Paris - Roubaix ist "Blödsinn": Tadej Pogacar geht mit Start beim Klassiker hohes Risiko ein - Sturz könnte Tour kosten
VonJan Zesewitz
Update 28/03/2025 um 09:28 GMT+1 Uhr
Es ist offiziell: Nach langem Hin und Her mit Trainingsaufnahmen aus dem Wald von Arenberg und unzähligen kryptischen Aussagen von Tadej Pogacar und seinem Team ist klar - er wird bei Paris - Roubaix am Start stehen. Nachdem der Weltmeister bei Mailand - Sanremo den Sieg bei einem Monument verpasste, will er nun in der "Hölle des Nordens" gewinnen. Eine Teilnahme birgt aber auch große Risiken.
Cycling : Repost Social - Pogacar in Arenberg
Quelle: Eurosport
"Paris - Roubaix ist Blödsinn." Das sagte kein Geringerer als Bernard Hinault. Der fünffache Tour-de-France-Sieger und Weltmeister hasste Kopfsteinpflaster. Trotzdem ließ er es sich als amtierender Weltmeister nicht nehmen, an der "Königin der Klassiker" teilzunehmen - und zu gewinnen.
Den Pflasterstein, den jeder Sieger als Trophäe erhält, drückte er nach der Siegerehrung seinem Sportlichen Leiter in die Hand und sagte: "Hier hast du deinen Scheißstein."
Die Parallelen zu Pogacar existieren nur auf den ersten Blick. Auch der Slowene wird das Regenbogentrikot auf den Kopfsteinpflasterpassagen in Nordfrankreich repräsentieren und sicher gewinnen wollen. Im Unterschied zum "Dachs" hasst Pogacar derartige Abschnitte nicht und er wollte unbedingt zum ersten Mal am Rennen teilnehmen, für Hinault war es schon die vierte (und tatsächlich vorletzte) Teilnahme.
Sollte der 26-Jährige den Pflasterstein tatsächlich gewinnen, würde es positivere Bilder des Siegers mit seiner Trophäe geben als vom Franzosen im Jahr 1981. Dieser Sieg ist allerdings alles andere als gewiss - und die Risiken sind groß. Ein folgenschwerer Sturz könnte den angestrebten nächsten Triumph bei der Tour de France kosten.
Pogacar spielt mit seinen Tour-Ambitionen
Bereits Anfang März stürzte Pogacar heftig bei Strade Bianche und ließ sich trotzdem nicht vom Sieg in Siena abhalten. Sein Sportdirektor wollte im Zuge des Schocks den Roubaix-Plänen seines Schützlings eigentlich einen Riegel vorschieben.
"Tadej will das Rennen ausprobieren, aber ich sage ihm immer, dass er warten muss", so Gianetti in einem Interview mit "Cyclingnews", "RAI" und "Gazzetto dello Sport". Er hätte sich das Schlüsselbein brechen und ernsthaft verletzen können. Er hat sich den Kopf angeschlagen, allerdings erst, nachdem er in die Wiese geflogen war, zum Glück. Er hat sich Schürfwunden zugezogen, aber es hätte noch viel schlimmer kommen können."
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Fieser Sturz! Pogacar überschlägt sich in den Graben
Quelle: Eurosport
Vor allem mit Blick auf die Tour de France war der Schweizer ein Gegner der Teilnahme Pogacars: "Ein Sturz dort könnte unsere Ziele bei der Tour de France gefährden. Tadej soll keine Risiken eingehen."
Widerspruch zu Gianettis Aussagen kam von einem Teamkollegen. "Ich denke nicht, dass Roubaix riskanter ist als die Flandern-Rundfahrt", sagte Florian Vermeersch, der in den Frühjahrsklassikern viel Erfahrung mitbringt, im Gespräch mit Daniel Benson. "Das Sturzrisiko ist in jedem Rennen gleich, also denke ich nicht, dass das ein großes Argument ist." Und der Start in Flandern, wo Pogacar schon gewann, stand von Anfang an im Programm.
Pogacar will zu den größten der Geschichte gehören
Das Team UAE Emirates-XRG lieferte keine Begründung mit, aber der zeitliche Zusammenhang mit der knappen Niederlage bei Mailand - Sanremo lässt sportlichen Ehrgeiz und einen besonderen Platz in der Radsport-Historie als wahrscheinlichsten Hintergrund vermuten. "Sein Herz gehört den Klassikern, nicht nur den Grand Tours", sagte Vermeersch. "Es ergibt Sinn für mich, dass er Roubaix gewinnen will. Wenn ich in seiner Position wäre, würde ich es genauso machen."
