Paris - Roubaix 2019 | Nils Politt freut sich trotz des verpassten Sieges

Nils Politt fährt bei Paris - Roubaix 2019 im Stile eines Stehaufmännchens auf Rang zwei. Der Kölner muss sich im Endspurt nur Routinier Philippe Gilbert geschlagen geben und lässt nachher im Ziel seinen Emotionen freien Lauf. Bei der 117. Ausgabe der "Königin der Klassiker" glänzte Politt mit einer besonderen Widerstandsfähigkeit. "Ich habe gedacht: alles oder nichts", sagte er zu seinem Rennen.

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Minutenlang lagen sich Nils Politt und seine Frau Annike im altehrwürdigen Velodrom von Roubaix in den Armen - überwältigt von den Glücksgefühlen eines famosen Tages. "Zweiter in Roubaix ist unglaublich, das ist ziemlich emotional", sagte der Kölner völlig entkräftet und dreckverschmiert.
Hinter Politt lag eine fast sechsstündigen Tortur durch die "Hölle des Nordens", die ihm das eindrucksvollste Rennen seiner Karriere beschert hatte.
Dass Politt im Spurt dem belgischen Routinier Philippe Gilbert unterlegen war - egal. "Gilbert hat gepokert, und ich war einfach nicht mehr endschnell. Gegen Gilbert zu verlieren ist keine Schande", sagte der 25-Jährige in der "ARD".

Nils Politt nicht kleinzukriegen

In der Tat, schließlich hatte der Radprofi aus dem Team Katusha-Alpecin zuvor einen imposanten Kraftakt hingelegt, war beim spektakulären Höhepunkt der Klassikersaison nicht kleinzukriegen und zurecht überglücklich.
Bei der 117. Ausgabe der "Königin der Klassiker" glänzte Politt mit einer besonderen Widerstandsfähigkeit, kämpfte sich immer wieder verbissen heran, wenn er den Anschluss an die Spitze zu verlieren drohte.
Im fürchterlich anspruchsvollen Sektor "Carrefour de l'Arbre" schien er erneut abgehängt zu werden, bevor er nicht vorhanden geglaubte Kräfte mobilisierte und sich zusammen mit Gilbert löste.

Nils Politt poliert die Ehre seines Teams

"Ich bin glücklich, dass ich mich getraut habe, einen Angriff zu wagen. Ich habe gedacht: alles oder nichts", sagte Politt, der das beste deutsche Roubaix-Ergebnis seit dem Triumph von John Degenkolb vor vier Jahren erreichte und als zehnter Deutscher überhaupt einen Podestplatz in Nordfrankreich holte.
Für das Team Katusha ist das Ergebnis auch wegen der Formschwäche von Topsprinter Marcel Kittel wie Balsam auf die geschundene Seele.
Höher gehandelt als Politt wurde eigentlich Degenkolb, er verpasste jedoch die entscheidenden Attacken und erreichte die Spitze nicht mehr. Für den Thüringer, neben Josef Fischer (1896) weiter der einzige deutsche Roubaix-Sieger, stand letztlich Rang 28 mit drei Minuten Rückstand auf Gilbert.

Philippe Gilbert bastelt an seinem Monumente-Denkmal

Der Ex-Weltmeister hat in seiner langen Karriere nun vier der fünf Radsport-Monumente gewonnen. Lediglich bei Mailand-Sanremo war der 36-Jährige bisher nie ganz vorn.
Gut 60 Kilometer vor dem Ziel entwickelte sich die entscheidende Rennsituation. Politt, zuletzt schon starker Fünfter bei der Flandern-Rundfahrt, verschärfte in einer Verpflegungszone das Tempo und forderte die Top-Favoriten um den dreimaligen Weltmeister und Vorjahressieger Peter Sagan heraus.
Der Slowake aus der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe reagierte und fuhr mit den Belgiern Wout van Aert (Jumbo-Visma), Yves Lampaert (Deceuninck-Quick Step) sowie Sep Vanmarcke (EF Education First) zur Spitze, wo sich neben Politt auch schon Gilbert (Quick Step) befand.

54,5 Kilometer über Kopfsteinpflaster

29 der berühmt-berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen über insgesamt 54,5 km Länge waren diesmal zu bewältigen - deren Folgen spüren die Profis noch tagelang.
"Nach dem Rennen sind meine Finger so taub und die Gelenke so angeschwollen, dass ich den Drehverschluss einer Wasserflasche nicht mehr aufbekomme", erzählte Degenkolb. Politt meinte noch voller Adrenalin im Ziel:

Schwere Stürze unvermeidbar

Wie jedes Jahr gehörten auch schwere Stürze zum Renngeschehen. Unter anderem erwischte es den Niederländer Taco van der Hoorn (Jumbo-Visma) heftig, auch der belgische Routinier Iljo Keisse (Quick Step) war betroffen.
Ein ähnliches Drama wie 2018, als der Belgier Michael Goolaerts nach einem Herzinfarkt während des Rennens stürzte und verstarb, blieb glücklicherweise aus.
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