Juan Ayuso tritt aus dem Schatten von Tadej Pogacar: Spanier brennt bei UAE Emirates-XRG auf große Aufgaben - und Siege
VonJan Zesewitz
Update 19/03/2025 um 10:31 GMT+1 Uhr
Juan Ayuso ist erst 22 Jahre alt, im Team UAE Emirates-XRG aber schon der Kronprinz für Tadej Pogacar. Der Gesamtsieg bei Tirreno - Adriatico unterstreicht seine Ambitionen in Richtung der Grand Tours. Beim Giro d'Italia will der Spanier endgültig aus dem Schatten des slowenischen Dominators treten. Angesichts seiner Leistungen wird Ayuso ohnehin nicht mehr lange als Helfer agieren müssen.
Der neue Tirreno-König: Ayuso kriegt den Dreizack
Quelle: Eurosport
Bei der Fernfahrt zwischen den Meeren war der UAE-Kapitän der Topfavorit. Bei miserablem Wetter mit Regen und Kälte musste Juan Ayuso seine Reife und seine Geduld beweisen.
Filippo Ganna, der Sieger des Auftaktzeitfahrens in Lido di Camaiore, gab das Blaue Trikot des Gesamtführenden bei seiner Heimrundfahrt nicht freiwillig her.
Die Chance bot sich bei der vorletzten Etappe, der einzigen Bergankunft des Etappenrennens in Frontignone. Ayuso attackierte vier Kilometer vor dem Ziel - einmal, zweimal, dreimal. Dann konnte er seine beiden letzten Begleiter - Tom Pidcock und Jai Hindley - abhängen und zum Etappen- und letztlich Gesamtsieg fahren.
"Ich musste mich beweisen und zeigen, dass ich bereit bin", sagte Ayuso auf der Pressekonferenz nach dem Rennen in San Benedetto del Tronto: "Und ich denke, das habe ich getan."
Helferdienste? Nichts (mehr) für Ayuso
Normalerweise muss sich ein 22-Jähriger im erfolgreichsten WorldTour-Team des vergangenen Jahres nicht beweisen. Er sollte lernen, Helferdienste verrichten und in kleineren Rennen seine Chancen nutzen.
Beim Spanier ist das anders - sein Talent ist zu groß, sein Palmarès schon im jungen Alter so gut gefüllt, dass die Erwartungen längst höhere sind.
Platz zwei in der UAE-Hierarchie
Ayuso zeigte seine außerordentliche Veranlagung schon früh. Er dominierte im Nachwuchsbereich und siegte beim "Baby-Giro" 2021 in souveräner Manier - er gewann drei Etappen, die Gesamtwertung und alle Sonderwertungen. Grund genug für UAE, ihn schon mit 19 Jahren in die WorldTour zu befördern.
Dort nahm er 2022 an der Vuelta a España teil, seiner ersten Grand Tour - und wurde direkt Dritter. Damit war er seit Henri Cornet bei der Tour de France 1904 der jüngste Fahrer auf dem Podium bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt. 2024 gewann er bei der Baskenland-Rundfahrt sein erstes einwöchiges WorldTour-Etappenrennen, bei Tirreno - Adriatico folgte nun Nummer zwei.
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Die dritte Attacke sitzt: Ayuso jubelt auf Königsetappe
Quelle: Eurosport
Sein großes Saisonziel ist jedoch der Giro. Dafür konnte er in der vergangenen Woche die Weichen stellen. Der souveräne Sieg erhebt ihn zu einem der Topfavoriten und klärte wohl die Hierarchie im Team, in dem es von Kapitänen nur so wimmelt.
Ayuso machte nie einen Hehl daraus, dass er sich selbst als Anführer sieht. In der Woche in Italien war er klar stärker als Teamkollege Adam Yates, der die Rundfahrt nur auf Platz 16 abschloss und ebenfalls zum Giro fährt.
Nicht zuletzt aufgrund seiner besseren Zeitfahrfähigkeiten sollte der Spanier im internen Duell mit Yates die Nase vorn haben.
Unterschiedliche Rennpläne für Pogacar und Ayuso
"Vergangenes Jahr war alles sehr anders", sagte er nach seinem Sieg bei Tirreno - Adriatico: "Das größte Saisonziel war nicht auf mich ausgerichtet, sondern auf einen Teamkollegen - und das bin ich nicht gewohnt. Dieses Jahr ist mein größtes Ziel der Giro, und der Druck liegt bei mir - das mag ich."
Interessant dabei: Sein Rennprogramm unterscheidet sich komplett von jenem Pogacars, wohl eine weise Entscheidung der UAE-Teamführung. Bei der Tour de France galt Ayuso im vergangenen Jahr nicht als der loyalste Helfer seines Kapitäns, vor dem zweiten Ruhetag musste er dann mit einer Covid-Infektion aufgeben.
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Tadej Pogacar (li.) und Juan Ayuso (re.) in der Saison 2023
Fotocredit: Imago
2025 arbeitet er an eigenen, großen Zielen. "Ich war im Grunde für zweieinhalb Monate nicht zuhause", erklärte er seinen Trainingsalltag und seine Verbesserungen im Vergleich zum vergangenen Jahr: "Ich wiege alles, was ich esse, ab und trainiere so hart wie ich kann, selbst im Regen. Ich tue, was ich tun muss."
Beim Giro wird die Aufmerksamkeit und der Druck bei ihm liegen - mit größerer und erfahrenerer Konkurrenz als bei Tirreno.
Primoz Roglic (Red Bull-Bora-hansgrohe) ist bereits fünffacher Grand-Tour-Sieger. Ihn und Jonas Vingegaard (Visma-Lease a Bike) trifft er schon bald zu einem ersten Kräftemessen: bei der Katalonien-Rundfahrt. Es wird eine weitere Standortbestimmung für Ayuso in Richtung Giro - und ein neuer Test, ob einer mit seinen Ambitionen in einem Team neben Pogacar co-existieren kann.
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Highlights: Milan siegt bei Ayusos Triumph
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