Jens Voigt exklusiv: Warum Mads Pedersen bei Paris-Roubaix für Mathieu van der Poel zur echten Gefahr wird

Jens Voigt sieht Mathieu van der Poel zwar als Favoriten für den Klassiker Paris-Roubaix, dennoch gebe es einen Kandidaten, der auf Augenhöhe sein wird. "Mads Pedersen wird sehr gut fahren, war 2019 Weltmeister und hat gerade jede Menge Selbstvertrauen getankt", sagt der zweifache Sieger der Deutschland Tour im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. Und auch aus deutscher Sicht werde es spannend.

Mathieu van der Poel bei Paris-Roubaix 2021

Fotocredit: Getty Images

L’Enfer du Nord, die Hölle des Nordens, wartet in diesem Jahr mit 30 Pavé-Sektoren über 54,8 Kilometer auf. Die berühmten Kopfsteinpassagen von Paris-Roubaix sind wie gemacht für Mathieu van der Poel. Der 27-Jährige könne bei diesen besonderen Herausforderungen seinen "Cross-Hintergrund voll ausspielen", erklärt Jens Voigt im Gespräch mit Eurosport.de.
Der vierfache Cross-Weltmeister aus den Niederlanden gilt als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Sonny Colbrelli, der bei dem zu den fünf Monumenten des Radsport zählenden Klassiker 2021 triumphierte.
In diesem Jahr führt das Rennen über 257,5 km von Compiègne nach Roubaix - und auch die deutschen Profis um Nils Politt haben große Erwartungen. "Ich fühle mich von Rennen zu Rennen besser und mir kommt entgegen, dass Paris-Roubaix etwas später ist", erklärte Politt, der vor drei Jahren auf Platz zwei der Gesamtwertung kam, in der "Rheinischen Post".
Eine Einschätzung, die Voigt teilt, zumal Politt "vom Fahrertyp her geeignet" sei für den Showdown im Norden Frankreichs. Dass die berühmten Pavé-Sektoren in diesem Jahr auch in den Kurs der Tour de France aufgenommen wurden, hält der Eurosport-Experte allerdings für keine gute Idee.
Das Interview führte Tobias Laure
Wenn die Hatz über die Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs am Sonntag beginnt, scheint kein Weg an Topfavorit Mathieu van der Poel vorbeizuführen.
Jens Voigt: Ja, es sieht stark danach aus. Mathieu kann bei Paris-Roubaix seinen Cross-Hintergrund voll ausspielen. Es kann ihm egal sein, ob es trocken oder regnerisch ist, er kommt mit allen Bedingungen sehr gut klar. Er ist zweifellos der Mann, den es zu schlagen gilt.
Fragt sich nur, wer dazu in der Lage ist?
Voigt: Da gibt es einen Kandidaten: Mads Pedersen vom Team Trek-Segafredo. Der Däne wird sehr gut fahren, war 2019 Weltmeister und hat gerade jede Menge Selbstvertrauen getankt. Beim Circuit Cycliste Sarthe hat er von den ersten drei Etappen zwei gewonnen. Bei der Flandern-Rundfahrt holte er Platz acht - und Paris-Roubaix liegt ihm mehr. Pedersen wird ganz vorne mitmischen.
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Schlamm, Stürze, Spektakel: Die Highlights von Paris-Roubaix

