Polen-Rundfahrt: Marco Brenner feiert größten Karriere-Sieg in WorldTour nach schwerem Sturz beim Giro d'Italia 2025
Von Jan Zesewitz
Update 10/08/2026 um 16:58 GMT+2 Uhr
Marco Brenner feierte bei der Polen-Rundfahrt überraschend den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Mit dem Gesamtsieg erfüllte der Deutsche ein Versprechen, das er mit seinem Talent schon vor Jahren als Juniorenfahrer gegeben hatte. Die Profikarriere Brenners entwickelte sich mit Höhen und Tiefen - und vergangenes Jahr wollte der 23-Jährige sogar schon mit dem Radsport aufhören.
Highlights: Doppelte Freude bei Tudor - Küng und Brenner jubeln
Quelle: Eurosport
Am 30. Mai 2025 sagte Brenner, dass es das für ihn gewesen ist mit den Radrennen. 22 Jahre war er zu diesem Zeitpunkt alt und schon in seinem fünften Profijahr. Zum ersten Mal stand er für sein Schweizer Tudor-Team beim Giro d'Italia am Start.
Die 19. Etappe nach Champoluc beendete er im Krankenwagen. Mit hohem Tempo flog er über eine Leitplanke und zog sich schwere Verletzungen zu: "Ich hatte einen Innenbandriss am linken Knie und eine knochentiefe Schnittwunde an der linken Wade", sagte er in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen": "Da hat es das Bein ganz schön auseinandergefetzt. Meine linke Schulter war ausgekugelt und das Kreuzband und Außenband im linken Knie waren gezerrt. Zudem musste man noch eine Wunde am Kinn nähen."
Noch im Krankenwagen erklärte er gegenüber seinem Team, dass er aufhören will. Aber Brenner fand zurück, fuhr sogar noch 2025 Rennen. Und die folgende Saison sollte zur erfolgreichsten seiner bisherigen Laufbahn werden.
Schon bei der Tour Down Under im Januar wurde er Vierter in der Gesamtwertung, mit dem Sieg bei der Polen-Rundfahrt krönte er seine Karriere nur 16 Monate nach seinem schweren Sturz.
Brenner als Teenager zum WorldTour-Profi
"Ich kannte mein Potenzial aus der Vergangenheit, auch wenn es in den letzten Jahren etwas nachgelassen hatte", sagte er nach seinem Erfolg in Polen. "Aber ich habe dieses Jahr wieder enorm viel Arbeit in das Zeitfahrtraining gesteckt."
An das Potenzial der Vergangenheit erinnern - das kann für Brenner nicht nur für seine Zeitfahr-Qualitäten gelten. 2021 wurde er für das DSM-Team zum Profi, mit 18 Jahren. Als Junior war er einer der besten Fahrer der Welt, man traute ihm den Sprung in die absolute Elite zu.
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Im Zeitfahren sicherte sich Marco Brenner den Sieg in der Gesamtwertung der Polen-Rundfahrt
Fotocredit: Getty Images
Es folgten drei schwierige Jahre für den Augsburger. Sein Potenzial konnte er nicht in Ergebnisse umwandeln. Nach drei Jahren wechselte er das Team und trat einen Schritt zurück. Tudor ist ein ambitioniertes Team auf der ProTour, im Level unter der WorldTour.
Der richtige Schritt: Brenner wurde Deutscher Meister im Straßenrennen und gewann eine Etappe der Settimana Coppi e Bartali - traditionell ein Schaulaufen der größten Talente. Nach dem verlorenen Jahr 2025 konnte er nun an diese Erfolge anknüpfen.
Die nächsten Schritte für Brenner
Brenner wurde als Allrounder zu den Profis befördert. Ein bergfester, leichter Fahrer, der Explosivität und einen guten Sprint mitbringt. Ein Fahrertyp a la Tadej Pogacar - dessen komplette Ausnahmestellung bei diesem Vergleich berücksichtigt werden sollte.
Genau diese Fähigkeiten zahlten sich in der vergangenen Woche in Polen aus. Die kürzeren Anstiege kamen ihm entgegen, im Sprint konnte er immer wieder Bonussekunden sammeln. Und als bester Zeitfahrer in einem engen Kampf um den Gesamtsieg schließlich das Gelbe Trikot am Schlusstag überstreifen.
In seinem sechsten Jahr als Profi war Brenner erst bei zwei Grand Tours am Start. Sein Sieg in Polen sollte eine starke Bewerbung in Richtung seines Teams für eine Teilnahme an der Vuelta a Espana gewesen sein. Für eine Topplatzierung in der Gesamtwertung dürfte die Rundfahrt zu bergig sein, aber eine ganze Reihe von Etappen in Spanien passt zum Profil des ehemaligen Deutschen Meisters.
Bei Eintagesrennen und kürzeren Rundfahrten darf man Brenner in Zukunft auf der Rechnung haben - wenn seine Karriere endlich den nötigen Kickstart bekommen hat. Immerhin ist der Augsburger noch immer erst 23 Jahre alt.
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Quelle: Eurosport
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