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Marcel Kittel beendet Karriere: Tour-Rekordetappensieger hört auf
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Publiziert 23/08/2019 um 16:04 GMT+2 Uhr
Marcel Kittel hat seine Karriere als Radprofi beendet. Dies gab der Top-Sprinter bekannt, der deutscher Rekord-Etappensieger bei der Tour de France ist. Zwischen 2013 und 2017 gewann er 14 Etappen beim größten Radrennen der Welt und trug zweimal das Gelbe Trikot. Auch beim Giro d'Italia holte er Siege und trug das Rosa Trikot. Kittel hatte im Mai seinen Vertrag beim Team Katusha-Alpecin aufgelöst.
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"Die große Frage der letzten Monate war für mich: Kann und will ich mich noch so für den Sport aufopfern, wie es für ein Weltklasse-Niveau nötig ist? Und meine Antwort heute ist: Nein, das will ich nicht mehr, weil ich die Einschränkungen als Spitzensportler auch immer mehr als Verlust an Lebensqualität empfand", hieß es in einer Stellungnahme Kittels.
Dem Spiegel sagte Kittel:
Bei Katusha habe er zuletzt kein Vertrauen gespürt, "sondern nur Druck. Druck. Druck."
Kittel hat in seiner Karriere 89 Profisiege gefeiert. Im Trikot der belgischen Mannschaft Quick Step gewann er 2017 fünf Etappen der Tour de France.
Kittel beklagt "Verlust an Lebensqualität"
Der Kopf will nicht mehr, der Körper hat genug von der Schufterei, und mit dem Herzen ist Marcel Kittel schon lange nicht mehr dabei: Deutschlands bester Sprinter des vergangenen Jahrzehnts hat einen Schlussstrich gezogen und mit nur 31 Jahren seine Radsport-Karriere beendet. "Ich bin durch damit", sagte Kittel dem Spiegel: "Ich habe die Freude an dem Sport verloren."
Die Entscheidung des Hünen aus dem thüringischen Arnstadt kommt nicht gänzlich überraschend. Im Mai hatte Kittel seinen Vertrag beim Team Katusha-Alpecin aufgelöst und eine Auszeit vom Profigeschäft genommen. Daraus wurde nun ein endgültiger Abschied - zwei Jahre nachdem Kittel mit fünf Etappensiegen bei der Tour de France 2017 der strahlende Held gewesen war.
"Es war ein langer Prozess", sagte Kittel, und lange hat er mit sich gerungen. Noch einmal einen Anlauf wagen, beim niederländischen Rennstall Jumbo-Visma um seinen Kumpel Tony Martin, einem Team mit hohem Wohlfühlfaktor? Doch letztlich sah der deutsche Tour-Rekordetappensieger keine Perspektive, keinen Reiz, nichts Schönes mehr im Profidasein.
"Da gab es nicht viel links und rechts. Familie, Freunde, alles ist zu kurz gekommen. Dazu die permanente Müdigkeit und Routine. Ich habe diesen Verlust an Lebensqualität immer mehr realisiert", sagte Kittel.
Kittel: "Am Ende nur noch unglücklich"
Erstmals seien im "Seuchenjahr" 2015 Zweifel aufgetaucht, als Kittel krankheitsbedingt monatelang durchhing. Tage habe es damals gegeben, da sei er zehn Kilometer gefahren, "dann habe ich geheult und bin wieder umgedreht". Kittel suchte psychologische Hilfe, dennoch blieb die Frage: "Warum mache ich das eigentlich?"
Lange sorgten Erfolge für eine zufriedenstellende Antwort, beim Vorläufer des heutigen Sunweb-Teams, wo Kittel ab 2011 in die Weltklasse vordrang, wie bei Quick Step, wo er 2016 und 2017 hochbezahlter Topstar war. Mit dem Wechsel 2018 zu Katusha-Alpecin, das sich mit Fahrern wie Martin und Kittel einen prominenten deutschen Anstrich verpassen wollte, begann der Niedergang.
"Meine Erfahrung bei Katusha war nicht der Grund, aber der Anstoß, darüber nachzudenken, was mir wichtig ist", sagte Kittel. Drei Siege feierte er im Katusha-Trikot, 26 waren es in zwei Quick-Step-Jahren, Kittel wurde öffentlich als faul und geldgierig an den Pranger gestellt. Wie sehr ihn das traf, ließ er erst jetzt durchblicken.
"Ich habe kein Vertrauen gespürt, sondern nur Druck, Druck, Druck", sagte Kittel, der schon die Premierensaison 2018 vorzeitig ausgebrannt beendete: "Der ganze Stress hat sich körperlich ausgewirkt, ich fühlte mich krank, saß mit einem Stein im Magen auf dem Rad." Der Abschied vom Team war zwangsläufig:
Kittel: Babyglück und Studium
Glück will Kittel nun in einer radsportfreien Zukunft finden. Ab dem Wintersemester studiert er an der Uni Konstanz Wirtschaft, im November werden er und seine Lebensgefährtin Tess Eltern - auch das ein Grund für den Rücktritt: "Als Radfahrer bist du 200 Tage im Jahr unterwegs. Ich möchte meinen Sohn nicht über Skype aufwachsen sehen."
Langjährige Weggefährten bedauern Kittels Schritt. "Er ist der weltbeste Sprinter, hätte noch viele Radrennen gewinnen können", sagte Tony Martin dem Spiegel. Der gemeinsame Manager Jörg Werner meinte: "Er hat einen ganzen Sack voller Talent. Ich glaube, er würde noch fahren, wenn es bei dem Team anders gelaufen wäre."
Kittel weiß den Zuspruch zu schätzen:
(SID)
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