Die Außenmikrofone ertappten Patrick Moster auf frischer Tat.
Laut und deutlich war die rassistische Entgleisung des Sportdirektors der deutschen Radfahrer zu verstehen - er muss deshalb trotz einer umgehenden Entschuldigung um seinen Job fürchten.
"Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm", hatte Moster seinem Schützling Nikias Arndt beim olympischen Zeitfahren zugerufen.
Olympia - Radsport
"Kameltreiber"-Anfeuerung: Arndt distanziert sich deutlich
28/07/2021 AM 13:34
"Die Aussage ist nicht akzeptabel", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping und ergänzte: "Wir werden darüber nach den Olympischen Spielen sprechen und dabei die Entschuldigung von Moster auch in die Bewertung einbeziehen, sowie den besonderen Stress, dem das deutsche Männer-Team Straße ausgesetzt war."

Rassistische Entgleisung von Sportdirektor Moster: "Hol die Kameltreiber!"

Olympia-Eklat: Arndt distanziert sich

Arndt selbst zeigte klare Kante. "Ich bin entsetzt über die Vorfälle beim heutigen olympischen Zeitfahren und möchte mich hiermit deutlich von den Aussagen des sportlichen Direktors distanzieren! Solche Worte sind nicht akzeptabel", schrieb Arndt bei Twitter.
In den Sozialen Medien folgte auf Mosters Sätze ein Sturm der Entrüstung. Seine Entschuldigung folgte schnell - ob sie ihm seinen Job rettet, ließ der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) offen.
Moster, seit 2012 als Sportdirektor des Verbandes, hatte zuvor versichert, dass es ihm "wahnsinnig leid" tue. "Ich kann mich nur für die getätigten Worte entschuldigen", sagte der 54-Jährige dem SID. Er bekräftigte, dass der momentane Stress und die Hektik aber keine Entschuldigung für seinen Aussetzer seien dürften. "Das darf nicht passieren", sagte Moster.

DOSB reagiert auf Moster

Auch der DOSB reagierte auf den Eklat.
"Unser Team D steht für die Einhaltung der olympischen Werte Respekt, Fairplay und Toleranz und lebt diese in all ihren sportlichen Wettbewerben. Es ist wichtig, dass sich Patrick Moster unmittelbar nach dem Wettkampf für die heutigen Aussagen entschuldigt hat", sagte Präsident Alfons Hörmann: "Zwischenzeitlich haben wir dazu ein offenes und selbstkritisches Gespräch geführt und haben dadurch den Eindruck und die Sicherheit gewonnen, dass es ihm unendlich leid tut."

"Kameltreiber"-Entgleisung: DOSB-Präsident Hörmann bezieht Stellung

Moster und das Team würden aus dem Vorfall "die notwendige Sensibilität für die künftigen Wettbewerbe mitnehmen". Vor Arndt waren der Eritreer Amanuel Ghebreigzabhier und der Algerier Azzedine Lagab im Kampf gegen die Uhr auf die Strecke gegangen.

Moster entschuldigt sich

Er könne es sich selbst nicht erklären, wie es zu dieser Äußerung gekommen sei, sagte Moster. Direkt im Anschluss an das Rennen, das der ehemalige Skispringer und letztjährige Tour-Zweite Primoz Roglic (Slowenien) gewann, versuchte er eigenen Angaben zufolge, Kontakt mit den beiden betroffenen Fahrern aufzunehmen. Vergeblich.
So versuchte Moster vehement seine grundsätzlich antirassistische Haltung herauszustellen. "Ich bin in keinster Weise gegen ausländische Mitkonkurrenten in rassistischer Absicht oder ähnlichem unterwegs", betonte Moster im Gespräch mit dem SID. Er "schätze und achte die Leistungen, die von allen Sportlern hier gebracht werden". Moster erwähnte zudem, dass er auch in seinem Bekanntenkreis Freunde mit Wurzeln aus Nordafrika habe.
Ob all diese Einsicht ihm am Ende seinen Job noch retten kann, wird er erst nach seiner Rückkehr in die Heimat erfahren.
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(SID)
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