Paris - Roubaix: "Tadej Pogacar hat das Spiel komplett neu geschrieben" - Bernhard Eisel exklusiv zur Hölle des Nordens

Eddy Merckx, Roger De Vlaeminck, Rik Van Looy - das ist die Liste aller Fahrer, denen es bisher gelang, alle fünf Monumente des Radsports zu gewinnen. Tadej Pogacar könnte am Sonntag in diese erlesene Liste aufsteigen, sollte es ihm gelingen, Paris - Roubaix zu gewinnen. Der Eurosport-Experte Bernhard Eisel sprach exklusiv über die Favoriten und neue Fahrertypen bei der "Hölle des Nordens".

Der letzte Schliff: Pogacar und Co. trainieren auf Kopfsteinpflaster

Quelle: Eurosport

"Pogacar hat das Ganze verändert, er hat das Spiel komplett neu geschrieben und jetzt sind auch alle anderen wieder drauf aufgesprungen und sagen: Schau mal, wenn der kann, dann kannst du auch", sagte Eisel im Interview über den slowenischen Superstar, der auf allen Terrains und topografischen Begebenheiten zur absoluten Weltspitze zählt.
"Früher waren Rundfahrer komplette Exoten bei Rennen wie Paris - Roubaix und man hat dann ein Team um sie gebaut, damit sie irgendwie heil durchkommen", erklärte der Österreicher weiter. "Jetzt ist es plötzlich so, dass ein Pogacar oder in Flandern auch ein Evenepoel sich einfach mit an den Start stellen, vorne mitfahren und gar nicht groß überlegen. Früher haben die Rundfahrer gesagt: Ihr seid die Verrückten, macht das mal ihr Klassikerfahrer, wir bleiben weit weg."
Pogacar hält von diesen alten Regeln nichts. Er ist neben van der Poel auch bei der "Königin der Klassiker" der Topfavorit. Die ersten beiden Monumente - Mailand - Sanremo und die Flandern-Rundfahrt - gewann er in diesem Jahr bereits, obwohl sie nicht auf sein vermeintliches Profil als Bergfahrer und Rundfahrer zugeschnitten sind.
Eisel sieht die Hölle des Nordens, aber nicht als reines Duell der beiden Überflieger, obwohl van der Poel das Rennen in den vergangenen drei Jahren gewinnen konnte. "Die Karten werden neu gemischt", sagte Eisel. "Es gibt immer wieder Überraschungen - nicht immer, aber das ist der Unterschied zu Flandern oder der Tour de France, da gibt es das gar nicht mehr. In Roubaix aber kann man ein kleines Formdefizit mit Motivation und Streckenkenntnis oder einer Attacke im richtigen Moment wettmachen."

Van der Poel vs. Pogacar bis zum Velodrom?

Die große Frage ist, ob das auch gegen van der Poel und Pogacar gilt. Die letzten elf Monumente teilten diese beiden unter sich auf - der Slowene gewann sieben, der Niederländer vier der wichtigsten Eintagesrennen des Radsports.
Für Eisel ist es ein Duell auf Augenhöhe - aber andere könnten ihnen die Suppe versalzen. "Sie sind auf gleichem Niveau und da kommen vielleicht noch ein oder zwei Fahrer dazu, die da mitspielen können", glaubte der Österreicher. "Dahinter wird es eine Lücke geben. Bei einem Zweier-Sprint im Velodrom sehe ich van der Poel vorn. Falls eine etwas größere Gruppe der Topfahrer ankommt, ist Mads Pedersen für mich im Sprint der Favorit."
Eisel bringt große Erfahrung von den entscheidenden Stellen mit. Nicht weniger als 16 Mal stand er bei der Hölle des Nordens am Start - und kam immer im Velodrom in Roubaix an. Sein bestes Ergebnis war ein fünfter Platz im Jahr 2006.
Im Vergleich zu seiner Zeit hat sich das Rennen aber stark verändert, sagte Eisel: "Das Finale beginnt immer früher - aber entscheiden wird das die Rennsituation. Was eine extreme Rolle spielt, ist der Wind. Da muss man die offenen Stellen finden und an der richtigen Stelle losfahren."
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Van der Poel mit Roubaix-Hattrick: Seine drei Siege im Rückblick

Quelle: Eurosport

Legendär ist der Wald von Arenberg, der rund 100 Kilometer vor dem Ziel auf die Fahrer wartet. Für den 45-Jährigen ist aber eine andere Stelle mindestens ebenso wichtig: "Haveluy, also der Sektor noch vor dem Wald von Arenberg, ist immer mehr und mehr zum entscheidenden Sektor geworden", analysierte Eisel. "Da ist immer Hektik. Da ist immer Trubel. Die Einfahrt nach Haveluy ist fast so wichtig wie die Einfahrt in Arenberg."
Die Favoriten werden auch diesen Sektor im Roadbook rot angestrichen haben.
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Fünf Monumente in einem Jahr gewinnen? Pogacar: "Ich werde es versuchen"

Quelle: Eurosport


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