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Tour de France: Die neuen Stars von Hirschi bis Kämna
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Publiziert 11/09/2020 um 14:55 GMT+2 Uhr
Die neue Generation des Radsports steckt voller junger Stars und Top-Talenten: Wir stellen Euch die künftigen Dominatoren der Szene vor, von denen jetzt Marc Hirschi und Wout Van Aert bei der Tour de France für Furore sorgten. Doch auch Rundfahrt-Spezialisten und Kletterer gehören dazu, Egan Bernal ist nur einer von ihnen. Und auch ein ganz junger Deutscher hat eine große Zukunft vor sich.
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TAO GEOGHEGAN HART (25/Großbritannien): Der große Sir Bradley Wiggins nennt den Giro-Sieger einen "Geezer", einen echten Typen also. Und das ist der kantige Brite mit dem zu zwei Dritteln irisch-gälischen Namen wirklich: Ein pfiffiger, netter Kerl, bodenständig und abenteuerlustig - als Teenager durchschwamm Geoghegan (sprich: Gey-Gen) Hart mit einer Staffel den Ärmelkanal.
Auch wenn der Giro-Triumph völlig aus heiterem Himmel kam: Nach Wiggins, Froome und Thomas dürfte das Sky/Ineos-Team wieder ein britisches Aushängeschild gefunden haben.
MARC HIRSCHI (22/Schweiz): "Wir erleben hier live, wie eine Legende entsteht. Einer wie Bernard Hinault, der über Jahre die Tour prägen kann", sagte Jens Voigt am Eurosport-Mikrofon, als Hirschi zum Sieg in Sarran flog. Vor der Tour hatte das Sunweb-Juwel noch kein einziges Profi-Rennen gewonnen, beim wichtigsten Rennen der Welt holte er die Etappenplätze 1, 2 und 3, jeweils nach Attacken.
Hirschis Power im Angriff ist in höchstem Maße erstaunlich, beim Flèche Wallonnen und der WM legte er nächste Top-Auftritte nach.
JOAO ALMEIDA (22/Portugal): Irgendwo muss Patrick Lefevere eine Werkstatt haben, wo sich der exzentrische Quick-Step-Boss diese ganzen Talente zusammenschraubt. Sein Wunderkind Evenepoel fiel den Herbst über aus, also warf der belgische Rennstall beim Giro den jungen Portugiesen in seine erste große Rundfahrt. Ergebnis: 15 Etappen im Rosa Trikot, Gesamtplatz vier am Ende. Es bleibt dabei: Lefevere kauft keine Stars, er macht sie.
LENNARD KÄMNA (24/Deutschland): Trotz seiner jungen Jahre hat Kämna schon reichlich Erfahrung, fährt im vierten Profijahr seine dritte große Rundfahrt. Im Vorjahr war der zähe Bursche aus Wedel für das Sunweb-Team in den Alpen Etappenvierter bei der Tour, nach seinem Wechsel zu Bora schrammte er nun am Puy Mary knapp am ganz großen Coup vorbei. Nicht nur wegen seiner mit 65kg bei 1,81m idealen Statur: Kämna ist die große deutsche Berg- und Rundfahrt-Hoffnung der kommenden Jahre.
REMCO EVENEPOEL (20/Belgien): Den Belgiern gilt der blutjunge Alleskönner als der neue Eddy Merckx. Mit 20 hat Evenepoel bereits 14 Profisiege auf dem Konto, mit 19 gewann er die ruhmreiche Clasica Ciclista San Sebastian. Wenn alles gut geht, wird Quick-Step-Profi Evenepoel eine Riesenkarriere erleben, doch zuletzt ging nicht alles gut:
Nach einem fürchterlichen Sturz bei der Lombardei-Rundfahrt muss der Kannibale in spe erstmal einen Beckenbruch auskurieren.
TADEJ POGACAR (21/Slowenien): Nicht einmal Jan Ullrich war als Rundfahrer in dem Alter so weit wie Pogacar, der schon in diesem Jahr die Tour gewinnen konnte - als jüngster Fahrer seit 116 Jahren. Packt Pogacar, der in den Bergen quasi im Dauer-Angriffsmodus fährt, im Zeitfahren etwas drauf, wird er das Maß aller Dinge bei den Grands Tours. Das UAE Team Emirates hat "Pogi" frühzeitig bis 2024 gebunden.
