahr war Jonathan Milan der große Sprint-Star der Tour de France und gewann dort neben zwei Etappen das Grüne Trikot. 2023 und 2024 ging jeweils bereits das Maglia Ciclamino beim Giro bereits an den Italiener, mit in Summe vier Tageserfolgen.
Doch 2026 ist bei seiner Heimat-Rundfahrt der Wurm drin für den 25-Jährigen. Auf der 1. Etappe im bulgarischen Burgas verlor er im Getümmel seinen Anfahrer Simone Consonni, traute dann der Power von Max Walscheid zu wenig und musste sich daher mit Platz vier begnügen. Zwei Tage später in Sofia unterlag Milan knapp Paul Magnier und wurde Zweiter.
Auf Etappe 6 in Neapel stürzte er gemeinsam mit Dylan Groenewegen in der nassen letzten Kurve und auf Etappe 12 auf dem Weg nach Novi Ligure holte er am Berg alles aus sich heraus, verpasste den Anschluss an die erste Gruppe kurz vor der Kuppe letztlich aber doch und konnte daher nicht um den Sieg kämpfen.
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Jonathan Milan mit seiner Freundin Samira Maarouf nach der Ankunft in Mailand.
Fotocredit: Getty Images
Die Ankunft in Mailand sollte nun die Erlösung bringen, endlich den ersehnten Sieg am Ende der zweiten Giro-Woche. Doch stattdessen endete auch dieser Tag im Frust, weil alle Verfolgungspower von Walscheid und Co. - sogar Klassementfahrer Derek Gee-West beteiligte sich an der Jagd auf die Ausreißer - letztlich vergebens war.
Nun bleibt noch eine einzige Chance: Die Schlussetappe am kommenden Sonntag in Rom könnte noch mit einem Massensprint enden.
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Giro-Strecke: Profil und Kurs der 16. Etappe - Bergankunft in der Schweiz
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