Nächster Meilenstein für Peter Sagan - Paris-Roubaix als Krönung?

Peter Sagan steckte seine Brille lässig in die Locken und lächelte. Die Erleichterung beim Straßenrad-Weltmeister war nach dem ersehnten Sieg bei der 100. Flandern-Rundfahrt unübersehbar, der Slowake wirkte nach dem ersten Triumph bei einem der fünf Monumente des Radsports von einer Riesenlast befreit. "Ich bin sehr glücklich über diesen Erfolg, jetzt möchte ich ein wenig Spaß haben", sagte Sagan.

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Seit Tom Boonen 2006 hatte kein amtierender Weltmeister mehr bei der "Ronde" gewonnen. War das so begehrte Regenbogentrikot in den vergangenen Jahren für die jeweiligen Träger eher Fluch als Segen, scheint es den viermaligen Sieger des Grünen Trikots der Tour de France zu beflügeln. Ob Philippe Gilbert (2012), Rui Costa (2013) oder auch Michal Kwiatkowski (2014) - im Folgejahr des WM-Triumphs blieben die großen Erfolge für die Titelträger zumeist aus. Sagan durchbrach diese Negativserie mit den Siegen bei Gent-Wevelgem und der Flandern-Rundfahrt - und könnte schon am kommenden Sonntag bei Paris-Roubaix für den nächsten Coup sorgen.
Die Chancen stehen gut. Die "Hölle des Nordens" ist ganz nach dem Geschmack Sagans, dem Mann für das Spektakel, der seinen vermeintlich schärfsten Rivalen Fabian Cancellara (Trek) schon in Belgien mit Leidenschaft in die Schranken wies.

"Niemand will mit mir zusammenarbeiten"

Am letzten schwierigen Anstieg des 255 km langen Rennens, dem 360 m langen und über 20 Prozent steilen Paterberg, schüttelte Sagan seine Verfolger mit einem beherzten Antritt ab und raste in Zeitfahr-Haltung dem Ziel entgegen. "Es war sehr hart, ich musste Vollgas geben", sagte Sagan. In ähnlichem Stil hatte er auch im vergangenen September bei der WM in Richmond triumphiert, verhindern konnten seine Rivalen den Sieg aber erneut nicht. "Es ist ziemlich schwer für mich, niemand will mit mir zusammenarbeiten. Es ist für mich deshalb immer besser, jeden abzuschütteln", analysierte Sagan.
Einer der abgeschüttelten war Cancellara, der bei seiner letzten "Ronde" den vierten Triumph und alleinigen Siegrekord verpasste, bei der Zieldurchfahrt aber ins Publikum winkte und sich im Anschluss ein Bier gönnte. "Wir haben alles versucht, aber ich bin nicht Superman", sagte der Schweizer.
Sagan erwies derweil auch den am Osterwochenende verstorbenen belgischen Radprofis Antoine Demoitié und Daan Myngheer auf seine Weise die Ehre. "Ich möchte den beiden Belgiern, die letzte Woche gestorben sind, den Sieg widmen", sagte Sagan, der zugleich seinen im Training schwer gestürzten Teamkollegen Maciej Bodnar erwähnte.
Die große Trauer über die Todesfälle Demoitiés und Myngheers hielt auch bei der Jubiläumsausgabe des wichtigsten Radrennens in Belgien an. Schon zur Startzeremonie auf dem Grotemarkt in Brügge war Demoitiés Team Wanty-Groupe Gobert mit dem Frankfurter Björn Thurau mit schwarzen Kappen und schwarzen T-Shirts mit dem Konterfei des verunglückten Kollegen gekommen. Für Wanty war es das erste Rennen, seit Demoitiés Todessturz bei Gent-Wevelgem. Auf dem Rahmen der blauen Räder der Mannschaft war der Schriftzug "RideForAntoine" ("Fahren für Antoine") eingraviert. "Ich bin sehr stolz auf das Team", sagte Sportdirektor Hilaire Van Der Schueren.
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