EGAN BERNAL (23/Kolumbien): Die allerfeinste Auslese der Kaffeenation Kolumbien: Sein Tour-Sieg im Vorjahr machte Bernal, den ersten südamerikanischen Gewinner der Frankreich-Rundfahrt, in seinem Heimatland zum Volkshelden. Kletterwunder Bernal galt vielen bereits als kaum besiegbar, doch die laufende Tour zeigt dem Ineos-Kapitän, dass die kommenden Jahre kein Selbstläufer werden. Vor allem im Zeitfahren muss Bernal noch besser, zudem als Typ dominanter werden.
WOUT VAN AERT (25/Belgien): Schon jetzt ist der dreimalige Cross-Weltmeister für viele Experten der momentan beste Radfahrer der Welt. Van Aerts Vielseitigkeit ist atemberaubend: Niemand sonst kann mit 78 kg auf 1,87 m Körpergröße am Berg so arbeiten wie er, im Sprint hält er mit den Allerbesten mit, in den schwereren Klassikern kann den Sieger von Mailand-Sanremo und Strade Bianche kaum jemand stoppen - der Jumbo-Visma-Profi, der sich erst spät auf Straßenrennen konzentrierte, ist eine Maschine.
MATHIEU VAN DER POEL (25/NIEDERLANDE): Van der Poel ist quasi die niederländische Van-Aert-Ausgabe: Ein brutal starker Cross-Fahrer (dreimaliger und amtierender Weltmeister), der nun in ähnlicher Mannigfaltigkeit wie der Belgier die Straßenwelt aufmischt. Weil van der Poel derzeit für Zweitdivisionär Alpecin Fenix fährt, ist ihm aktuell der Zugang zu den Grands Tours versperrt - in den Herbst-Klassikern ist 2020 umso mehr von ihm zu erwarten. Kein Wunder, bei dieser Ahnenreihe: Van der Poel ist der Sohn des ehemaligen Weltklasse-Fahrers Adrie van der Poel und Enkel des großen Raymond Poulidor.
IVAN SOSA (22/Kolumbien): Wie Bernal ist Sosa Kolumbianer, wie Bernal steht er bei Ineos unter Vertrag - aber ist noch ein Jahr jünger: In dem nur 1,68 m großen und 58 kg schweren Bergfloh wächst in der britischen Mannschaft der nächste potenzielle Topstar heran. Sosa ist ein Rohdiamant, braucht aber noch Zeit. Beim Giro d'Italia darf sich Sosa zum zweiten Mal bei einer großen Rundfahrt bewähren.
DAVID GAUDU (23/Frankreich): Seit mittlerweile 35 Jahren warten die Gastgeber auf einen Tour-Sieg. Ob Gaudu die großen Hoffnungen erfüllen, ob er Nachfolger des großen Bernard Hinault werden kann? Seriös ist das nicht absehbar. Gaudu, im Vorjahr bereits Tour-13., bringt zumindest ein interessantes Gesamtpaket mit, um die Generation der "Gescheiterten" um Pinot und Bardet dem Traum von Gelb wieder ein Stück näher zu kommen.
ALEXANDER VLASOV (24/Russland): Als legitimer Nachfolger im Team Astana von Alexander Winokurow zu gelten, muss nicht unbedingt etwas Gutes bedeuten. Wlasow gehört zumindest zu den großen Entdeckungen seit dem Corona-Restart, gewann den Giro dell'Emilia und die Mont Ventoux Challenge. Der Mann mit dem offensichtlichen Riesenpotenzial könnte den Giro im Oktober zu seiner ersten großen Showbühne machen.
MARCO BRENNER (18/Deutschland): Die Zukunft des deutschen Radsports könnte auf den schmalen Schultern des Teenagers aus Augsburg ruhen. Schon als Brenner 16 war, klopften WorldTour-Teams bei dem Supertalent an. Letztlich entschied Brenner sich für Sunweb, unterschrieb dort seinen ersten Profivertrag ab 2021. Für Patrick Moster, Leistungssportdirektor beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR), ist der Junioren-WM-Dritte im Zeitfahren "eines der größten Talente im Straßenradsport der letzten zehn Jahre". Nun soll er ganz behutsam aufgebaut werden.
(SID)
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