Quelle: Eurosport

Mit Tadej Pogacar lässt einer der größten Namen Paris-Roubaix aus. Nachvollziehbar?
Voigt: Man darf nicht vergessen, dass Tadej in dieser Saison bereits die UAE Tour sowie bei Strade Bianche und Tirreno-Adriatico triumphiert hat. Der Mann ist schon eine ganze Weile unterwegs. Er hat ein sehr starkes Jahr und dann ist immer die Versuchung da, zu sagen: 'Komm, einer geht noch.' Und plötzlich stehst du da und merkst, dass vor der Tour de France kaum noch Zeit bleibt. Der alte Spruch gilt: 'Plane deine Arbeit und arbeite deinen Plan ab.' Ich denke, es war beabsichtigt, dass er gut in Form kommt, dann pausiert, um sich im Mai neu aufzubauen. Dabei sollten Pogacar und das UAE Team Emirates bleiben. Wenn er irgendwo fährt, gehört er zu den Siegkandidaten, das war auch bei der Flandern-Rundfahrt der Fall. Tadej war kurz vor dem Finale da, wo er hinmusste. Den Sprint hat er allerdings unglücklich bestritten. Ich glaube, dass er kaputt war, sonst hätte er früher angezogen oder wäre außen herum gefahren. Von daher absolut nachvollziehbar, dass er jetzt erst einmal Luft holt.
Wout Van Aert steht hingegen auf der Startliste, wobei die Entscheidung über eine Teilnahme noch nicht gefallen ist. Der Belgier hatte bis vor Kurzem mit einer Corona-Erkrankung zu kämpfen. Wäre ein Martyrium wie Paris-Roubaix ein zu hohes Risiko?
Voigt: Zunächst einmal bin ich mir sicher, dass der Fahrer und das Teams genau wissen, was sie da tun. Wie auch immer die Entscheidung aussieht. Jumbo-Visma ist eine sehr erfolgreiche Mannschaft, aber bei der Flandern-Rundfahrt war man nicht wirklich Teil des Rennens. Da hat sich Jumbo-Visma mit Sicherheit mehr erhofft. Das hat gezeigt, dass das Team ohne Van Aert nur die Hälfte wert ist. Es fehlt der Leitwolf, an dem sich die anderen aufrichten konnten.
Was können wir aus deutscher Sicht erwarten? Mit 2015-Sieger John Degenkolb und Nils Politt, der 2019 Zweiter wurde, sind ja Fahrer dabei, denen das Rennen liegt.
Voigt: Nils weiß, wie es geht. Dazu ist er in einer Form, wo er sagen kann: 'Ich möchte vorne dabei sein.' Ich finde, er ist vom Fahrertyp her geeignet für Roubaix. Es dürfte sich lohnen, Nils während des Rennens im Auge zu behalten. Johns Erfolg ist jetzt sieben Jahr her, eine lange Zeit. Trotzdem sage ich: Platz drei bis sechs ist drin, auch ein Top-Ten-Ergebnis wäre toll. Dazu muss aber alles passen. John muss die richtige Gruppe erwischen, es muss für ihn laufen.
Die deutschen Fans werden auch bei Pascal Ackermann und Nikias Arndt genau hinschauen.
Voigt: Ja, nur muss man die Rollen verstehen. Das UAE Team Emirates wird bei Ackermann in erster Linie an dessen großem Motor interessiert sein. Mit Matteo Trentin, Mikkel Bjerg oder Vegard Stake Laengen haben sie Leute im Team, die im Ranking vor Pascal kommen. Sie werden ihm also sicher nicht erlauben, auf eigene Rechnung zu fahren. Ackermann wird wohl die ersten 200 bis 220 Kilometer den Bodyguard für die anderen geben. Aber er kann lernen und im nächsten Jahr dann vielleicht auf sein Recht pochen, auf Ergebnis zu fahren. Arndt ist noch kein Siegfahrer, hat aber in dieser Saison solide Leistungen angeboten. Er hat sich in den Rennen vorne gezeigt.
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Paris - Roubaix : from inside the peloton

Quelle: Eurosport

Die berühmten Kopfsteinpassagen von Paris-Roubaix werden in diesem Jahr auch Teil der Tour de France sein.
Voigt: Ich halte das für keine gute Idee. Der Grund: Die Fahrer, die das möchten, bereiten sich auf Eintagesrennen wie Paris-Roubaix vor. Die brennen dafür, trainieren speziell. Bei der Tour de France aber hast du auch die kolumbianischen Bergspezialisten, die nur 65 Kilogramm wiegen und da ebenfalls drüber müssen. Klar, die schwereren Profis mögen einwenden, dass sie die Höhenmeter bei den Bergetappen ebenfalls zu absolvieren haben. Letztlich soll bei der Tour der kompletteste Fahrer gewinnen und nicht derjenige, der nur am Berg, im Kampf gegen die Uhr oder in den Abfahrten dominiert. Das ist für mich elementar. Die Paris-Roubaix-Etappe ist als Show-Element aber trotz allem wichtig, wenn ich jetzt mal aus Sicht der Zuschauer und des TV-Experten sprechen darf. Da gibt es nichts Größeres als dieses Teilstück.
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Colbrelli blickt auf emotionalen Roubaix-Triumph zurück: "Habe geweint"

Quelle: Eurosport

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