Eurosport-Experte Alberto Contador hält das Risiko für hoch, auch wenn es für die Fans ein absolutes Spektakel ist. "Nicht nur er, sondern das ganze Team gehen ein enormes Risiko ein", sagte er im Exklusiv-Interview. "Im Regen, auf nassem Untergrund, ist die Chance zu stürzen sehr hoch. Und bei Roubaix stürzt man nicht wie auf einer sauberen Straße, es kann auf Kopfsteinpflaster viel schlimmer ausgehen. Sie gehen ein Risiko ein, aber sie wollen das tun und Pogacar ist natürlich ein ganz besonderer Fahrer."
Auch für den Spanier, der zwar alle Grand Tours gewann, aber nie in Roubaix startete, sind die Geschichtsbücher ein gewichtiges Argument bei der Teilnahme: "Die fünf Monumente zu gewinnen, ist sehr wichtig für ihn, vor allem, wenn er sich mit Fahrern wie Merckx vergleichen möchte", sagte der Spanier. "Pogacar hat eine enorme Gier auf Siege und er ist einer der Fahrer, die in der Lage sind, jedes Rennen zu gewinnen, bei dem sie starten."
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Tour-Favoriten bei Roubaix - ein seltenes Bild
Der letzte Fahrer, der an Paris - Roubaix teilnahm und im selben Jahr die Tour de France gewann, war Geraint Thomas 2018. Der startete aber weder beim Monument noch drei Monate später bei der Tour als Topfavorit.
Er stieg bei Roubaix aus und nutzte das Rennen zur Vorbereitung auf die Kopfsteinpflasteretappe der Tour-Austragung in jenem Jahr - bei der er sich direkt einen Vorteil im Gesamtklassement noch vor den ersten Bergen verschaffen konnte.
Die einzigen, denen in einem Jahr das "Double" gelang, waren Hinault und Merckx - genau die beiden Fahrer, mit denen sich Pogacar auch historisch vergleichen möchte. Es gelang noch weiteren Tour-Siegern, aber nicht in einem Jahr oder aber vor mehr als 100 Jahren - selbst die Zeit Hinaults ist schwer mit der heutigen zu vergleichen.
So sind nicht nur Tour-Favoriten eine Seltenheit im berüchtigten Wald von Arenberg, sondern es verirren sich generell nur aus Versehen leichte Bergfahrer dorthin. In der Siegerliste finden sich ausschließlich Fahrer mit einem Gewicht von über 70 Kilogramm, Magnus Backstedt gewann 2004 mit kolportierten 94 Kilogramm Gewicht - Pogacar wiegt rund 66 Kilogramm.
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Paris-Roubaix: Geschichte(n) aus der Hölle des Nordens
Quelle: Eurosport
Van der Poel glaubt an Pogacars Chance
Der Slowene ist natürlich alles andere als ein reiner Bergspezialist und seit seinem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt 2023 und seinen Auftritten bei den Kopfsteinpflaster- und Graveletappen der Tour zweifelt niemand ernsthaft daran, dass er auf dem Weg ins Velodrom von Roubaix zu den Topfavoriten zählt.
Auch der wohl größte Konkurrent, Mathieu van der Poel, traut Pogacar viel zu: "Er hat bei der Roubaix-Etappe in der Tour gezeigt, wie stark er auf Kopfsteinpflaster istist", sagte er bei "Cyclingnews". "Also klar kann er gewinnen. Es wird nicht leicht sein, ist es nie, aber er hat eine Chance."
Van der Poel dominierte die vergangenen beiden Ausgaben als Solist, auch Wout Van Aert will endlich seinen ersten Pflasterstein gewinnen - die Konkurrenz für Pogacar wird groß sein.
Ausgerechnet Hinault aber glaubt an Pogacar: "Er kann auf jeden Fall gewinnen, er hat vor nichts Angst", so der fünffache Tour-Sieger gegenüber "Ouest France", der die Argumente wie Körpergewicht und Sturzgefahr nicht gelten lässt:
"Ich verstehe die Leute nicht, die sagen, man müsse viel wiegen, um Roubaix zu gewinnen. Ich war auch nicht schwer und habe trotzdem gewonnen. Man muss nur geschickt auf dem Rad sein und sich auf dem Kopfsteinpflaster wohlfühlen", so der tatsächlich seinerzeit leichtere Bretone.
Und die Stürze? "Paris - Roubaix ist nicht riskanter als andere Rennen", behauptet der inzwischen 70-Jährige - der aber auch bei jedem seiner fünf Starts auch im Velodrom ankam.
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Mountainbiker testet das Roubaix-Pflaster: "Das ist verrückt"
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